Schlafen für den Hausfrieden
Ich schlafe zwar recht wenig, doch ist das wenige an Schlaf so stabil und nachhaltig, dass mich die Müdigkeit tagtäglich nicht vor der Zeit in die Knie zwingt. Und dieses, obwohl auch ich natürlich nicht außerhalb unserer strapaziösen Welt lebe, die Probleme also - seien es die aktuelle Ölpest (USA/Mexiko), die Steuereinbrüche (Berlin), oder auch die eigene schwer pubertierende Tochter (Thüringen) - mir gehörig auf den bratwurstgestählten Magen schlagen. Auch das beständige Reißen meiner Schnürsenkel, wie auch der stets bis an das Limit gefüllte Gelbe Sack - sobald ich hausmännlich mülltrennend entsorgend tätig werden möchte - haben eben nicht die schlaffördernde Wirkung von Baldrian und Hopfen.
Dennoch: sechs Stunden Schlaf pro Tag - auch wochenendlich - und zumeist noch eine Stunde weniger, reichen aus, um meine Batterie für die nächsten vierundzwanzig Stunden wieder aufzuladen. Ob mir das frühe Aufstehen erblich bedingt im Blute liegt, kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen. Denn war ich auch schon dann und wann in die Hände von Ärzten gefallen, und zapften sie mir bei dieser Gelegenheit auch öfters schon ein gutes Quantum an Blut: sie fanden stets nur Erreger oder nicht, aber niemals stürzte eine Schwester mit lautem Schreien aus dem Labor an mir vorbei, um den Doktor verzweifelt an den Aufschlägen seines Kittels zu greifen und zu schütteln und mit Tränen in den Augen zu schreien: Herr Doktor, der Patient hat das frühe Aufstehen im Blut! Worauf die Praxis für die nächsten sechs Monate unter strenge Quarantäne gestellt worden wäre.
Ich glaube mich zudem zu entsinnen, dass einige recht respektable Personen der Menschheitsgeschichte (Napoleon/Goethe/Churchill) gleichfalls Nacht für Nacht nur wenige Stunden in Morpheus Armen lagen, was mich aber nun im nachhinein nicht sagen lässt, dass ich nun ebenso in der Lage wäre, dem Bonaparte gleich gegen Russland ins Feld zu ziehen, den Doktor Faustus nochmals zu bedichten, oder Britannien als Premier durch die nächsten Weltkriege zu führen. Kurzer Schlaf als potenzierender Faktor menschlicher Leistungskraft? Dies wäre zwar als Heilmittel gegen die allgegenwärtige überpräsente Mittelmäßigkeit überaus wünschenswert, da auch günstig an der Pharmaindustrie vorbei (Funkuhrgesteuerte Böller am Bettrahmen!) finanzierbar.
Doch wenn wir durch Schlafentzug den Großteil der Menschheit zu Genies heranreifen lassen, so werden wir eventuell das kleinere Übel nur gegen ein weitaus größeres eintauschen. In Anbetracht eigener Erfahrung kann ich nämlich bestätigen, dass es kurzer Schlaf durchaus vermag, dem Hirn so manche originelle Leistung abzuwringen. Hierzu zähle ich insbesondere die Ideen, die meiner langschlafenden Lebensabschnittsgefährtin hingegen niemals aus der Tiefe ihres Geistes an dessen Oberfläche steigen. Da wäre zum Beispiel der folgende Gedanke, welcher mir am heutigen Morgen - nach gewohnheitsmäßig recht kurzer Nacht - beim Abhören der sonntäglichen Sechs-Uhr-Nachrichten auf Deutschlandfunk kam.
Denn was die aktuelle Ölpest (USA/Mexiko) betrifft: soeben habe ich in den Frühnachrichten gehört, dass es nicht gelungen sein soll, die dafür vorgesehene Stahlkuppel über der fröhlich sprudelnde Austrittsöffnung der den Golf von Mexiko verschmutzenden Ölquelle zu platzieren. Werte Damen und Herren von BP: Falls Sie keinen weiteren Verwendungszweck für diese Kuppel haben sollten, so bitte ich Sie höflichst, mir dieses Utensil für die nächsten zwei bis vier Jahre auszuleihen. Ich würde diese Kuppel nämlich sehr gern über meine türknallende Tochter (Thüringen) stülpen. Ehrlich. So gute Einfälle hatte meine ausufernd ruhende Gemahlin bis dato noch nie.




