Claudia spricht: Verletzter Ballack schießt Tor für die Regierung!
Fußball ist ja eigentlich nicht meine Welt, aber allein aus Gründen der Allgemeinbildung verfolge ich immer wieder einmal das Geschehen um den runden Ball, die nun anstehende Weltmeisterschaft und folglich all dessen, was die strammen Jungs rund um Löw so treiben. Auch wenn man nicht in die Flimmerkiste sieht, entgeht einem keine neue Meldung hinsichtlich der deutschen Nationalelf, die bekanntlich das Ziel des Meistertitels anstrebt. Ballack, als einer der Helden, scheint wohl auszufallen, aber das er der Regierung ungeachtet dessen ein Tor geschossen hat, ist schon bemerkenswert.
Fußball. Weltmeisterschaft. Ballack. Titelkampf. Schlagworte, die ich überall lesen und hören kann, selbst wenn ich da an manchen Tagen überhaupt kein Interesse daran habe. Allerdings muss ich neidlos zugeben: Ballack hat schon was. Nein, ich rede nicht von seinen Fußballkünsten oder seinem männlichen Aussehen, sondern vielmehr von der Tatsache, dass er derzeit aufgrund seiner Verletzung im Stande ist, der deutschen Regierung schon vor der Weltmeisterschaft ein Tor zu schießen. Entschuldigen Sie bitte, nun bin ich als Nicht-Fußballfan schon so in dem faszinierenden Thema vertieft, dass ich doch glatt vergessen habe Sie zu begrüßen! Somit habe ich das gerade nachgeholt, aber da heute meine Zeit etwas drängt, will ich mich nicht mit weiteren Floskeln aufhalten und gleich wieder zum heutigen Thema übergehen.
Sind Sie ein Fußball-Liebhaber und fiebern dem 11. Juni schon heiß entgegen? Dass Sie damit nicht alleine sind, ist Ihnen gewiss bekannt, denn wie ein netter Kollege von mir kürzlich geschrieben hat, gibt es hierzulande 80 Millionen Bundestrainer, aber nur eine Kanzlerin. Wohl wahr. Ist ja auch nichts Negatives, doch ich mache mir da so meine eigenen Gedanken und die drehen sich nicht nur um den runden Ball, der möglichst den Titel für Deutschland einbringen soll.
Nun muss ich doch nochmal auf den armen Ballack zurückkommen. Die Aktion von Boateng war gewiss nicht gerade als fair zu betiteln, aber auch hier hat die Fußball-Medaille mal wieder zwei Seiten, die ich jedoch an dieser Stelle nicht beleuchten will. Vielmehr zolle ich dem Nationalspieler Michael Ballack wirklich Respekt, denn ungewollt hat er für unsere Regierung ein hervorragendes Ablenkungstor geschossen, und das macht ihm so schnell keiner nach! Ahnen Sie bereits wovon ich gerade rede? An Ihrem Gesichtsausdruck erkenne ich noch eine leichte Spur von Unwissen, aber da ja keiner unwissend aus einem gemeinsamen Gespräch mit mir hinausgehen soll, werde ich Sie nun mal weiter darüber aufklären, warum der Knöchel der Nation eigentlich schon jetzt eine Auszeichnung verdient hat.
Waren Sie am Tag der Verletzung des taffen Mannes und mithin Fußballhelden auf irgendeiner Social Media Plattform unterwegs oder haben Radio gehört bzw. TV gesehen, dann wird Ihnen kaum entgangen sein, dass kein Mensch mehr von der in Deutschland und Europa herrschenden Krise gesprochen hat. War in den Tagen zuvor nur die Rede von Griechenland, Schuldenbergen, Sparmaßnahmen und Krisensitzungen, fand die Krise nur noch im Namen von Ballack und Fußball-WM statt. Beachtlich: Ein Mann wird verletzt - übrigens als bekennender Nicht-Fußballfan kann ich ja sagen, dass derartiges täglich Millionen Menschen passiert - und eine Nation steht Kopf. Hochachtung, denn somit bekam die Regierung doch direkt eine Rückendeckung im unübersehbaren Strafraum, was wirklich bemerkenswert ist. Diese Deckung herrscht mehr oder weniger immer noch und ich frage mich doch ernsthaft, was erst mit dem Anpfiff des ersten Weltmeisterschaftsspiels hier im Land geschieht. Sitzen dann die Damen und Herren der Regierung feixend am runden Tisch und können sich entspannt überlegen, was sie ihren Bürgern nach dem Ende der Fußball-WM als Sparmaßnahmen-Paket kredenzen können? Oder prescht ein Herr Koch unbemerkt in den Strafraum der Bildung ohne eine rote Karte zu riskieren?
Fragen über Fragen und ich bin gespannt was Sie und die anderen Menschen hier im Land beachten, wenn es erst einmal heißt „Die WM 2010 in Südafrika ist eröffnet!“ Aber ich kann Sie beruhigen: Nicht jeder wird gebannt den Jungs der Nationalmannschaft und den Fußballhelden anderer Nationen folgen, so dass Sie beruhigt die Fußballzeiten genießen können. Wenn die Fouls auf Regierungsseite zu heftig werden, dann brauchen Sie nur auf die Pfiffe aus den Reihen derer hören, die sich nicht durch das eine oder andere Match von der vorantreibenden Krise ablenken lassen. Aber, wenn Sie die Pfiffe sehr laut wahrnehmen, dann beachten Sie ab und an das Geschehen um den Ball der da heißt „Volk, schnalle den Gürtel enger und lerne verzichten!“ Doch eines gönne ich unserem Land schon heute: Den Weltmeistertitel im Fußball, denn der liegt gegenüber dem Versagen der Regierung, immerhin in den Beinen aus den Reihen des Volkes.
Herzlichst
Ihre Claudia









