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Die Krise News (82) – Olympisches Ringen

mr bean olympia„Entwürdigend!“ Ein großer Schritt auf dem Weg zum Gipfel der Stillosigkeit!“ Welcher Vorfall hat diesen Leserbrief-Shitstorm in einer überregionalen Tageszeitung, die ansonsten mit äußerst zurückhaltender Kritik verwöhnt wird, entfacht? War es ein selbst für den zurückhaltendsten Konsumenten zu einseitig gehaltener Artikel zum Thema “notwendige Kriegseinsätze“ oder über die Bundesregierung, welche die wiederholt von ihr selbst in letzter Sekunde vor der jeweiligen Abstimmung in die Gesetzesvorlagen diktierten verfassungswidrigen Desaster nunmehr allein dem, zugegebenermaßen in Dauerdämmerung befindlichen, Parlament in die Schuhe schieben möchte?

Mitnichten! Ein Abbild der Queen, der die Olympischen Ringe farbenfroh vor die Augen montiert wurde, führte zum Eklat! Wie kann man es wagen, den olympischen Gedanken und die betagte Dame noch dazu, dermaßen zu verhohnepipeln. Mal ehrlich: Die Queen darselbst, bekannt für ihren very britischen Humor, steht da mit Sicherheit drüber! Und was die olympischen Götter betrifft, hatten diese bereits im Vorfeld der Spiele mehr als verdeutlicht, wie weit man die Zeremonie auslegen kann: Die Athener Originalflamme schaffte es doch gar nicht bis ins Stadion, sie erlosch nämlich während einer Wildwasserfahrt in Hertfordshire! Was wir jetzt lodern sehen, ist quasi das Double. Was hätte man da alles hineininterpretieren können: Das Original, das unverwechselbare Individuum zählt nicht mehr, es kann jederzeit ersetzt werden, wenn es nicht 24/7 mit vollem Einsatz lodert!

Davon ward aber nichts zu lesen, dafür hängt man sich an ein paar Ringen auf. Verrückte Hühner gab es ja schon immer, subjektiv betrachtet, scheinen sie sich zur Zeit gewaltig zu häufen! Nicht nur im Schlafgemach einer Lady Gaga. Die Sängerin wachte nach durchzechter Nacht neben einem solchen Federvieh auf, da waren’s auch schon zwei!

Ob dies tatsächlich eine Schlagzeile wert ist, ist Auslegungssache. Tatsache indes ist, dass das verrückte Huhn an sich geschlechtslos ist, es gibt genügend selbstgerechte Gockel als Beweis. So poltert Uli Hoeneß, FC Bayern-Präsident in veritas und Dreiviertelgott in su spiritus, heftig gegen das Breno-Urteil. Tenor: Ein junger Fußballer und Großverdiener hat nach einem Gefängnisaufenthalt weniger Chancen, ins Berufsleben zurückzukehren als ein Maurer. Wenn Breno also tatsächlich vorsätzlich einen Brand legte – was nicht erwiesen ist, Hoeneß wurde an den Ermittlungen skandalöserweise nicht beteiligt! – sollte man ihn gefälligst tröstend tätscheln und im nächsten Bayernspiel starten lassen, die müssen wieder auf Platz 1 kommen, da ist jedes Mittel recht!

Erwähnte ich bereits, dass Uli ein bekennender Fan von Frau Merkel ist, der Frau, die in seinen Augen “Leute will, die ihr nicht nach dem Mund reden“? Ja, aber ich wiederhole mich so gerne, erkenne ich doch immer wieder gewisse Ähnlichkeiten zwischen den beiden, jüngst in der doch eigenwilligen Interpretation von Recht und Gesetz! Folgenschwer, vor allem in Verbindung mit Olympia.

Merkels neueste Aussage, sie wolle die Euro-Rettung um jeden Preis, bedeutet dann wohl nichts weniger, als dass sie sich mit Ihren Kollegen als bleierne Ringe in den Krallen des Bundesadlers verfangen hat. Und es sind bei weitem nicht nur fünf Ringe, die dem Vogel, mit seinem Schützling, dem Grundgesetz an Bord, zusetzen: Dank verfassungswidriger Überhangringe fällt da das Aufschwingen zusehends schwerer.

Vielleicht wäre es gar nicht so schlecht, wenn Mr. Bean das verschlafene Parlamentarierorchester ähnlich aufmischen würde, wie das Synphony Orchestra zum Olympischen Festtakt! Humor befreit, solche Momente bleiben im Gedächtnis. Und ein gutes Gedächtnis tut not, die nächsten gültigen Wahlen finden 2013 statt – hoffentlich!

In diesem Sinne

Eure KriSe

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