Glück gehabt, Herr Bundespräsident!
Kaffeesahne, so las ich in einer beim Friseur herum liegenden Frauenzeitschrift, soll Kaffee angeblich bekömmlich machen, was mich nun immer und immer wieder, wenn ich zum koffeinhaltigen Heißgetränk greife, auch zur Sahne greifen lässt, denn Kaffee, der nicht bekömmlich ist, den will doch wirklich keine Sau.
Wer diesem Gedankengang folgt, der läuft ideell pfeilschnell in eine Sackgasse, deren Ende zugemauert und mit einer steinernen Platte versehen ist, auf welchem ein des Römischen Kapitalis mächtiger Steinmetz die Frage hinterließ, warum der Mensch denn zum Kuckuck auch unbedingt zu Nahrungsmitteln und Produkten greifen muss, die ihm nicht bekommen. Dies ließe sich ausweiten bis hin zu den auch von mir übermäßig konsumierten News-Portalen, da doch im Allgemeinen - wie auch im Besonderen - politische wie wirtschaftliche Nachrichten oft bis fortwährend recht schwer verdaulich sind, doch, so meine ich, lässt sich in diesen Fällen leider schwerlich - ganz im Gegensatz zu den alten Röhrengeräten - in die allgegenwärtigen Flachbildschirme Kaffeesahne gießen.
Kaffeesahne als Lösungsmittel aller schwer verdaulichen Missstände fällt somit unwiderruflich ins Wasser, auch wenn der Gedanke, man könne untragbare Bundespräsidenten in einem großen Bottich Kaffeesahne ersäufen, gewisslich an den äußeren Rändern demokratischer Denkweisen tosenden Beifall erhält. Ich selbst schlage vor, diesen Gedanken in Gedanken schnurstracks aus diesem Text zu streichen und dafür einen Halbsatz anzufügen, in welchem als Alternative das Bewerfen des Bundespräsidentenamtes mit Kaffeesahnepäckchen a 370 ml erwähnt wird. Dieses ist hiermit geschehen.
Widme ich mich also lieber dem Wetter, was ja auch weit unverfänglicher ist, und übers Wetter, da redet doch halt jeder gerne mit. Zwei Wochen Dauerfrost gab’s am Stück, was nicht nur der Kaffeesahne, sofern man sie im Hofe lagert, übel mitspielt, auch dem Gebein deutscher Arbeitnehmer, welche wie ich um Fünf Uhr in der Früh hinaus müssen, macht er wenig bis gar keine Freude. Insbesondere wenn ich nach wenigen Metern feststellen musste, dass das sogenannte Ankleiden nach Zwiebelprinzip, also mehrere Lagen übereinander, nicht immer die angestrebte Kaminwärme für den Bereich zwischen Fußbett und Fontanelle bringt.
Nein, der Frost biss selbst durch die übereinander geschichteten Textilien, was mir die Erkenntnis brachte, dass in Deutschland veräußerte Stoffwaren wohl nicht arktistauglich sind. Was nun aber auch erklärt, bei C&A und anderen Textildiscountern unterdurchschnittlich wenige Inuit einkaufen zu sehen. Auch sah ich noch nie einen Hundeschlitten vor H&M. Nicht einen einzigen. Und nun weiß auch ich warum.
Kurz möchte ich aber erwähnen, dass es unzweifelhaft auch Leichtverdauliches in der von uns Menschen geformten Welt gibt, was ein Zugeben von Sahne nicht unbedingt nötig macht. Frisches Holsteiner Brot mit dick Leberwurst drauf zum Beispiel. Ein solches habe ich soeben zwischen Abschnitt Vier und Fünf verzehrt, darauf noch ein zweites, was mich nun satt und zufrieden mit Netbook auf dem Schoß der Dinge harren lässt, die der Abend vielleicht noch so bringt. Schon als kleines Kind liebte ich Leberwurst, allerdings ohne Holsteiner Brot, den dieses war damals noch ein Brot vom Klassenfeind, also für ein Kind der DDR unerreichbar und zudem lässt sich sagen, dass die Bäcker im real existierenden Sozialismus es durchaus verstanden, ein leckeres Sauerteigbrot zu backen.
Was ein Holsteiner Brot allerdings von einem Thüringer Brot unterscheidet, weiß ich nicht genau, es ähnelt ihm in Geschmack und Konsistenz, nur ist es nicht ganz so kross in der Kruste, eher etwas weich und pausbäckig wie Peter Harry Carstensen. Übrigens trinke ich seit einigen Wochen morgens gar keinen Kaffee mehr, sondern stattdessen einen Pott kräftigen Tee. Tee enthält nämlich genauso viel Koffein wie Kaffee, und ist, so vermute ich jedenfalls, weit bekömmlicher. Da kommt der erwünschte Effekt, das Wachrütteln des Geistes, auf wundervoll leichten Puschen daher, sanft und weich wie die Hände des Schleswig-Holsteinschen Ministerpräsidenten, der auch schon fürs Brot Modell stand. Wer das schafft, der hat’s wahrlich geschafft. Unsereins stand nur dem Klugscheißen Modell. Darauf ein Glas Kaffeesahne. Zum Wohl!
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