Freitag , 24 Juni 2016
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PKW-Maut, Tempo 30 in Ortschaften und andere Zumutungen für Autofahrer

30er zoneEigentlich sollte der Autofahrer in Deutschland eine starke Lobby haben. Laut Kraftfahrtbundesamt gab es zum 1. Januar 2012 in Deutschland immerhin 42.9 Millionen Pkws. Autofahrer sind zugleich Wähler, die es zu gewinnen gilt. Auch Politiker von Schwarz über Gelb bis Rot und Grün lassen sich gern fahren. Vorzugsweise in recht schweren Limousinen deutscher Hersteller, die nicht unbedingt auf ökologische Nachhaltigkeit getrimmt sind. Allerdings verhalten sich Politiker dem Autofahrer gegenüber eher wie einer Melkkuh.

Allerhöchstens bemühen sich hiesige Politiker darum, die deutsche Autoindustrie mit ihren überdimensionierten Modellen gegenüber der Konkurrenz in Europa zu schützen. In anderen Bereichen sieht es dagegen sehr kritisch aus. Insbesondere das Thema Benzinpreise und Kontrolle der Mineralölwirtschaft verkommt regelmäßig zur Lachnummer.

Vielleicht liegt es daran, dass Politiker als Beifahrer und Insassen und nicht als verantwortliche Autofahrer relativ wenig von dem mitbekommen, womit der reale Autofahrer konfrontiert ist. Wie anders kann es sein, dass die CSU immer wieder das Thema PKW-Maut ins Spiel bringt? Wobei sich Politiker dieser Partei dann rotzfrech hinstellen und meinen, dass die Autofahrer ja schließlich auch an der Finanzierung des Straßenbaus beteiligt werden müssten.

Zur Erinnerung: Autofahrer zahlen Kfz-Steuer, Mineralölsteuer inkl. Ökosteuer und Mehrwertsteuer. Weit über 50 Prozent des Benzinpreises sind Steueranteil. Dazu kommen häufig Kosten für einen Parkplatz. Und auch Einnahmen auf der Grundlage von Bußgeldern für Geschwindigkeitsübertretungen usw. sind in den Etats von Kommunen fest eingeplant.

Nach einer in 2010 veröffentlichten Studie kassiert der deutsche Staat viermal mehr Steuern von Autofahrern, als er in den Autobahnbau steckt. Der Autofahrer als Melkkuh. Oder gar als die Reinkarnation des Bösen: Da gibt es tatsächlich Leute, für die Berufspendler die Wurzel allen Übels bzw. zumindest verantwortlich für Staus, Unfälle und eine Zersiedelung der Landschaft sind und daher eine Strafsteuer für solche Autofahrer fordern:

Der Berufspendler fährt ja auch absolut freiwillig und der Selbstverwirklichung wegen zu seinem weit entfernt liegenden Arbeitsplatz. Und für einen auf wenige Jahre befristeten Arbeitsplatz wird man doch wohl mal schnell umziehen können! Mitsamt Familie.

Aber auch aus der grünen Ecke sind Zumutungen zu erwarten. Wir erinnern uns vielleicht noch an die Forderung nach einem Benzinpreis von 5 DM oder später 5 Euro. Wobei die Grünen allerdings heute selbst Kritik an der Politik der Mineralölindustrie und den steigenden Benzinpreisen üben.

In der Regel pochen ökologisch orientierte Menschen auf Maßnahmen, die z.B. darauf ausgerichtet sind, den Ausstoß von Schadstoffemissionen im Straßenverkehr zu verringern. Allerdings sind nicht alle erdachten Maßnahmen wirklich geeignet, ein solches Ziel zu erreichen. Gut und gut gemeint ist häufig nicht dasselbe.

Aktuell möchten die Grünen, unterstützt von der SPD und dem ökologisch orientierten Verkehrsclub Deutschland VCD gern ein generelles Tempolimit von 30 km/h für Ortschaften durchsetzen.

Ein solches Tempolimit soll die Verkehrssicherheit erhöhen sowie Lärm und Schadstoffemissionen verringern. Mag sein, dass sich die Verkehrssicherheit durch ein solches Tempolimit tatsächlich erhöht – sofern sich die Autofahrer wirklich daran halten. Man sollte sich allerdings einmal ins Auto setzen und eine lange gerade Strecke versuchsweise mit 30 km/h zurücklegen.

Wer selbst ein wenig Ahnung von Autos hat, wird schnell bemerken, dass sich Lärm und Schadstoffemissionen mit einem solchen Tempolimit nicht reduzieren lassen. Mit einem herkömmlichen Auto (Benziner) hat man bei einem Tempolimit von 30 km/h drei mehr oder weniger sinnvolle Möglichkeiten:

1. Man quält seinen Motor bei 30 km/h im dritten Gang und erzielt damit auch einen einigermaßen günstigen Verbrauch und geringe Schadstoffemission. Ob das dem Motor und Getriebe gut tut, ist eine andere Frage.

2. Man fährt im dritten Gang etwas mehr als die erlaubten 30 m/h, hat weiterhin einen günstigen Verbrauch und geringere Schadstoffemissionen, sieht sich allerdings einem plötzlichen Kostenrisiko in Form von Knöllchen ausgesetzt.

3. Man fährt im zweiten Gang, was allerdings extrem hohen Verbrauch und hohe Schadstoffemissionen zur Folge hat.

Es ist anzunehmen, dass die wenigsten Autofahrer Variante 1 wählen werden. Man kann auch vermuten, dass mancher Politiker insgeheim die Variante 2 einplant und auf die damit verbundenen Mehreinnahmen hofft.

Sicherheit für Menschen ist auf jeden Fall der Vorzug zu gewähren! Daher plädiere auch ich für ein Tempo-30-Limit in Wohngebieten. Allerdings wird man Schadstoffemissionen und Lärm zumindest bei herkömmlichen mit Benzin angetriebenen Pkws dadurch nicht reduzieren können! Etwas anders wäre die Situation, wenn es sich um Elektroautos handeln würde.

Letztlich kommt es auf die konkrete Situation vor Ort an. Städte bestehen nicht nur aus Wohngebieten, sondern beinhalten auch Durchgangsstraßen, die sich nicht alle durch Umgehungsstraßen ersetzen lassen (die auch wiederum Raum einnehmen und zur Zerstörung von Umwelt führen würden).

Die konkrete Situation vor Ort kann allerdings am besten von den Bürgern und den Kommunalpolitikern beurteilt und entschieden werden und ist keine Angelegenheit der Bundespolitik. Allerdings scheint es mir so, dass Politiker in der Regel nur dann für mehr Bürgerbeteiligung eintreten, wenn sie sich in der Opposition befinden.

Sinnvoll wären auch flexible Tempolimits in Abhängigkeit von der aktuellen Verkehrssituation (analog den Geschwindigkeitsbeschränkungen bei dichtem Verkehr auf der Autobahn), gekoppelt an ein effizientes System von Ampelschaltungen. Wenn dadurch lange Standphasen vermieden werden könnten, würde dies tatsächlich auch die Schadstoffemissionen verringern.

Der Autor dieses Beitrags ist übrigens leidenschaftlicher Autofahrer, allerdings kein Raser, sondern an möglichst geringem Verbrauch und wenig Schadstoffemissionen interessiert, was sich auch in einer entsprechenden Fahrweise niederschlägt.

Tipps zum Spritsparen beim Autofahren

Ein Beitrag von Dr. Falk Richter – http://www.falkrichter.de

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