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2450 Kandidaten stehen zur Wahl für ein #schoeneswort

schoeneswortWer hätte das gedacht? Da twittere ich am 7. Januar morgens beim ersten Kaffee „Gedanke ist ein schönes Wort” – und was wird aus diesem spontanen Tweet? Eine stattliche Sammlung mit Worten, die Twitteratis für schön halten. Sage und schreibe 2.450 Wort-Nennungen sind in den vergangenen Wochen zusammenge¬kommen! Heißt das: Wer auf 140 Zeichen setzt, der versteht sich auch auf schöne Worte? In der Tat: Twitter-Nutzer sind Sprachliebhaber. Das beweist bereits der Umstand, dass sie ihr schönes Wort gerne in einen schönen Satz packen:

@muronie: Wenn “geschafft!” (#schoenesWort) kein erfreuter Ausdruck des Ablegens mühseligen Schaffens ist, steckte wohl nicht viel Arbeit dahinter

 

@Einedie: Eine, die zwischen Wachen und Schlafen zu Hause ist. Schlaftrunken, #schoeneswort

 

@SakiaHeinen Spannungsbogen, was für ein #schoenesWort. Und was für ein diebischer Spaß, einen zu spannen

Festzuhalten wäre ferner, dass Twitteratis viel Gefühl zeigen. Sie bevorzugen Wortkom-binationen mit Herz-, Lieb- und Seele-. Dicht auf folgen Einreichungen, die mit Wohl-, Stern- und Traum-/Träume- beginnen. Worte wie Knutschkugel (@muschelzypresse), Herzwuppern (@KleinesNerdchen), Seelenjubel (@LiesDoch) oder auch Hodenhochstand (@sp2307) weisen auf eine weitere Eigenschaft hin: Twitteratis haben viel Fantasie. Sie erfreuen sich an Wortspielereien und -erfindungen. Zudem stehen lautmalerische Worte wie dunkelum¬wunden (@Semiose) oder nachtmützig (@FraukeWatson) stehen hoch im Kurs.

Noch ein Befund: Twitteratis neigen fremden Worten zu: Hemiparese (@katalisis), Isohypsen (@schusterjunge), Onomatopoesie (@Hutzelbuck), um einige Beispiele zu nennen. – Wollen Twitteratis mit ihrem Faible etwa auch unter Beweis stellen, dass sie umfassend gebildet sind und über spezielle Kenntnisse verfügen? Mir jedenfalls war so manches Wort bislang unbekannt. Hand auf’s Herz: Wer weiß denn schon, was Araukarie (@buchfieber) oder Philematologie (@lenerl; @Reticulum) bedeuten?

Wenig verwunderlich ist, dass schöne Worte bei Twitter häufig situativ und kontextgebunden daherkommen. Sie sind spontan aus einem unmittelbaren Erleben/Erlebnis entstanden:

@MartaVJ Regen #schoeneswort in Madrid!!

 

@lebensschritte #schoeneswort Radmuttern – was für ein Wort…so kann ich mich meinem Auto voll und ganz anvertrauen – jetzt sind sie nachgezogen

 

@_phoeni ein #schoeneswort ist ja auch Pfauenauge – ich esse gerade das dritte :-)

Auch das Weltgeschehen und das aktuelle politische Geschäft reden bei Twitteratis #schoenesWort gerne ein Wörtchen mit:

@Das_Lorupaeum Hat schon jemand Tahrir-Platz ????? ???????? genannt? #schoeneswort

 

@TT_TPR “Guttenberg-Druck” ist ein #schoeneswort: neu, umgangssprachlich (Schüler) f. “Abschreiben” – Politik hat doch Wirkung!

 

@Krise_K .und leicht zu erkennen: Original Buchdruck 1 t , Vervielfältigung 2 t :-) #Gu(t)tenberg #schoenesWort

schoenes_wort_wahlplakat

Inzwischen steht auf dem Twittwoch-Blog die Wahl unser aller #schoenesWort an: http://www.twittwoch.de/schoenewortwahl/

Da man bei 2.450 Kandidaten leicht die Übersicht verliert, treten die Anwärter in einer ersten Runde zunächst im Team, d.h. in alphabetischer Reihenfolge an. Sprich: Worte mit den gleichen Anfangsbuchstaben bilden eine Gruppe. Jede Gruppe präsentiert sich jeweils einen Tag lang. Dabei halten sie sich strikt an die Regeln: Der Gruppe A folgt Team B, dann ist Gruppe C dran und so weiter und sofort … Das Prozedere der Wahl ist einfach: „Gefällt mir” klicken und schon heimst das Wunschwort einen Punkt ein. – Jeder kann in der jeweiligen Gruppe so viele Favoriten wählen, wie er mag.

Entsprechend dem Alphabet gehen 26 Buchstaben-Gruppen an den Start. Sind die Favoriten aller Gruppen erst einmal bestimmt, treten sie in einem zweiten Wahlgang gegeneinander an. Dann geht’s um die Top-Favoriten #schoenesWort …

Ein Beitrag von Gesine von Prittwitz (@pundp)

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