Die Krise News (58) – Standorte
Die Kälte zehrt ganz schön an der Konzentration aufs Wesentliche, las ich doch sofort im Kontext unterm Stichwort Mike Tyson „Hole of Shame“ und wollte mich drüber auslassen, dass sich der Teilkannibale und Ohrfetischist in Kenntnis seiner Unsportlichkeit endlich dorthin verkrochen hat. Tatsächlich stand da jedoch „Hall of Fame“, in die der Skandalboxer Ende März aufgenommen werden soll! Was bitte hat er in den Reihen derer, die „durch Leistung, Fairplay und Miteinander Vorbild geworden sind“, verloren? Seinen Speiseplan? Nein, ganz so deutlich wurde der Begriff „Fairplay“ noch nicht entwertet, Mikes Schwergewicht wird in den Hallen des Wrestlingveranstalters WWE abgelegt. In dessen Ringen hatte Mike nach eigenem Bekunden den meisten Spaß, was immer dies vor seinem Hintergrund bedeuten mag.
Ja, Standorte sind extrem wichtig, wenn es um die Akzeptanz in der Öffentlichkeit geht! Prinz William kann wenigstens noch ein Lied davon singen, das Lachen dürfte ihm zwischenzeitlich vergangen sein. Vor nicht allzu langer Zeit wurde er noch für seinen Einsatz als Rettungsflieger im Dienste der Royal Air Force gelobt. Und dies durchaus königlich für Aktionen, die bei Otto Normalsoldat nicht mal ein Zucken der Augenbraue hervorgelockt hätte. Jetzt betrat Prince Charming Falkland, sein Image zeitgleich Neuland: Argentinien betrachtet diese Stationierung zu dieser Zeit als Affront. Immerhin lassen Ölfunde vor den Inseln Erinnerungen an den Kriegsausbruch 1982 aufflammen und William in Onkel Andrews Fußspuren als Argentiniens größten Staatsfeind wandeln. Tja, die Prinzenrolle ist eben nicht ausschließlich positiv belegt und Kate wird „not amused“ darüber sein, dass die Britten gerne Königskugeln als Spielbälle benutzen.
Auch die Münchner beschäftigen sich derzeit mit einer Standortfrage. Während auf der 48. Sicherheitskonferenz über den Raketenschutzschild der NATO diskutiert wird, ist ein Abwehrschild in der Innenstadt mit 3.100 Beamten aufgestellt (Sicherheitspersonal für Bahnstrecken nicht eingerechnet), um eben diese Diskussionen und deren prominente (manchmal wird dieses Wort mit hochkarätig verwechselt) Teilnehmer zu schützen. Konsequenz: Sperrungen, Verkehrsbehinderungen, Umwege, umfangreiche Sicherheitskontrollen. Was für die Mehrzahl der Bürger lediglich lästige Verzögerungen mit sich bringt, birgt für eine Minderheit tödliche Gefahren. Während vielerorts ehrenamtliche Helfer mit Kältebussen und Wärmestuben versuchen, Obdachlose vor dem Erfrierungstod zu retten, werden durch diese Konferenz, die man auch außerhalb des Stadtkerns hätte ansiedeln können, viele Schutzräume abgeriegelt sein. Bei Planung und Vorbereitung solcher Veranstaltungen würden solche vorausschauenden Gedanken einen Bruchteil kosten, was ein Menschenleben auch in Politikerköpfen wert sein sollte. Zugegeben, diese Vorstellung ist fast schon absurd ... aber allein der Gedanke daran wärmt so herrlich in sozial kalten Zeiten wie diesen.
In diesem Sinne ...
Eure KriSe




