Das Wein-Joghurt-Anja-Kohl-Finanzsystem
Es drängt mich schon seit geraumer Zeit, mal einen Text mit einem Zitat einer von mir einst grundlos missachteten, sogenannten "Ost-Rock"-Band zu beginnen. Also: Am Abend mancher Tage - genau so beginnt nämlich eines der schönsten Lieder der Gruppe LIFT - da glaube ich schon, man will mich wohl mit dem Klammersack pudern.
Wie man schon am nachfolgend groben Klang erkennen kann, ist nur der erste Teilsatz dem poetisch durchweg hochwertigen Fundus von LIFT entnommen. Nie kam nämlich dem Sänger jemals eine Textzeile über seine Original-DDR-Lippen, in welcher a) gepudert und b) selbiges zudem mit dem Klammersack bewerkstelligt wurde. Überhaupt lässt sich sagen, im Osten wurde textlich sehr hochwertiges Liedgut geschmiedet, zumeist vollkommen frei von jeglicher Ideologie. Nur befand ich als junger Spund die damalige ostdeutsche Rockmusik für keinen einzigen Pfifferling wert, denn nur die verbotenen Früchte schmeckten süß, so dass ich doch viel lieber KISS hörte, auch wenn ich im nachhinein sagen muss, diese Früchte waren ja gar nicht süß, sondern nur overdressed und im Grunde nur gut für den von Alkoholdunst umwehten Kirmestanz. I was made for lovin' you: anatomischer Bullshit plus überzogenes Selbstwertgefühl. Dies ist selbstverständlich eine durchweg subjektiv gefärbte Meinung, darf aber zum Eigengebrauch ohne Furcht vor einer Abmahnung in die individuelle Weltanschauung eingewoben werden.
Auch dies ist selbstredend nur eine Mutmaßung meinerseits, die im Umstand gründet, dass ich einmal einen Einkaufskorb fallen ließ, worauf eine Flasche Rotwein und ein Becher Joghurt kaputt gingen. Wäre nur der Joghurt entzwei gegangen, so hätte ich mich bestimmt seelenruhig mit dem Spruch "Nicht der Rede wert!" aus dem Einkaufszentrum entfernt. Zumal der Joghurt für die Gattin bestimmt war. Doch zudem ging ja auch noch der Rotwein verloren, was den Wert des Joghurts ungemein maximierte. Nehmen wir den Rotwein als Kapital und den Joghurt als Zinsen, so erwuchs aus dieser unglückseligen Verbindung durchaus eine Steigerung des gefühlten Verlustes. Eine recht krude Theorie, welche ich zu verteidigen freilich momentan intellektuell nicht in der Lage bin.
Und dann bringen die gebührenfinanzierten Spacken von der ARD auch noch allabendlich die BÖRSE IM ERSTEN, zwar oft mit einer sehr nett anzusehenden Anja Kohl, die aber allein optisch vermuten lässt, sie wäre eine Tochter Zions, was leider die rechten Ressentiments befeuert, alle Börsen befänden sich in jüdischer Hand. Dabei ist es doch überhaupt nicht relevant, ob es jüdische Hände oder die Hände der Inuit sind, welche an den Börsen und Finanzmärkten mit allerlei Tricks und Psychoscheiß Milliarden scheffeln. Selbst wenn es die Pygmäen wären (Was vielleicht gar nicht schlecht wäre, denn die haben ja nur sehr kleine Hände!): es sind nicht die Menschen schuld, die das System benutzen. Es sind die Menschen schuld, welche das System zulassen. Und das sind nun einmal wir.
Und darum will ich dieses System nicht auch noch mit zusätzlichem Brennstoff befeuern. Also liebe Postbank, liebe Bank of Scotland und liebe Riester-Abzocker: tut mir leid, Eure Werbung für Finanzprodukte gleitet an mir ab, wie Schlittschuhe übers Eis. Apropos Eis: wenn es denn so wirklich dünn für den Euro ist, wie in der Tagesschau verkündet, so will ich doch die Last, die auf diesem Eis steht, nicht auch noch erhöhen. Nur die Anja Kohl, die könnt ihr ruhig weiter übers Abzocken berichten lassen. Den Ton kann ich ja abstellen.
Und wie heißt es doch so wunderschön im Lied von LIFT:
Am Abend mancher Tage - da stimmt die Welt nicht mehr,
Irgendetwas ist zerbrochen, wiegt so schwer.
Und man kann das nicht begreifen
Will nichts mehr sehn
Und doch muss man weitergehn.
Und Freunde, ich weiß, was da zerbrochen ist. Es ist der Glaube ans System.









