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Die Krise News (37) – Dumm gelaufen

krise_news_37Meine wohl doch voreilige Entscheidung, zu Fuß in diese Woche zu gelangen, brachte mich erfahrungstechnisch um einiges weiter. Etappenmäßig jedoch scheiterte ich bereits im Badischen, genauer gesagt im beschaulichen Örtchen Ladenburg. Die Wirtin vom „Güldenen Stern“ zeigte ihr goldenes Herz, reservierte für mich einen ganzen Tisch und wundversorgte heißgelaufenene Sohlen sowie zum Bersten gefüllte Blasen. Es adelte sie, dass sie sich nicht einmal von Silvia und Carl Gustaf in ihrer Pflegebereitschaft stoppen ließ. Die mussten ihre Pizza ein paar Häuser weiter genießen. Offiziell war von einer Hochzeitsgesellschaft die Rede, die die Wirtsleute an die Grenzen ihrer Kapazität brachte. Nach dem Desaster letzthin rund um Buckingham Palace, wollte ich es mir nicht noch mit einem weiteren Königshaus verscherzen…

Ans Weiterwandern ward allerdings nicht mehr zu denken, Good Bye Lenin alias Daniel Brühl! Das als „rein zufällig“ geplante Zusammentreffen auf dem Schafsteig musste ich auf die nächste Saison verschieben. Schade, in den Tiroler Alpen stillt der Schauspieler, der sich in seinem jüngsten Film den großen Traum von Fußball in Deutschland erfüllte, nämlich gerne seine Sehnsucht nach Einsamkeit, Stille und der Natur …” Da hätte es sich vortrefflich über seine weiteren Namen César und Gonzáles, sowie seine katalonischen Wurzeln plaudern lassen.

Aus der Traum auch von der Möglichkeit, mit Bernhard Hoecker über die Zielspitz–Runde zu laufen, zumindest, wenn man mit offenen Augen durch die Berge wandert. Ebenso wie sein Kollege zieht dieses wandelnde Real-Life–Wikipedia auf zwei entzückend kurzen Beinen die Kletterei durch Stein und Fels dem Dümpeln in Meereswellen vor. An Mount Everest oder McKinley wagt sich der Comedian konditionsbedingt dennoch nicht so recht ran – Macht ja nichts, einen deutlich veränderten Blick auf diese Welt kann er auch schon von mittlerer Ebene aus erhaschen.

Tja, und ich humple nun auf den reuigen Bußgang nach Canossa, zwar mit geschwollenen Füßen, dafür mit leeren Händen und abgemagerter Interviewmappe. Stören wird mich wohl niemand: Politprominenz, der dieser Weg – auf den Wähler zu – gut zu einem Gesicht gestanden hätte, das sie zu gerne hätte und bewahren wollte, veranstaltet nun mal lieber einen bequemen Tag der offenen Tür im Kanzleramt. Weitere Kollegen haben ebenfalls keine Zeit. Hinter sorgsam vor Weitsicht und Grundgesetzestreue verriegelten Toren werden von ebensolchen lieber Geheimpläne zur europadimensionierten Steuergeldatomisierung aufgerollt.

Wir können von Glück reden, dass der eine Wulff oder andere Lammert doch noch den Weg zur Vernunft eingeschlagen hat und der entstandene Sog weitere Verantwortliche mitreißen möge.

Mit diesem frommen Wunsch in Gedanken entschwinde ich und werde erst wieder aus den Niederungen herauf wandern, wenn ich handfeste News in Händen halte – versprochen.

Eure Kri Se

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