Die Krise News (43) – Auf der Kippe
Meine letzthin angekündigte Showeinlage wäre beinahe eine Rolle rückwärts geworden: Immerhin war mit der Nominierung zu befürchten, dass das Dschungelcamp den Deutschen Fernsehpreis gewinnt! Ehrlich: Diese Niveaukrise hätten selbst die News nicht überstanden! So lief ich denn mit äußerst gemischten Gefühlen meinen Terminmarathon, von der einzigen Hoffnung begleitet, etwas Ablenkung zu finden. Etwas Besseres als die Hochzeit von Gene Simmons in der Nacht auf Sonntag konnte mir da nicht passieren: Nach 28 langen Jahren traute sich der Hardrock-Sänger und Bassist ganz soft zusammen mit Shannon Tweed vor dem Altar, was Headbangmäßig zu Kissklängen gefeiert wurde. Eines kann ich Euch versichern: Einmal durch exzessives Headbanging in Trance versetzt, sagt man zu allem ja, das ist die Halskrause, die einen daraufhin temporär begleiten mag, allemal wert! In einem lichten Moment blitzte sogar die Frage auf, ob wohl vor wichtigen Abstimmungen im Bundestag ähnliche Veranstaltungen regierungsseitig zwangsverordnet werden.
Das war’s aber schon, erst am Frühstücksbuffet bei Ex-Police-Sänger Sting konnte ich wieder, etwas gestärkt, klare Gedanken fassen. Ich meine, er trug anlässlich seines 60. Geburtstages einen gelb-schwarz gestreiften Pullover, legt mich aber bitte nicht fest. Möglich ist´s durchaus, immerhin verdankt Gordon Sumner, wie Sting bürgerlich gerufen wird, seinen Künstlernamen eben einem derartig gemusterten Oberteil, dass er einst zu noch unbekannten Zeiten bei einer Probe trug. „Gordon´s got a sting“ schallte daraufhin der weichenstellende Ausruf durch den Probenraum.
Zur näheren Befragung blieb keine Zeit, die für mich und die News schicksalsentscheidende Verleihung des Deutschen Fernsehpreises nahm bereits seinen Lauf: Ich hatte Glück, das Dschungelcamp wurde (diesmal noch) in die Wüste verlegt, auch sonst war die Verleihungszeremonie nicht nur 0/8/15, brachte Blacky Fuchsberger als Ehrenpreisträger etwas Farbe in die Gala, wie er zuvor nicht nur mit dem gar-nicht-0/8/15-schwarz-weiß-Klassiker Farbe auf Leinwand und Bildschirm zauberte. Frank Elstner wagte den Spagat, „einen Mann in einer Rede von wenigen Minuten zu ehren, der doch sein ganzes Leben dem deutschen Fernsehen gewidmet hat – als Schauspieler, Unterhalter und Autor“.
So nahm die Woche trotz leichter Blessuren doch ein versöhnliches Ende, bevor sie richtig begann. Und für Skeptiker, die sich nun fragen, wie ich diesen Terminstress zeitlich überhaupt schaffen konnte, ein kleiner Hinweis: Der Code macht’s. Die genuschelten Worte „Schavan“ und „Zeitdruck“ genügen und die Flugbereitschaft liegt steuergeldfinanziert zu Füßen.
Möge nicht nur die kommende Woche die Bereitschaft der Wähler sturzflugartig sinken lassen, solche und andere Eskapaden stumm und ergeben hinzunehmen.
In diesem Sinne
Eure Kri Se




