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BUMM!

kolumnistenschwein_150Der Weg zum Selbstmordattentäter ist ein steiniger. Weil, es werden einem halt so viele Steine in den Weg gelegt. Da ist zum einen - als bis dato pazifistisch Angehauchter - man hat eben so verdammt wenig Ahnung von Bomben und anderen lauten Accessoires. Okay, Silvester mal 'ne Konfettibombe. Oder dann und wann eine Kalorienbombe. Aber dass war es dann auch schon mit Bums und Co. Und Sendungen wie "Explosiv" halten ja bei Weitem nicht, was der reißerische Titel einem verspricht. Und auch an der Volkshochschule wird kein Lehrgang geboten, der einem auch nur halbwegs verständig lehrt, was einem außer dem Finanzamt noch dazu bringt, mal so richtig in die Luft zu gehen. Also muss man sich autodidaktisch weiterbilden. Was gehörig Ärger zu Hause bringen kann.

Denn schließlich, Schwarzpulver hinterlässt seinem Namen alle Ehre machende Flecken an Tapeten und Sitzgarnitur. Und herum fliegende Finger sind auch nicht gerade der willkommene Appetizer beim wöchentlichen Kaffeeklatsch meiner Frau und ihrer kaffeeklatschenden "Freundinnen". So kann es leicht passieren, dass man schon beim Erlernen einer auch optisch ansprechenden Selbstzerstörung so viele Körperteile verliert, dass man sich zum eigentliche Ort des Attentates tragen lassen muss. Was auch nicht gerade für Bombenstimmung in der Selbstwertzentrale führt.

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 Aber selbst wenn es einem gelingt einen Sprengstoffgürtel zu basteln, der auch um den wegzusprengenden Bierbauch passt, so braucht es doch außerdem noch einen guten Grund, diesen angesoffenen Speck auch stückeln zu wollen. Stichwort Motivation: Ich finde nicht einen vernünftigen Grund, warum ich mich auf unserem Marktplatz von diesem per Detonation verabschieden sollte. Auch wenn der Marktplatz meines Heimatstädtchens ein Ort ist, von dem viele Einheimische sagen, es hätte lieber ihn treffen sollen, als die Dresdner Frauenkirche.

Wenn ich wenigstens an was glauben würde. Irgendwas. Von mir auch etwas Unlogisches: an einen Gott. An die Menschen. Oder an Hartz4. Denn wenn man glaubt, dann glaubt man ja auch, es glaubt einem niemand, was man so glaubt. Und dann könnte man ja mit etwas TNT seinem Glauben lautstark Gehör verschaffen. Doch ich bin von schuppiger Kopfhaut bis zur Nagelbettentzündung meiner Zehen mit fast schon stofflichem Nichtglauben erfüllt. Und Etwas, an das man nicht glaubt, sollte man nicht auch noch mit einem personengebundenen Feuerwerk krönen.

Mal ganz abgesehen von den Kosten. Denn in so einem Fall lässt sich die "Weiße Lilie", was hier im Ort die Nummero Uno unter den Bestattungsunternehmern ist, im wahrsten Sinne des Wortes nach Stückzahl entlohnen. Und das können im ungünstigsten Knall schon eine ganze Menge Stückchen sein. Und so eine explosive Steigerung der Ausgaben würde die stets magere Haushaltskasse meiner Familie wohl oder übel sprengen.

So lasse ich die Finger da wo sie sind und vor allem vom Sprengstoff. Und Leute, die glauben, ihr Glaube verlange nach Bomben, nach Explosionen, denen möchte ich gern sagen, ihr braucht das doch überhaupt nicht. Ihr habt doch schon einen Knall.

 

Nachtrag: Dieser kleine Text ist mir vor etlichen Jahren entwichen. Und in diesen Jahren hatte ich oft genug Anlass, über die praktische Anwendung eines Selbstmordattentates nachzudenken. Bei ALDI der Nutella-Ersatz-Brotaufstrich um 3 Cent im Preis gestiegen: BUMM! Beim Öffnen der Katzenfutterdose deren Inhalt auf die eigene Hose verteilt: BUMM! Oder wenn die Gattin einen Abends zwischen Tagesschau und Jauch damit überrascht, dass ihr Friseurbesuch über 60 Euro kostete: BUMM! Lauter gute Gründe, sich mit Krawall und Pulvergestank aus dieser Welt zu verabschieden. Doch nie kam mir in den Sinn, mich dezibelstark zu pulverisieren, nur weil jemand nicht glaubt, was ich glaube. Ich glaube zum Beispiel, man sollte vielmehr über den eigenen Tod nachdenken, und nicht darüber, wie man andere übern Jordan bringt. Die Kunst soll sein, mit einem Grinsen zu gehen. Und nicht mit einem vor Zorn entstelltem Gesicht. Der Bestatter hat es so schon nicht allzu leicht. Und 3 Cent machen den Kohl ja nun wirklich nicht fett.


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  21.05.2012 The Intelligence

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