Die Krise News (80) – Zeitspannen
Auf Phileas Fogg bin ich ja neidisch: Er schaffte es seinerzeit in 80 Tagen um die Welt, während ich eineinhalb Jahre brauchte, um die 80. Krise News zu veröffentlichen! Ein Trost bleibt mir dennoch: Selbst das radioaktiv verseuchte Fukushimawasser konnte bisher nur den halben Nordpazifik erreichen. Bis es die nordamerikanische Küste umspült, können wir noch geschätzte drei weitere Jahre die Augen verschließen, davor und vor den Halbwertzeiten dieser Stoffe. Daran hätte wohl auch Jules Verne nichts ändern können.
Der Realität ins Auge geblickt und entsprechend gehandelt hat dagegen Harrison Ford sein ganzes Leben lang: Um den Lebensunterhalt für seine Familie und für sich zu verdienen, lernte er beispielsweise autodidaktisch das Tischlerhandwerk. Auf dem Holzweg blieb seine Karriere jedoch nicht und so konnte der Mime am Freitag den 13. glücklich seinen 70. feiern, auf seine Zeit als Indiana Jones und Han Solo zurückblicken und zusammen mit seinen Fans über eine der lustigsten Szenen der Filmgeschichte schmunzeln:
Sie erinnern sich noch an die Szene in "Jäger des verlorenen Schatzes“, in der "uns Indi", typisch mit geöffnetem Hemd und Hut bekleidet, seine Peitsche in der Hand, über den Markt von Kairo gehetzt wird? Bis zum ausweglos erscheinenden Showdown: Umzingelt und vom Fluchtweg abgeschnitten, steht der Held seinem Widersacher gegenüber, welcher furchterregend Säbel schwingend auf ihn zutritt. Die Choreographie für den folgenden Kampf stand im Drehbuch, Regisseur Steven Spielberg erwartungsvoll am Set, um die Einstellung entsprechend abzudrehen. Allein Fords unvorhersehbare Durchfallerkrankung diktierte die geniale Änderung:Statt Peitsche schwingend den Feind aufwendig wie vorgeschrieben in die Knie zu zwingen, zog Indi die verborgene Pistole, erledigte den verdutzten Turbanträger mit einem Schuss und wandte sich ab, bevor der Schurke samt Säbel im Staub aufschlug. Ein Lacher für Generationen von Kinogängern war geboren, zwar kürzer als 57 Sekunden, dafür erfolgreich und professionell abgedreht. So etwas schaffen unsere derzeitigen Abgeordneten auch in 80 Jahren nicht.
Dabei reichen durchaus auch 50 Jahre, um etwas auf die Beine zu stellen, sofern man es eben kann: Die Rolling Stones sind der beste Beweis dafür. Wie nicht anders zu erwarten war, tauchen zeitgleich zum Bühnenjubiläum der Jungs, die sich immer noch uneingeschränkt energiegeladen in die Herzen der Fans rocken, die ersten Biographien auf: So soll Mick Jagger über Jahre hinweg Angela Jolie angeschmachtet haben - offensichtlich ebenso hartnäckig wie erfolglos. Eigentlich schade: Für die Neuverfilmung von „Die Schöne und das Biest“ wären die Zwei doch die Idealbesetzung gewesen! Und Angela hätte bei Bedarf für beide Rollen einspringen können! Es sollte halt nicht sein und so stellt sich mir die Frage, ob David Bowie wohl als Ersatz herhalten musste? Diese Liaison wird nämlich an anderer Stelle kolportiert. Wäre zwar wenig schmeichelhaft für die Jolie, fördert jedoch die Auflagenzahl ungemein. Und das ist's ja, was heutzutage zählt: Money!
Eigenartigerweise sammeln sich die begehrten Taler meist da an, wo eh schon genügend vorhanden ist, daran hat sich auch in Jahrhunderten nichts geändert. Angesichts der EU-seitigen Bewilligung eines Fahrstuhles in den Weinkeller einer leicht gehandicapten Beamtenwitwe, während elektrische Rollstühle und andere Hilfsmittel für tatsächlich Bedürftige nur schwer, nach langwierigen, zermürbenden Behördengängen und meist nur mit Zuzahlung erhältlich sind, denkt nun auch die Moral über die Neuauflage eines zeitlosen Filmklassikers nach: Fahrstuhl zum Schafott.
In diesem Sinne,
Eure KriSe
PS: Die Ausgaben 1 – 33 finden sich übrigens bei WELLMANN. Dort nahm die Krise mit den News auch ihren Anfang.


