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Die Krise News (86) – Schauspielerische Glanzleistungen

Seit jeher stelle ich mir das Sommerloch ja als riesigen ausladenden Krater vor. Mit vielen Griffmöglichkeiten, um auch den unbedarftesten Kletterer einmal über den Rand blicken und in den händeringend nach Storys suchenden Gazetten erscheinen zu lassen. Anders kann ich mir beim besten Willen nicht erklären, warum Kim Kardeshian gleich mehrmals in einer Woche von sich reden machte. Gut, mein Fehler, es mangelt mir wohl an Phantasie. Zuerst beschwert sich das „It-Girl“, zu deutsch also das DAS, darüber, dass ihr Hinterteil zu ausladend erscheine – womit sie geschickt die Klickzahl auf ein entsprechendes Foto erhöhte. Dann motzte sie wegen einer fehlenden Einladung herum: Sie ist tatsächlich noch nicht auf den Walk of Fame verewigt; Skandal. Tja, für die Aufnahme in den Olymp der Könner müsste für diesen Fall neben Film/Fernsehen/Musik/Radio/Theater erst eine weitere Kategorie hinzugefügt werden: „Sinnfrei inszeniertes Real-TV, um die verbliebenen Restzellen aus dem Hirn der Zuschauer zu vertreiben“.

clint eastwoodGanz so weit sind wir noch nicht, aber nahe dran. Ausgerechnet der legendäre Eastwood nährte dieser Tage diese meine Befürchtung. Wobei dieser Mime sehr wohl einen Stern verdient hätte, er lehnte diesen aber seinerzeit, genau wie Julia Roberts, ab. Ob ihn eine Vorahnung dazu veranlasste? Seit Clints Auftritt auf dem Nominierungsparteitag der Republikaner befindet sich sein Stern eher auf rasantem Sinkflug. Seine Wahlkampfhilfe für einen miserablen Schauspieler, der deshalb nicht unbedingt ein besserer Präsident sein kann, zieht eine Flut an mit Häme bestückten Kommentaren in der Medienlandschaft nach sich. Dirty Harrys Zwiegespräch mit einem leeren Stuhl passt nun mal nicht so recht ins Repertoire eines Actionhelden. Besagter Stuhl ward übrigens nicht mit rotem Lack überzogen und das Wappentier der Republikaner ist zum Glück ein Elefant. Sonst stünde zu allem Übel auch noch die Frage im Raum, warum eine große deutsche Möbelhauskette ausgerechnet Mitt Romney unterstützt.

Fragen werfen allerdings auch die guten Schauspieler auf, die zudem noch gute Politik machen, wenn auch für die komplett falsche Klientel. Als Angela das eiskalte Herz aus Stein gab, anlässlich einer Pressekonferenz zum Thema Griechenland und der geschrumpften Perspektiven dortiger Rentner, war ich sprachlos und ergriffen von ihrer Darbietung: Ich war felsenfest davon überzeugt, dass unmittelbar nach dem gestammelten „Mir blutet das Herz“ der Infarkt einsetzen musste, Niedrigtemperatur bedingt ausgelöst durch sofort kristallisierende Flüssigkeit in den Merkelschen Kranzgefäßen! An diese Glanzleistung kommt nicht einmal ihre perfekte Kung Fu-Einlage heran: Rückenmark trennender Tritt in Richtung heimischer Solarbranche zur Belustigung der chinesischen Gastgeber!

Ob die Schauspielerei die heimliche, jedoch unerfüllbare Passion eines Mädchens aus der Uckermark war? Man weiß es nicht. Ich weiß nur eines: Ich wünsche mir nichts sehnlicher als endlich mal wieder Politiker in der Überzahl, die aus Verantwortungsgefühl heraus handeln und nicht, um entgangene Chancen mit Machtgefühl zu kompensieren.

In diesem Sinne,

Eure KriSe

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