Startseite » Gesellschaft » Kommentare » Über falsch verstandene Emanzipation und grüne Schwätzer

Über falsch verstandene Emanzipation und grüne Schwätzer

briefmarke gleichberechtigungNein, um die Emanzipation ist es nun wirklich nicht zum Besten bestellt, ganz im Gegenteil: Während Männer immer noch mehr verdienen als Frauen und weit häufiger in Führungsetagen sitzen, müssen sich die Frauen um den Haushalt kümmern, dem Mann gehorchen und ihre eigenen Bedürfnisse zurückstellen.

So oder so ähnlich hört es sich an, wenn man sich die Ein- und Auslassungen so mancher unserer Volksvertreter anhört. Eine Frauenquote müsse her, um die seit Jahrhunderten andauernde Unterjochung des weiblichen Geschlechts zu beenden und die patriarchalische Gesellschaft zum Einsturz zu bringen. Männer und Frauen, die in den 1960er- und 1970er-Jahren für die Sache der Frauen kämpften, verwechseln Gleichberechtigung heutzutage mit der Bevorzugung der Frau, alles selbstredend unter dem Vorwand der Gerechtigkeit.

Und allzu viele Menschen schlucken dieses Placebo. Statt die gleiche Entlohnung von Frau und Mann endlich gesetzlich festzuschreiben, wird an Symptomen einer sich zum Glück im Umbruch befindenden Arbeitswelt herumgedoktert. Als ob durch die Benachteiligung des Mannes, die sich aus der Bevorzugung der Frauen durch eine planwirtschaftlich anmutende Quotierung zwangsläufig ergibt, irgendetwas für das hehre Ziel einer gleichberechtigten Gesellschaft erreicht würde. Und diese Benachteiligung entsteht nicht erst durch eine an Nutzlosigkeit kaum zu überbietende Frauenquote für die Teppich- und Führungsetagen unserer Republik. Sie existiert bereits heute, durch Frauenbeauftragte, die sich eiligst in Gleichstellungsbeauftragte umbenannten, als sie merkten, dass ihre Berufsbezeichnung nicht nur ihren Job, sondern das eigentliche Problem einleuchtend zum Ausdruck bringt. Oder in der Tatsache, dass es Frauen eben nicht immer schwerer im Leben haben, sondern durchaus auch dazu in der Lage sind, ihr Geschlecht gewinnbringend für die eigenen Ziele einzusetzen, was ebenso legitim wie nachvollziehbar ist.

Während Frauen sich dafür feiern lassen, wenn sie das Ende der Männlichkeit oder das Ende des Mannes ausrufen, müssten Männer, die das Ende der Weiblichkeit ausrufen würden, mit der gesellschaftlichen Ächtung und einer nicht unberechtigten Ladung Hass und Wut rechnen. Der Feminismus, so scheint es, ist weit über sein ursprüngliches Ziel – die Gleichberechtigung von Mann und Frau – hinausgeschossen. Während der Mann um sein Ansehen und seinen Beruf fürchten muss, wenn er sich verdächtig macht, ein Frauenhasser zu sein, werden offenkundige Männerhasser protegiert, es wird zustimmend genickt, wenn sie darüber schwadronieren, wie fehlerbehaftet das männliche Geschlecht doch ist. Und die Männer lassen es weitgehend über sich ergehen oder stimmen sogar noch ein in den Chor derjenigen, die sich offenbar eine Welt wünschen, die von allem Maskulinen befreit wurde.

Die Debatte um die Rolle von Mann und Frau wird ideologisch geführt wie kaum eine andere: Exemplarisch kann hier die Diskussion um das Betreuungsgeld genannt werden. Auch als ausgewiesener Nicht-Konservativer, wie ich es bin, muss man der CSU fast schon danken, dass sie sich von den linksgrünen Labertaschen nicht hat einlullen lassen, ebenso wenig wie von den verheerenden Umfragewerten, die samt und sonders eine ablehnende Haltung innerhalb der Bevölkerung konstatieren.

