Benedikt vs. Meine Frau
Zwei Dinge klopfen alsbald an meine Tür. Und sie heißen Papst und Herbst. Wobei der Papst selbstverständlich nicht in Natura an meine Haustür hämmern wird, nein, es ist mehr so ein gefühltes Anklopfen, ähnlich den Ansagen medialer Wetterfrösche, die ja durchweg auch nur von "gefühlten 5 Grad" sprechen. Ich habe halt eben nur den Eindruck, befeuert durch unzählige Erwähnungen auf allen Kanälen und Gazetten, Benedikt käme auch zu mir.
Dabei: ich habe ihn ja nicht mal eingeladen. Zudem: Männer in Frauenkleidern! Ich weiß ja nicht, was da meine Gattin dazu sagen würde, wenn sie just denn an genau jenem Tag mal ein Stündchen eher von der Arbeit nach Hause käme, und da sitzt ein nicht unbedingt ganz taufrischer Mann in langem Rock auf IHREM Küchenstuhl und nennt mich "mein Sohn".
Ich meine, wir sind schon so lange liiert, doch nie hatte meine Gattin auch nur die geringste Ahnung von meinem schweren Hang zu solcherart Rollenspielen. Und noch schlimmer: ich auch nicht! Von den Nachbarn mal ganz abgesehen. Zum überwiegenden Großteil alles stramme Atheisten. Die verlaufen sich nur zu Weihnacht in die Kirche, um dort in einer Art Gruppenzwang einen Typus Dankbarkeit zu simulieren, weil sie unterm Baum vielleicht ein iPhone für sich fanden.
Wenn denn überhaupt der Drang verspürt wird, bei winterlichem Sauwetter aus dem Hause zu gehen, dann lieber mal zu Opa ins Altenheim, um diesem dort zu danken, dass dieser einen einst zwischen zwei Glas Pils gezeugt hat, und man so die Chance erhielt, zum Heiligabend Kartoffelsalat mit Würstchen zu genießen, denn ein solches setzt immer körperliche Anwesenheit voraus. Dieses erkennt man unter anderem auch daran, dass vorm Fest allemal nur Würstchen für die im Haushalt anwesenden Personen bestellt werden, aber niemals, ich wiederhole, niemals Würstchen für all die Ungezeugten!
Über solch eine Thematik würde ich natürlich gern einmal mit Benedikt dem Soundsovielten debattieren, aber wie gesagt: meine Frau. Er müsste sich eventuell nur mal was Vernünftiges anziehen. Und mich einfach nicht "mein Sohn", sondern Herr Peppel, oder von mir aus auch Lothar nennen. Dann schwindet der Argwohn aus meiner Gattin, wie das Geld an der Börse.
So lasse ich mich doch lieber noch ein paar Sätze lang über den Herbst aus, der zwar noch nicht laut vernehmbar mit erdigen Fäusten an meine Haustüre schlägt, es ist mehr so sanftes Trommeln mit seinen feuchten Fingerspitzen, so ein leises Signal für unsereins um zu schauen, was in dieser Saison eigentlich der Liter Heizöl kostet.
Von den Heizkosten einmal abgesehen: ich liebe den Herbst! Er ist nicht so aufdringlich wie der Frühling, der einem zu Aktivitäten wie Garten bestellen, kurze Hosen kaufen und hormonell bedingtem freundlichsein zum anderen Geschlecht drängt. Und auch nicht so gewalttätig wie der Sommer, der einem mit seiner Hitze Tag und Nacht zur Tortour werden lässt, und nur die Produzenten von Deodorant und Sonnenöl glückselig lächeln macht, weil sie sich an sommerbedingten Ausdünstungen und krebsroter Haut wahrlich gesund stoßen. Auch den Winter nenne ich nicht meinen Freund. Freunde lassen einen nämlich nicht sechsmal täglich Schnee schippen.
Nur der Herbst ist mir ein angenehmer Geselle. Er bringt mir Mußestunden, weil, alle Gartenarbeit und alles Geschlechtliche ist getan. Er hilft mir sparen, weil, ich schwitze und verbrenne nicht mehr. Auch bringt er mir keinen Schnee, den ich ständig in unbeobachteten Momenten auf der Nachbarn Gehweg schaufeln muss.
Nur manchmal bringt er den Papst.
Was ihm hiermit verziehen sei.









