10 Sätze über ... Bücherverbrennungen
Durch alle Jahrhunderte ziehen sich die Rauchschwaden unzähliger Bücherverbrennungen. Seitdem der Mensch die technische Möglichkeit hat, seine Gedanken in Druckschriften niederzulegen, neigt er nämlich leider auch dazu, die Schriften seiner vermeintlichen Widersacher den alles vernichtenden Flammen zu übergeben. Insbesondere gläubige Eiferer - ganz gleich ob diese nun an eine Erlösung oder an den Endsieg glaubten - waren immer schnell zur Stelle, wenn es hieß, auf den von Ignoranz und Dummheit erstellten Scheiterhaufen die ihrer Dämlichkeit kontra gebenden Buchgebinde zu verbrennen. Was zumeist nur der Funke für noch weit größere Brandrodungen im menschlichen Miteinander war, denn schon Heinrich Heine schauderte vollkommen zurecht, dass, wo man Bücher verbrenne, dieses nur ein Vorspiel sei, und man am Ende auch Menschen verbrenne.
Doch besonders hart an der Grenze zum endgültigen Schritt vom Mensch zu Tier scheint mir, wenn diese Vernichtungsfeldzüge gegen Buch und Artgenossen aus Gründen unbeweisbarer, subjektiver Glaubensvorstellungen geführt werden.
Und so ist natürlich für die Idee von Blitzbirne und Fundamentalist Terry Jones, eine Koranverbrennung am 11. September zu inszenieren, ein Musterbeispiel an überdurchschnittlicher religiöser Verblödung. Dies ist selbstredend keine Diskriminierung, denn auch unter uns Atheisten gibt es massig geistige Arbeitsverweigerer, doch verweise ich darauf, dass für uns kein Gott zuständig ist, wir also auf rein natürlichem Wege verdummen. Wir schieben keinen Allmächtigen vor, wir verblöden in reiner Selbstverantwortung. Und so bleibt mir leider nur - egal ob die Bücher- und Menschenverbrenner religiös oder atheistisch geprägt sind - Arthur Schopenhauer zu zitieren: Im Allgemeinen haben die Weisen aller Zeiten immer dasselbe gesagt, und die Toren, d.h. die unermessliche Majorität aller Zeiten, haben immer dasselbe, nämlich das Gegenteil, getan: und so wird es denn auch ferner bleiben.
Wer allerdings BILD-Zeitungen verbrennt, bei dem würde der olle Schopenhauer gewiss beide Augen zudrücken.