Schließlich bedeutet Gleichberechtigung auch, sich für oder gegen etwas entscheiden zu können, die Freiheit zu haben, zwischen bestimmten Alternativen wählen zu können und das eigene Leben eben nicht danach auszurichten, was einem von außen diktiert wird. Rot-Grün geriert sich derweil so wie die schlimmsten Chauvinisten der 1950er-Jahre: Wer sein Kind nicht in eine Kinderkrippe gibt, ist im besten Fall eine unterdrückte Frau, die sich von ihrem Mann ihre berufliche Zukunft verbauen lässt. Dass es sich die Frau selbst aussucht, zu Hause zu bleiben, kommt selbstredend nicht in Betracht, schließlich wollen alle Frauen das, was Rot-Grün will. Im schlimmsten Fall ist derjenige, der sein Kind in den ersten Lebensjahren zu Hause selbst erziehen und betreuen möchte, ein Asozialer, der sich lieber ein paar Euro für Tabak und Alkohol einsteckt, statt das eigene Kind zu fördern. Dreierlei ist er jedoch in jedem Fall: der falschen Ansicht und auf dem vermeintlichen Holzweg, nicht der gleichen und damit der falschen Meinung. Und all das in einem angeblich freiheitlich-demokratisch verfassten Staat, in dem die Aufgaben desselbigen hinsichtlich der Erziehung und der Familie aus guten Gründen und schlechten Erfahrungen ursprünglich einmal eng begrenzt waren.

Der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Jürgen Trittin, befleißigte sich in den vergangenen Monaten penetrant oft, vom „begabteren Geschlecht“ zu sprechen, wenn er über Frauen redete. Die Empirie lüge schließlich nicht, so seine bibelpapierdünne Argumentation. Er vergisst dabei wie so viele, die sich die „Gleichberechtigung“ auf die Fahne schreiben, den nächsten Denkschritt, wenn er sagt, dass Mädchen besser in der Schule seien als Jungs. Immerhin gehört auch zur Wahrheit, dass die Jungs nicht qua Geschlecht dümmer sind als Mädchen. Und natürlich fordert ein weiblicher Lehrkörper ein anderes soziales Verhalten von Jungen als ein männlicher, was man den Lehrerinnen auch gar nicht zum Vorwurf machen sollte, sondern was viel eher in der ebenso alten wie logischen Erkenntnis gipfelt, dass Frauen und Männer sehr unterschiedlich sind, allen Versuchen, ihnen das auszutreiben, zum Trotz.

Trittin jedenfalls wird auch von Frauen für seine durchaus diskriminierende Züge tragenden Aussagen kritisiert. Er diskriminiert dabei nicht mal ausschließlich das männliche Geschlecht, sondern auch und gerade die Frauen, obschon dies eine positive Diskriminierung ist. Warum er sich auf derart plumpe Weise bei den Frauen einzuschmeicheln versucht, bleibt wohl sein Geheimnis. Warum er sich nicht darüber echauffiert, dass die Quotierungsregel bei der Suche nach einem Grünen-Spitzenkandidatenduo vorsieht, wenigstens eine Frau aber nicht wenigstens einen Mann an Bord zu haben, ebenso. Ich für meinen Teil wünsche mir ja, dass wir uns als Bevölkerung nicht länger an der Nase herumführen lassen von derartigen Polit-Schauspielern, sondern in einem ersten Schritt die bereits angesprochene gleiche Bezahlung für die gleiche Arbeit durchsetzen, damit wir uns nicht mehr über so unsinnige Fragen den Kopf zerbrechen müssen, vor die uns Politiker wie Trittin immer wieder stellen. Dann könnten wir uns überdies auch einen guten Teil der sogenannten Gleichstellungsbeauftragten in den Unternehmen sparen und die Männer könnten sich nicht mehr damit zufriedengeben, immerhin noch mehr zu verdienen als die Frau, sondern müssten das tun, was schon lange überfällig ist: Sich emanzipieren.

Über seb