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Vergessen wir doch einfach alles

katastrophen_2010Und wieder ist eine Woche vergangen. Für den einen schnell, für den anderen langsam und zäh, für manch einen gespickt mit Erfolgen und wiederum für den nächsten mit schlechten Nachrichten, desolaten Ergebnissen früherer Entscheidungen und somit mit einer negativen Wochenbilanz. Vergessen wird doch einfach alles. So wie die immer noch herrschenden miserablen Zustände rund um „Deepwater Horizon“, den Vulkanausbruch auf Island oder ein Ereignis, dass eine ganze Gesellschaft, ja, um nicht zu sagen, eine Nation betroffen hat oder immer noch betrifft. Im Vergessen sind wir doch wahrlich Meister, nicht wahr?

Es ist schon eigenartig. Da geschieht irgendeine Katastrophe und die Medien sind voll mit echten oder gefälschten Informationen. Der Mensch, egal ob weiblich oder männlich, lechzt direkt nach den schlechten Nachrichten, diskutiert, regt an und noch mehr sich auf, um schon wenige Tage oder Wochen später keinen Deut mehr auf das Erfahrene zu geben. Wen interessiert schon noch, dass immer noch die Strände, das Gewässer im Golf von Mexico und die Tiere durch das nach wie vor vorhandene Öl verseucht sind? Wozu soll man sich um die Menschen auf Haiti Gedanken machen, zumal da auch von den Medien kaum was berichtet wird? Wen brauchen all die Toten interessieren, die nicht nur in bestimmten „Krisengebieten“ durch Krieg oder Hunger zu verzeichnen sind? Und überhaupt: Vergessen wir doch einfach alles.

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Genauso wie die Tatsache, dass man seinen Partner einmal geliebt hat, auch wenn man sich nun hasst und mehr schmutzige Wäsche wäscht als sie Tag für Tag in einer Großklinik anfällt. Vergessen wir doch unsere Kinder, die wir geboren und großgezogen haben, denn sie haben uns mit einer Tat oder mit Worten seelisch verletzt. Und ganz unwichtig ist es doch, ob hinter der nächsten Hausecke ein Obdachloser in der Kälte erfriert, die Schlange vor dem Tafelladen immer länger wird, die Zustände im Land auf Krise stehen und auch die vielen Arbeitslosen, die nicht mehr vorhanden sind. Von unserer Unfähigkeit der Einforderung wahrer Demokratie ganz zu schweigen. Gab es die Demokratie und das Recht auf ein mehrheitliches Wohlbefinden samt Zufriedenheit eigentlich überhaupt einmal? Egal, schon vergessen.

Ja, das ist so herrlich einfach, nicht wahr?! Einfach nicht mehr daran denken und schon gar nicht darüber nachdenken, besonders auch dann nicht, wenn plötzlich kein Medium mehr nach einem an sich für die Öffentlichkeit interessanten Ereignis oder einer Katastrophe kräht. Vergessen wir doch einfach alles. Ach ja, und unser heutiges Gespräch gleich noch dazu, denn ich gehöre weder zu den Naturkatastrophen noch zu einem gesellschaftlichen, politischen oder wirtschaftlichen Ereignis. Aber wissen Sie was wirklich erstaunlich ist? Sie werden eben dieses Gespräch nicht vergessen, denn es enthält ganz viele negative Nachrichten! Schön, oder?

Herzlichst

Ihre Claudia


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