Sonntag , 11 Dezember 2016
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Magerwahn – Der ewige Kampf gegen verzerrte Schönheitsideale

Sie lächeln uns von großen Plakaten aus an, von Anzeigen in Magazinen oder im TV. Perfekte Menschen mit dem perfekten Körper. Allerdings zeigen diese nur ihren Körper, nicht das, was sie innerlich bewegt oder ihren Charakter. Weibliche und männliche Models preisen uns die neuesten Modekollektionen an. Doch oft realitätsfremd, da nur wenige, „echte“ Menschen auf die körperlichen Anforderungen der Models erfüllen. Um diese Figuren zu erreichen, hungern die Models und gaukeln uns dann das perfekte Schönheitsideal vor. Vom Hungern und dem Magerwahn sind jedoch nicht nur Models im Bereich Mode betroffen, sondern auch Formel 1 Rennfahrer oder Frauen aus dem eigenen Umfeld. Der Magerwahn entwickelt sich zum krankhaften Wahnsinn und macht vor niemandem halt. Nur, wenn Sie es nicht so weit kommen lassen.

Size Zero haben auch fast Zero Frauen

Die sogenannte Size Zero wird von der Modeindustrie auf den Markt gedrückt und soll das perfekte Schönheitsideal darstellen. Size Zero entspricht bei Frauen einer Konfektionsgröße 32. In einer Umfrage aus dem Jahr 2012 wurde erhoben, dass gerade einmal 2,4 Prozent aller Frauen in Deutschland eine Konfektionsgröße von 34 oder weniger aufweisen. Wird hier die gesamte Zahl der Frauen in Deutschland zugrunde gelegt, die ca. 41 Millionen entspricht, hat nicht einmal eine Millionen Frauen in Deutschland diese Size Zero. Die meisten Frauen in Deutschland tragen die Konfektionsgrößen zwischen 36 und 40.

Äußerer Druck verursacht oder begünstigt Magerwahn

Magerwahn ist eine Essstörung, die gefährliche Folgen haben kann. Viele, vor allem junge Mädchen und Frauen, eifern ihren Idolen, die sie aus dem TV oder Zeitschriften kennen, hinterher und wollen so sein wie sie. Dazu gehört auch die Figur. Um schnell das gewünschte Ziel zu erreichen, heißt es dann: Hungern. Ein weiterer Grund für die Ausbreitung von Magerwahn ist das jeweilige Umfeld der Menschen. Durch Mobbing wird das möglicherweise vorhandene, eigene Unwohlsein unterstützt und der Weg in die Magersucht geebnet. Gerade, weil sich Personen schon sehr früh in sozialen Netzwerken präsentieren, kann der öffentliche Druck schnell wachsen.

Size Zero Models
Die Modeindustrie gibt die Perfekte Konfektionsgröße vor / Bild: burnnet – Pixabay.com/de

Krankheitsbild Magerwahn

Bei Magersüchtigen setzt sich im Kopf der Gedanke fest, dass sie grundsätzlich zu dick sind. Selbst wenn die Körperwaage eine ganz andere Sprache spricht oder Verwandte und Freunde dies ebenfalls nicht bestätigen. Allgemein gibt es zwei verschiedene Krankheitsformen. Magersucht und Bulimie. Bei der Magersucht treibt der Betroffene meist viel Sport und meidet ungesunde Lebensmittel. Bevorzugt werden nur gesunde Lebensmittel konsumiert und trotz dessen fällt das Gewicht rapide ab. Bulimie wird auch zum Magerwahn gezählt, äußert sich jedoch anders. Die Betroffenen essen und leiden häufiger unter regelrechten Heißhungerattacken. Um durch eine Attacke zu viel aufgenommene Speisen wieder loszuwerden, erbrechen sich die Erkrankten zwanghaft. Dadurch kann der Körper nur wenige Nährstoffe aufnehmen und auch keine Rücklagen, eben Fette, bilden.

