Donnerstag , 23 März 2017
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„Freiheit“ unter die Lupe genommen

woman expressing freedomFreiheit – Welch hehres Wort! Das Auge beginnt zu glänzen, der Puls beschleunigt sich. Freiheit ist das höchste Glück – sagt man. Dafür lohne es sich zu kämpfen, sie zu verteidigen sei jedermanns Bürgerpflicht, Andere zu befreien und dafür zu sterben die höchste Ehre. Wir leben in der freiesten Gesellschaft, die je auf deutschem Boden existierte, sagt man. Ja – bei diesen erhabenen Gedanken atmet man unwillkürlich auf, fühlt sich berauscht, ja geradezu beschenkt, und als Teil des Guten in der Welt.

Doch halt! Wenn jemand hohe Dosen Opium, auch rhetorisches, verabreicht, so will er damit vor allem eines: Den Patienten sedieren. Lassen wir also die Narkose einmal abklingen, um so vielleicht einen klareren Blick für die Realität zu bekommen.

Es stellt sich zunächst die Frage, was Freiheit denn überhaupt ist. Bei drei versammelten Personen lassen sich dazu leicht fünf verschiedene Meinungen finden. Es scheint, dass die Interpretationen dieses oft strapazierten Wörtchens Freiheit doch erheblich auseinander gehen.

Der Autor Joachim Fernau hat es folgendermaßen formuliert: „Das Wort (Freiheit) hat nicht, wie die Ideologen lehren, a priori einen Heiligenschein. Es kommt einem der schwere Verdacht, dass der Mensch durchaus nicht immer von allem frei sein will, sondern nur von Dingen, die ihm nicht in den Kram passen. Daraus ergibt sich eine Erkenntnis, die von allen Hirnlosen mit großem Bedauern vernommen werden wird, nämlich die Erkenntnis, dass das Wort Freiheit zwar etwas aussagt, aber verschweigt, wovon. Es ist ein Wort wie Wetter. Gefällt Ihnen Wetter? Das kommt darauf an, nicht wahr? Eben. Die Benutzung des Wortes Freiheit geschieht fast immer in Form einer Parole, einer Fanfare. Sie hat eine gefährliche Faszination. Es sind meistens Verführer, die sie benutzen, und Dummkopfe, die sie inhalieren!“

Das ist saftig, nicht wahr? Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen!

Weiter schreibt er jedoch: “Freiheit ist die körperliche und moralische Selbstbestimmung im Rahmen einer von der Schicksalsgemeinschaft gut geheißenen Verfassung.“

Eine wunderbare Definition. Ich gestehe, dass ich damit mehr anfangen kann als mit dem ganzen moralinsauren Gefasel, mit dem uns unsere politischen Vorbeter ständig in den Ohren liegen.

Und nun darf ich Ihr Augenmerk noch einmal auf den zuletzt zitierten Satz lenken, den mit der Verfassung. Fällt Ihnen etwas auf?

Genau – diese Verfassung haben wir nicht! Auf die Möglichkeit, uns eine solche endlich geben zu dürfen, warten wir nämlich bis heute vergeblich, obwohl dies laut Grundgesetz schon längst hätte geschehen sollen. Damit nicht genug: Ausgerechnet diejenigen, die uns immer wieder predigen, wie glücklich wir uns doch schätzen sollen, in diesem „freiesten deutschen Staat“ leben zu dürfen, sind es, die uns diese selbst gegebene Verfassung bis heute bewusst vorenthalten.

Die gleichen Freiheitsprediger haben bis heute zu verhindern verstanden, dass andere an die Macht kommen können als die, die dafür vorgesehen sind. Durch die 5-Prozent-Hürde, durch die bewusste Verweigerung von Volksentscheiden, durch das Gesetz zur Parteienfinanzierung und durch konsequente mediale Ignoranz oder Diffamierung politischer Gruppierungen, die den Interessen der Machtelite gefährlich werden könnten. Zusätzlich ist dafür gesorgt, dass das Volk immer nur brav diejenigen wählen darf, die ihm von den etablierten Parteien fix und fertig vorgesetzt werden und bei denen von vorneherein sichererstellt ist, dass sie nicht von der Linie abweichen – andernfalls würden sie nicht zur Wahl aufgestellt. Wagen sie es nach einer solchen wider Erwarten doch einmal, beispielweise in einem Anfall unerwarteten selbstständigen Denkens, so darf man sicher sein, dass sie nicht lange im Amt sind. Beispiele gibt es hier zur Genüge.

Nun könnte der politisch Desinteressierte selbst dies noch hinnehmen, wenn nicht inzwischen die Interessen der Bevölkerung, und damit die Freiheit, immer unverhohlener mit Füssen getreten würden. So nimmt der Bailout der parasitären Finanzwelt mit Steuergeldern inzwischen Formen an, die jeglicher Beschreibung Hohn sprechen. Demokratisch nicht legitimierte Bankenvertreter werden in höchste Ämter in Politik und Zentralbanken gehievt, um dort mit dem Hinweis der Alternativlosigkeit das Ausbeutungswerk immer hemmungsloser und abgehobener fortzusetzen. Immer offener und unverschämter werden die Staatsbürger zu schweigenden Zahlmeistern degradiert, die kein Recht zur Mitsprache haben, sondern bestenfalls ihre Kinder als Kanonenfutter für dubiose Befreiungskriege zur Verfügung stellen dürfen.

