top_abstand_2
top_abstand_1000x4
weiterempfehlen_banner

R³ - Mit Poesie gegen Drogen, Gewalt und Armut

poesie_festival_kolumbienIn Kolumbien fand in den letzten Tagen, sehr unbemerkt von der großen Weltpresse, das Internationale Festival der Poesie statt. In einer Stadt, die zu den gefährlichsten der Welt gehört, nämlich Medellín. Ganz ohne Hundertschaften von Polizisten und ohne zugeschweißte Gullideckel haben sich dort Dichter aus der ganzen Welt mit einer großen und kompetenten  Zuhörerschaft getroffen.  Bis zu 3.000 Gäste hat da eine Dichterlesung. In Deutschland ist man schon froh wenn man einen kleinen Buchladen vollbekommt. 

1991 wurde dieses Festival gegründet, von dem Dichter Fernando Rendón.  Man wollte ein Zeichen setzen gegen die tägliche Gewalt und den Terror auf den Straßen.  Ausgehend sowohl von der Drogen-Mafia als auch von staatlichen Organen.

Die Zuhörerschaft ist sehr kompetent, hat ein deutscher Dichter am Dienstagmorgen im Deutschlandfunk berichtet.  Einem der wenigen Sender, der sich überhaupt des Themas angenommen hat. Der Beifall ist sehr unterschiedlich und wertet durchaus die Qualität eines Vortrages. Auch sind die Kolumbianer selbst ein Volk von Dichtern. Sehr überrascht sind nicht-kolumbianische Dichter immer wieder, wenn sie als Zeichen der Anerkennung und auch Dankbarkeit von den Zuhörern kleine Büchlein mit selbst verfassen Gedichten geschenkt bekommen.

Anzeige

Im Jahre 2006 erhielt das Festival den Alternativen Nobelpreis. Dieses Jahr nahmen 80 Dichter aus der ganzen Welt daran teil.

Leider hat bis heute weder ein Gedicht, noch eine Geige, jemals eine Armee entwaffnet oder einen Mafiaboss zu einem anderen Menschen gemacht. Als man Stalin im zweiten Weltkrieg wegen seines grausamen Umganges mit den Kirchen, Klöstern und Christen vor dem Papst warnte, frage dieser nur: wie viele Divisionen hat der Papst? Und doch haben sich Menschen, gerade in schlimmen Situationen, immer einen Funken Hoffnung und den Sinn für das Schöne bewahrt. Um dann genau in den Brennpunkten von Gewalt und Hoffnungslosigkeit ein kleines Licht anzuzünden. So wie Fernando Rendón in Kolumbien oder auch der Dirigent David Barenboim mit seinem Jugendorchester, bestehend aus allen Nationen des Nahen Ostens. Auch Israelis und Palästinensern. Und sehr bemerkenswert, David Barenboim hat die argentinische, die russische, der spanische und die israelische Staatsbürgerschaft, sowie symbolisch - die palästinensische!

Wenn sich unsere Regierungen irgendwo treffen um Regelungen zu besprechen, die eigenartigerweise niemanden in Palästina oder in Kolumbien, in den letzten 30 Jahren, geholfen haben, schützen sie sich mit kleinen Armeen vor dem eigenen Volk. Vor uns. Uns schicken sie als Soldaten nach Afghanistan und als GTZ-Helfer nach Südamerika. Ohne jeden Schutz. Kann Juan Manuel Santos, der kolumbianische Präsident, dem Dichter Fernando Rendón eigentlich in die Augen schauen, ohne sich zu schämen, wenn er ihn denn eines Tages irgendwo treffen sollte? Können der israelische Präsident Schimon Peres und der palästinensische Präsident Mahmud Abbas dem Dirigenten David Barenboim, ohne verlegen zu stottern, erklären, für was eigentlich die vielen Menschen auf beiden Seiten in den letzten Jahren sterben mussten?

Mehr Informationen gibt es auf der Homepage des Festivals in englisch und spanisch.

 

Ein Beitrag aus der Reihe R³ - Rottlers Rigoroses Review

AddThis
blog comments powered by Disqus
 
internetanbieter.info


The Intelligence Social Media
TwitterFacebookGoogleYoutubeFeed
Zitat des Tages

Im Ausland bin ich zur Diplomatie verpflichtet. Zuhause gehöre ich weiter dem Verein der klaren Sprache an.
Guido Westerwelle

kolumnistenschwein logo

zahl_der_woche_banner_200
tv_tipp_des_tages_32

RTL2: 22:00 - 00:15 Uhr
Road to Perdition
Spielfilm

Das perfekte Verbrechen
Aktuelles Wetter
Berlin -10 °C
Hamburg -7 °C
München -9 °C
Köln -4 °C
Frankfurt -5 °C
Stuttgart -7 °C
Wien -9 °C
Zürich -8 °C
  05.02.2012 The Intelligence
NNE_banner_200