Nicht nur der Körper, sondern auch der Geist verändert sich

Wenn Betroffene nur noch viel Sport treiben und kaum noch etwas essen oder essen, um dann die aufgenommene Nahrung wieder zu erbrechen, dann verändert sich der Körper sehr stark. Doch nicht nur der Körper verändert sich, sondern auch der Geist und das Verhalten. Der Kopf übernimmt die vollständige Kontrolle über den Körper, aber lässt den Patienten auch gleichzeitig auf eine gewisse Weise die Kontrolle über sich selbst verlieren. Es kehrt absolute Unzufriedenheit mit sich und der Welt rundherum ein. Dazu will der Betroffene in jedem Fall perfekt sein. Besonders in seinen zu erfüllenden Pflichten. Dies ist ständig mit der Erreichung der eigenen Perfektion verbunden. Diese Veränderung des Geistes und des Verhaltens belastet nicht nur den Magersüchtigen oder die Magersüchtige, sondern auch das Umfeld.

Sport bei Magerwahn
Sichtbare Veränderungen des Körpers / Bild: Franjo – Pixabay.com/de

Vorgehen gegen den Magerwahn

Frankreich ist das Land der Vorreiter im Kampf gegen den gesellschaftlichen Magerwahn. Auf den Shows der großen Modedesigner sind seit Kurzem untergewichtige Models, die auf den gefährlichen Magerwahn hinweisen oder andere dazu motivieren könnten, verboten. Das Gesetz gegen die Propagierung des Magerwahns bestraft diejenigen mit bis zu einem Jahr Gefängnis und zu einer Geldstrafe bis 10.000 Euro. Insbesondere Websites und Blogs, die sich mit den Themen Magersucht und Bulimie beschäftigen, werden genau beobachtet. Hier tauschen sich Erfahrene und Neueinsteiger aus, um sich gegenseitig Tipps zu geben. Ein Vorgehen gegen die Modelagenturen, die untergewichtige Models auf die Laufstege schicken, ist jedoch bisher nicht möglich. Auch in Ländern wie Spanien, Italien und Belgien gibt es bereits Gesetze gegen die Zurschaustellung untergewichtiger Models.

Die Gefahren der pausenlosen Diät

Ständig abzunehmen bedeutet, ständig auf jeden Bissen zu achten. Bei jedem Essen spulen sie die passenden Nährwerttabellen im Kopf ab und wissen genau, wie viele Nährstoffe sie gerade zu sich nehmen. Das belastet und setzt den Körper unter ständigen Stress. Des Weiteren verordnen sich vor allem Jugendliche die Diäten selbst. Ohne ärztliche Aufsicht. Dadurch nehmen die Jugendlichen unkontrolliert und ungesund ab. Der im Wachstum befindliche Körper kann im schlimmsten Fall nicht mehr alle benötigten Nährstoffe aufnehmen. Folgen dessen sind bei den meisten Haarausfall, Pickel, Ausbleiben der Periode, Eisenmangel oder sogar Herz-Rhythmusstörungen. Eine Diät jagt die nächste und diese werden, da die Teenager die ständigen Diäten zumeist nicht lange durchhalten, von Heißhungerattacken unterbrochen. Da jedoch eine Heißhungerattacke dem Streben nach Perfektion und Gewichtsreduktion entgegenwirkt, beginnt der Teufelskreis der Bulimie. Erbrechen, um das zwanghaft hineingestopfte Essen wieder hervor zu würgen.

Frankreich  - Vorreiter gegen den Magerwahn
Frankreich – Vorreiter gegen den Magerwahn / Bild: tpsdave – Pixabay.com/de

Magerwahn als Form des Wahnsinns

Länder wie Frankreich gehen den richtigen Weg, um die Zurschaustellung von Magersüchtigen Models und der unrealistischen Perfektion entgegenzuwirken. Redaktionen von Zeitschriften suchen mittlerweile eher nach der „normalen“ Frau zur Darstellung von Trends. Dies erreicht eine größere Masse an Zielpersonen und stellt Mode aus dem Leben für das Leben dar. Denn was haben wir bereits früh gelernt? Es kommt nicht auf das Aussehen an. Es sind die inneren Werte, die wirklich zählen.

 

Titelbild Urheber: bialasiewicz / 123RF Lizenzfreie Bilder

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