10 Sätze über ... Dioxin
Wer kennt ihn nicht, den Ausspruch, der seit unzähligen Generationen von Mahlzeit zu Mahlzeit in stoischer Regelmäßigkeit von Muttern herunter gepredigt wurde, und welcher besagt, dass gegessen wird, was auf den Tisch kommt. Solch eine verbale Zurechtweisung mag in Zeiten von reiner Naturkost, wo an die Frucht nicht mehr an Chemie herankam, als aus den Bauern heraus, durchaus berechtigt sein. Doch heutzutage, wo ein Nahrungsmittelskandal den anderen jagt, sollte jedes Wort am Mittagstische fürwahr auf die goldene Waage gelegt werden. Wer seine Familienmitglieder nämlich verbal zwingt, den Teller leer zu essen, macht sich unter Umständen des Totschlags schuldig.
Klar: es wird jedweder Dreck ins Futter oder gleich ins Nahrungsmittel gekippt, auf dass der Endverbraucher fett und fetter und am Ende krank und kränker wird, Hauptsache, er krepiert nicht, bevor er nicht seinen allerletzten Cent beim Fleischer oder Discounter ausgegeben hat.
Und wenn Muttern bewusst Rührei mit Schinken serviert - obwohl allseits bekannt, dass diese Speisen weniger mit Geschmack, als denn mit Umweltgiften glänzen - so möchte man weiß Gott nicht in ihrer Haut stecken. Aber das nun entdeckte Dioxin in Eiern und Schweinefleisch ist gewiss nur die Spitze des Eisberges. Dies ist freilich noch unbewiesene Vermutung, doch eine, die so nah an der Realität scheint, dass Realität und Vermutung in diesem Zusammenhang ruhigen Gewissens synonym genutzt werden dürfen.
Und die auf die Frage Luthers, warum man denn nicht rülpse und furze, ob es einem denn nicht geschmeckt habe, möchte ich antworten: Werter Herr Luther, gern würde ich die Darmwinde fahren und auch Luft aus dem Verdauungstrakt durch Aufstoßen aus dem Mund entweichen lassen, doch befällt mich die Angst, dass dadurch und durch den Dreck, denn ich tagtäglich fresse, alle Vögel tot aus den Bäumen unseres Ortes fallen. Und die Katzen auch.




