10 Sätze über ... den alten Mann und das Geld
Fernab all unserer banalen zwischenmenschlichen Katastrophen in Lebensabschnittsgemeinschaft, Firma und auch den zeitlichen Räumen dazwischen, gibt es hie und da doch noch ab und an einen guten Grund, nicht vollkommen zu verzweifeln. So ist es doch als sehr helles Licht am ach so dunklen sozialen Horizont zu bezeichnen, wenn inmitten all der Raffer und Gierhälse ein Mensch sein Eigentum verschenkt, und dieses ungewöhnliche Tun nur damit begründet, dass es ihm doch gut gehe. So wie dieser Rentner aus Aschaffenburg.
Der Herr verblüffte nämlich seine Mitbürger mit einem Schild um seinem Hals, auf welchem er mitteilte, dass er nicht arbeitslos und auch nicht obdachlos sei und dazu eine Frau habe - und dies alles obendrein in der Summe auch noch als gut empfand - und deshalb an seine verdutzten Zeitgenossen blanke Ein-Euro-Stücke zu verschenken gedachte.
Doch was widerfährt dem guten Mann? Statt dem großzügigen Herrn zu danken und sich vom geschenkten Euro einen schönen Tag zu machen, zeigte ihn ein misstrauischer Passant bei der Polizei an. An und für sich ja auch verständlich denn a) scheint es doch sehr unwahrscheinlich, dass dem, der eine Frau hat, am Ende des Monats noch Geld übrig bleibt, um dieses zu verschenken, und b) er diese Frau wohl kaum noch länger hätte, wenn sie erfahren würde, wie verschwenderisch er mit ihrem Haushaltsgeld umgeht.
Und auch mein Großvater verstand es schon, mich stetig zu ermahnen, dass, sobald ich mich bände, die Mark nur noch einen Fuffziger wert sei. Nichtsdestoweniger schaut man doch dem geschenkten Gaul nicht ins Maul: ich würde den Euro dankend entgegen nehmen und mich sogar nochmals von hinten anstellen.
Denn schließlich ist ein Euro - so jedenfalls höchstwahrscheinlich in den feuchten Träumen der Damen und Herren des BDI - schon ein überdurchschnittlicher deutscher Stundenlohn.



