Die Krise News (48) – Chancen
Einfach diabolisch ist er, der Blick von Udo Kier! Das konnten wir Premierengäste zum Film Melancholia vor einigen Tagen wieder einmal feststellen. Den Blick hat er übrigens von Geburt an drauf und nicht erst, seit er im Dunstkreis von Filmkollegin Kirsten über den roten Teppich wandelte. Da muss er auch nicht mit teuflischen Elixieren nachhelfen. Oder gar mit Muttermilch: Selbige trank der Mime jüngst als sterbender Papst aus anderen, nennen wir es quotensteigernden, Gründen. Der Blick ist’s aber nicht allein, schauspielern kann er auch noch. Die Masse an abgedrehten Filmen, teils im wahrsten Sinne des Wortes, genügt sicherlich nicht, um, wie er, auch mit 67 stets neue Drehchancen zu erhalten.
Die Chance mehrmals am Zopf gepackt hat auch Clint Eastwood. Das „Urgestein“, das sich in Italo-Western seine erste Handvoll Dollar verdiente, steuert mit seiner neuesten Regiearbeit "J. Edgar“ zielstrebig auf eine weitere Oscar-Nominierung hin, die nicht nur ihm, sondern auch Hauptdarsteller Leonardo di Caprio weit mehr als eine weitere Handvoll einspielen dürfte. Oder aber Ärger mit dem FBI, wie mir zugetragen wurde: Sollte Dirty Harry nicht sauber und stichhaltig über Hoovers homosexuelle Orientierung recherchiert haben, die in seinem Film thematisiert wird, könnte es durchaus Forderungen wie „Hang him higher“ hageln.
Da wird einem erst so richtig der Höhenunterschied zur Bambiverleihung bewusst! Was nützen all die edlen Roben und glitzerglamourösen Arrangements, wenn ausgerechnet ein Buh… irgendwer einen Integrationspreis verliehen bekommt, der über Jahre mit seinen Texten und Kraft seiner Prominenz mit dafür sorgte, dass das Wort Toleranz und oft genug der Mensch, dem eben diese entgegengebracht werden sollte, immer noch mit Füßen und Springerstiefeln getreten wird. Da ist die von Peter Maffay geforderte zweite Chance solange fehl am Platz, solange Rapper und Gleichgesinnte nicht kräftig in Vorleistung gegangen sind und über einen ebenso langen Zeitraum den Gesinnungswandel unter Beweis gestellt haben, in dem sie kräftig Geld verdient haben mit ihren Texten.
Ärgern können wir uns, wundern sollten wir uns dagegen nicht: Die Politprominenz macht es doch vor! Obama bekommt den Friedensnobelpreis für zukünftige Leistungen - und er wird sich in der Tat auch zukünftig einiges leisten! Bei Frau Merkel war es allerdings nicht erst die Freiheitsmedaille, die ihr ungeahnte Kreativität verlieh: Wenn es darum geht, zusammen mit ihrem Hinterzimmergefolge Entscheidungen zu treffen, die die Verfassungsrichter jeglicher Freiheit berauben, ohne Überstunden Feierabend zu machen, ist sie unschlagbar. Dämmern tut’s leider immer noch zu wenigen, zumindest hörte ich bis dato noch nichts von reihenweisen Bambirückgaben. Ohne diese sind Empörungsbekundungen doch nur medienwirksame Lippenbekenntnisse. Und die o.g. Politriege genießt wohl auch Narrenfreiheit. Wenn das so weiter geht, werden wir Narren nicht mehr lange die Freiheit haben, sie abzuwählen…
Über meinem Schreibtisch jedenfalls hängt ein Wikipediaausdruck über die Verflechtungen des Burdaverlages an der Wand, gleich neben den Beteiligungen des regierungssprechenden Axel Springer-Verlags. Nicht, dass ich versehentlich auch nur mit einem Cent das falsche Blatt unterstütze. Und übers Wochenende ziehe ich mich zurück, niemand soll mich mit geröteten Augen sehen, wenn ich verpasste Chancen beweine …
Mit dem Taschentuch winkend,
Eure KriSe




