Hartz 4 – Ein Gedicht
Die Katze ist seit dem gestrigen Sonntag aus dem Sack und derweil überschlagen sich die Meinungen, ob fünf Euro mehr pro Monat zu viel, zu wenig oder einfach nur eine Frechheit sind. Angeregt durch unseren ebenfalls gestern veröffentlichten Kommentar zur Hartz 4 Situation und der „Erhöhung“ des Regelsatzes, hat uns ein Leser auf ein von ihm verfasstes Gedicht zum Thema hingewiesen, dass wir ihnen nicht vorenthalten möchten. Geschrieben wurde es zwar schon im Juli diesen Jahres, ist aber leider absolut zeitlos. Zumindest wohl bis auf weiteres.
HARTZ IV Poem
Mein Heute
gleicht dem Gestern.
Das Morgen wird verdrängt.
Was bleibt zum Leben?
Frühstück
Toast mit Marmelade
Grüner Tee
Frische Brötchen sind nicht drin.
Tageszeitung lesen
im Schaukasten der Redaktion.
Abo kostet drei Tage essen.
Morgen hat die Tafel geöffnet.
Traurig
Die sonst strahlenden
Augen meiner Frau.
Ihr Leuchten
Behördlicherseits
durch Arroganz und Willkür
gelöscht.
Mitarbeiter der Arge
verschanzen sich hinter
Arbeitsanweisungen und SGB.
Ängstlich um ihre nach Vorschrift
gefalteten Ärsche besorgt.
Von Securityschergen abgeschirmt
machen sie sich täglich
schuldig als Handlanger
des Unrechtssystems.
Ihr hattet die Wahl.
Jetzt habt ihr Angst.
Mit Recht.
Wut
im Bauch.
Farblose Politikervisagen
künden mit übelriechendem Atem
soziale Ausgewogenheit.
Ignorant verlogen versaut.
Muss kotzen.
Das letzte Paar Schuhe
ist durch.
Mein persönlicher Jakobsweg
fordert Tribut.
Hartz IV Empfänger
haben keine Lobby
saufen eh nur.
Prost.
Jahrzehnte
stumm funktioniert.
Als Mitglied der
großen Legebatterie
harmlos vertrottelt
Kapital und Blutsauger
versorgt.
Als Fäkalie der Gesellschaft
auf den Misthaufen politischer Unfähigkeit
geworfen. Entsorgt.
Was wir
dir nicht geben
brauchst du nicht.
Es reicht!
Die Straße ruft!
Jetzt gnade euch Gott!
© Ronald Hard