Für jede Einschränkung der Freiheit finden sich im jeweiligen Land überzeugende Erklärungen, die den Menschen solange in ihre Gehirne gehämmert werden, bis auch möglichst viele die „Notwendigkeit“ dieser Einschränkungen erkennen und begrüßen. Würde ich jetzt all jene Gegebenheiten aufzählen, die des Deutschen Freiheit beschneiden, würde dies spontane Gegenargumente mit sich bringen und vom Kern dessen, was ich eigentlich zu erklären versuche, ablenken.

Heutzutage denkt man gerade bezüglich der Freiheit ohnehin global. Werfen wir daher einen Blick über den Zaun ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten, dem „Land of The Free“.

Die Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika sind frei, so frei, dass sie in einem an Peinlichkeit kaum zu überbietenden Wahlkarneval zwischen ein paar Millionären wählen dürfen, die ihnen von ein paar Milliardären vorgesetzt und von diesen finanziert wurden. Und das Volk jubelt dazu – WOW! Unsere verblichenen Ahnen aus dem Mittelalter werden angesichts dieser Praxis vermutlich im Grabe rotieren, weil ihnen selbst die Idee zu solch einem Wahlzirkus nicht gekommen ist: Damit hätten sie ihr Feudalsystem noch mindestens 500 Jahre länger erhalten können – niemand hätte es bemerkt, wie das Beispiel der USA beweist.

Da in diesem Land alle so frei sind, frönt man besonders einer Leidenschaft: Man befreit gern andere Länder. Da die Freiheit ein solch hohes Gut ist, dass alles andere verglichen damit nebensächlich ist, werden die so Beschenkten meist gar nicht erst gefragt, ob sie mit dieser Segnung denn auch einverstanden sind. Den Dank der Befreiten vorausgesetzt, geht man immer nach dem gleichen bewährten Rezept vor:

Erst wird ein bisschen bombardiert,

Der Laden gründlich demoliert

Was dann noch steht, privatisiert:

Das nennt man demokratisiert.

Das Ergebnis ist seit 1945 immer dasselbe.

Im mächtigsten Land der freien Befreier, wurde nun gerade ein neues Gesetz beschlossen, der National Defense Authorization Act, kurz NDAA genannt. Dieses Gesetz erlaubt es, amerikanische Bürger auf amerikanischem Territorium ohne Gerichtsverfahren für unbestimmte Zeit zu internieren, selbst wenn nur indirekte Verbindungen zu Terroristen vermutet werden. Nachtigall, ick hör‘ Dir trapsen…!

Klingt alles ganz harmlos, meinen Sie? Das wäre verständlich, wegen der bösen Terroristen überall? Natürlich, die Terrorgefahr, gewiss, gewiss!

Von hier bis zu Gulags oder Konzentrationslagern ist es allerdings nur noch ein kleiner Schritt. Josef Stalin, Wladimir Uljanow und Adolf haben jetzt vermutlich dort, wo sie sind, ein breites Grinsen im Gesicht.

Den Amerikanern hingegen könnte das Lachen bald vergehen – dieses Gesetz ist der Freifahrtschein, nach dem jede Regierung, die die Freiheiten des Volkes abschaffen möchte, geradezu lechzt! Damit ist alles möglich, sind der Willkür Tür und Tor geöffnet. Sie sehen, mit der gepriesenen Freiheit ist es so eine Sache: Meist ist es damit nicht so weit her, wie man Ihnen weismachen will. Zudem hat die Vergangenheit der letzten 60 Jahre gezeigt, dass man in Deutschland den USA immer nur ein Schrittchen hinterher hinkt: Was dort geschieht, das kommt meist auch hier an.

Unter uns – wissen Sie was? Man könnte verzweifeln. Fast!

Aber es liegt an uns. Es liegt an uns, ob wir uns weiterhin einlullen lassen und die „kleineren Übel“ wählen wollen – und damit denen unsere Stimme geben, die für die großen Übel verantwortlich sind. Es liegt an uns, ob wir auf die Straße gehen und uns wehren! Es liegt an uns, ob wir in untätige Resignation verfallen, und so denen, die darauf bauen, in die Hände spielen, oder ob wir aktiv werden und dieser undemokratischen, bigotten und heuchlerischen „Elite“ endlich zeigen, dass wir nicht mehr bereit sind, ihr Treiben weiterhin zu tolerieren.

Jeder von uns kann etwas tun – Sie, ich, wir alle. Seien Sie so frei: Wählen Sie einfach mal etwas anderes als die schwarz-gelb-grün-rot-dunkelrote kapitalistische Einheitspartei Deutschlands. Kündigen Sie Zeitungsabonnements von Blättern, die ihre Seele lange schon als willige Propagandamedien an den politisch-finanziellen Komplex verkauft haben. Schreiben Sie an Politiker, auch wenn Sie keine Antwort bekommen. Machen Sie ihnen klar, dass diejenigen, die die Krise verursacht haben und sich jetzt als Retter verkaufen, von Ihnen keinerlei Unterstützung zu erwarten haben. Denken Sie an das Beispiel, das man uns 1989 gegeben hat! Wir können uns zur Wehr setzen und diese Zustände endlich ändern – wenn wir es wollen! Wenn Sie, wenn ich – wenn WIR es wollen. Denn wir sind das Volk! Nehmen wir uns die Freiheit!

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