Wenn's um die Wurst geht
Ich denke, dass es erheblich mehr Vor- als Nachteile hat, wenn man von der Evolution in der Nahrungskette ziemlich weit oben aufgefädelt wurde. So jedenfalls mein Gedanke, während ich mir an einem frühen Samstagmorgen Leberwurst aufs Knäcke streiche. Die meine Gedanken unterstützenden Argumente liegen klar auf der Streichwurst schmierenden Hand:
Würde die von mir so geliebte Leberwurst statt Schweinefleisch (58%), Schweineleber und Schweinespeck hingegen Zutaten enthalten, die man aus meinen Körper gewänne, so wäre es mit dieser Kolumne, was man standardgemäß sehr gern neben dem Öl zu Salat zu reichen versteht, nämlich Essig. Lebewesen, die in der Nahrungskette mittig oder sogar zuunterst eingeordnet sind, greifen eben in der Regel überdurchschnittlich selten zu Stift oder Tastatur.
Interessant in diesem Zusammenhang der Artikel, welcher in der Samstagszeitung - welche wiederum traditionell bei mir den Platz zwischen Kaffeetasse und Leberwurstknäcke beansprucht - die Autorenmeinung breit tratscht, dass der lebensmitteltechnische Zwischenschritt, Pflanzen erst an Tiere zu verfüttern, um aus diesen dann unter anderem auch Leberwurst zu machen, irrsinnig unökonomisch sei. Es wäre also weitaus sinnvoller, so der Autor, wenn der Mensch doch besser gleich zu pflanzlicher Nahrung greifen würde. Nun stehe ich jeglicher demokratischer Meinungsäußerung sehr, sehr offen gegenüber, möchte aber in dieser Sache ein großes "Aber!" in den Raum und meinen erhobenen Zeigefinger gleich daneben stellen. Denn es krampft und ballt sich in mir so allerhand an Gekröse, bei der Vorstellung, ich striche mir pure Maiskörner aufs Brot. Da könnte ich mir mein Allesfressergebiss ja auch gleich in der Werkstatt unserer Firma auf Pflanzenfresserniveau herab schleifen lassen.
Nun mag der dem reinen Verzehr von Pflanzen fürsprechende Autor ja durchaus recht haben, denn die Kurve diesbezüglich des Wachstums der Gesamtweltbevölkerung geht ab wie Schmidts Katze, und zwar steil nach oben. Und dieses bedeutet in seiner logischen Konsequenz, dass, wenn wir pflanzliche Ressourcen an Schlachttiere verfüttern, diese aber bei der Umwandlung von vegetabilischen Aminosäuren in tierisches Protein und Fett ungeheuer an potentiellem Nährwert verlieren, man diesen Nährwert quasi zum Fenster heraus wirft. Und der hungernde Afrikaner, der steht demnächst ja vor der europäischen Tür. Und nicht unterm Fenster.
(An dieser Stelle höre ich in Gedanken die Paarhufer dieser Welt laut und stürmisch Beifall klatschen. Sollen sie, denn ein Wortplastiker wie ich, der lebt nicht nur von Luft, Liebe und Leberwurst allein. Nein auch Applaus ist mir eine willkommene, wenn auch ernährungsphysiologisch praktisch vollkommen wertlose Speisung. Soll heißen: selbst wenn der Beifall groß und unüberschaubar wie eine LKW-Ladung Tiefkühlpizzas daher käme: ich könnte davon allein keine drei Tage überleben!)
Doch dies alles ist nicht, was mich mein Leberwurstknäcke ohne den ansonsten doch so intensiv spürbaren Genuss verzehren lässt, da meine Konzentration - statt auf die guten Nachrichten meiner Geschmacksknospen gerichtet - noch an einer Nachricht der vergangenen Tage widerhakt. Und in dieser kam der von mir überaus geschätzte Physiker Stephen Hawking zu niedergeschriebenem mahnendem Wort. Denn Stephen Hawking verwies darauf, dass man schon davon ausgehen sollte, dass es im Universum intelligentes Leben gäbe, und man weiterhin auch darauf hoffen muss, dass dieses Damen und Herren vom Planeten XY nie hier landen. Denn laut Hawking, seien diese gewiss nur auf der Suche nach Rohstoffen, da sie ihren eigenen Planeten ausgeplündert hätten.
Nun weiß man ja nicht genau, von was sich so ein extraterrestrischer Gourmet im Allgemeinen und Speziellen so ernährt. Und vielleicht sind wir Menschen ja im kosmischen Maßstab nicht allzu weit hinter dem Plankton platziert sind. Und vielleicht beginnt ja auch eines ihrer Rezepte mit den Zeilen "Man nehme einen Homo saphiens mittleren Gewichts...". Ja vielleicht hänge ich ja bereits in nur wenigen Monaten in der Speisekammer eines riesigen Raumschiffes als goldgelb geräucherter Kringel Leberwurst. Liebe Leserinnen und Leser, werte Redaktion: Tut mir leid, aber unter solchen Bedingungen kriege ich keine einzige Zeile mehr zu Papier.









