Die Krise News (78) – Vogel frei
Ins Hirn hat der Vogel nicht … getroffen, eine Nachtigall wars, deren Kot Tom Cruises Gesicht maskenhaft bedecken durfte! Davon konnte ich mich überzeugen, als ich den Mimen im Louvre entdeckte. Mein Ausflug in die geschichtsträchtigen Hallen war übrigens ein sogenannter Arbeitsurlaub, schließlich kann ich es mir als gesetzestreue Bürgerin nicht leisten, auch nur einen Tag auf Einnahmen zu verzichten! Nicht, dass ich verschuldet bin, mein persönlicher Haushalt ist solide, mein Lebenswandel ebenso, ich lebe eben nicht über meine Verhältnisse. Die Last meiner anteiligen Staatsschulden ist's, die mich umtreibt, jeder Cent zählt da (S)teuer. Komme ich meiner Pflicht jedoch nicht nach, bin ich bald vogelfrei. Anders als Tom, womit wir wieder beim Thema wären:
Ich rechnete ja insgeheim schon damit, im Louvre den ein oder anderen Promi vor den Gemälden selbstgewählter Vorbilder zu entdecken. Exakt vor Napoleon in Öl, perfekt bezüglich Größe und Wahn gewählt, erhielt ich dann auch eine Einführung in die Gesichtspflege der besonderen Art.
Ob dies der Trennungsgrund für Katie Holmes war oder doch der übermächtige Einfluss von Scientology, wollte mir der Mime jedoch nicht offenbaren. Spekulieren darüber möge jeder selbst, ich möchte dieser Sekte nicht einen Cent dank Unterlassungsklage in den Rachen werfen müssen. Wie gesagt, es gibt andere Schlünde zu stopfen ...
Einen Raum weiter würde unsere eifrige Nachtigall wohl auch danebentreffen. Wobei ich den Sonnenkönig Jogi Löw weder erwartet noch angetroffen habe! Dieser ist doch schon längst auf dem Boden der Tatsachen bzw. in Frankfurt gelandet und wird seitdem mit guten, besseren und vor allem wisserischen Ratschlägen bombardiert, weil er einmal falsch entschieden hat. Ich persönlich mache da schon eher den „offiziellen Ernährungspartner der DFB-Mannschaft“ für das EM-Aus verantwortlich: „Du spielst, wie Du isst“, lautet der Slogan, die sollten da ganz schnell was umstellen in der Kantine.
In der Bundestagskantine reagierten die Köche da schon schneller: „Falscher Hase“ wurde üppigst in die Lunchpakete des willfährigen Hofstaates gepackt, der Angela Merkel ins Musée begleitete. Anfangs wankte sie noch kurz, ob sie tatsächlich vor dem Sonnenkönig rasten solle. (Es war tatsächlich nur ein Wanken, das Umfallen behält sie sich für Brüssel vor). Wolfgang Schäuble sprach sich nämlich für Machiavelli aus. Entscheidend für unsere Kanzlerin war dann doch der Spruch“ L'État c'est moi“, womit sie zumindest eine Gemeinsamkeit mit ihren Untertanen erkennen ließ. Will sagen, mit den rund 40% Jugendlichen, deren Geschichtskenntnisse mangelhaft sind: „Der Staat bin ich!“ wurde Ludwig XIV. sozusagen untergeschoben, ansonsten lassen sich aber durchaus Ähnlichkeiten zwischen dem absolutistischen Herrscher schlechthin und dem Machtmenschen im Hosenanzug erkennen:
Handels-, Land- und Salzsteuern mussten von der Bourgeoisie alleine gestemmt werden, Adel und Klerus, die damalige Lobby, wurden befreit. Seine Vorherrschaft auf europäisch-politischem Parkett wollte gefestigt sein, nicht zuletzt deshalb schnellte die Staatsverschuldung in die Höhe. Fraglich ist allerdings, ob Frau Merkel noch zu Lebzeiten die Erkenntnis trifft, die den alten Roi blitzartig traf: „... dass nichts mein Herz und meine Seele tiefer gerührt hat als die Erkenntnis des völligen Ausblutens der Völker meines Reichs durch die unermessliche Steuerlast“.
Um den angrenzenden Ausstellungsraum machte der Trupp ausnahmslos einen großen Bogen. Schade: Führen die dort gezeigten Guillotinen doch so schön plastisch vor Augen, was seinerzeit mit Hochverrätern geschah.
Während Ihr meinen letzten Satz interpretieren und diskutieren dürft, eile ich derweil einigen unerschrockenen Vogelschützern zu Hilfe: Der Bundesadler ist's, der Unterstützung braucht, möchte er das Grundgesetz doch vor dem Freitod bewahren.
In diesem Sinne,
Eure KriSe


