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Aufruf zu leichter Gewalt

kolumnistenschwein_150Warum verspüren ein Großteil der finanziell auf überaus festem Grund Stehenden nur immer den Drang, ihr überm Durchschnitt liegendes Hab und Gut in drittklassigen Schmierenblättern zu präsentieren? Warum also müssen Müllers und Schulzes unbedingt aus der FREIZEITREVUE erfahren, dass Helene Fischer und Florian Silbereisen "ein Liebesnest auf Mallorca" kauften? Und wie trostlos sieht bitteschön denn die Freizeitgestaltung von Müllers und Schulzes überhaupt aus, alldieweil die, statt übern Sommer hin zum Federballspielset zu greifen, in ihrer freien Zeit lieber nach der FREIZEITREVUE langen, wo ihnen auf Seite 2 bis 32 scheinwerfergebräunte TV-Fratzen ihre mit GEZ-Gebührengeldern amortisierten Immobilien um die Pupillen hauen.

Im Gegensatz zu den auf diese Art und Weise angestoßenen Neiddebatten ist Federball spielen doch auch weitaus gesünder. Es macht nämlich schon einen gehörigen Unterschied, ob man rot im Gesicht ist von dem Alter angemessener sportlicher Aktivität, oder weil der Zorn auf durch unkritische ARD-Zuschauer zu Reichtum gekommene Humdada-Stars einem den Schädel kirschrot anmalt, und, als dreidimensionale Dreingabe, dicke lila Adern an die Seiten ebendiesen Schädels pinnt.

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Das Jagen eines Federballes, bis hin zur körperlichen Erschöpfung, zählt man in gut informierten Kreisen zur Familie des positiven Stresses. Zornig sein hingegen ist des Stresses negativ eingestellter Zwillingsbruder. Und positiver Stress verhält sich zu negativem Stress in etwa, wie ein 5er im Lotto zu mit dem Arm bis zum Musikantenknochen hoch in den Häcksler geraten. Nur wer erstere Form wählt, wird seiner Umwelt stets als freundlich und entspannt in Erinnerung bleiben. So sollte die einzige Art, die Stirn blutrot zu färben, neben dem Sport sein, dass man circa eine halbe Stunde lang täglich mit der Stirn auf den Küchentisch haut, weil man so eine gedruckte Quirlkacke wie die FREIZEITREVUE vor Jahren im milden Suff per Telefongespräch abonnierte.

Und überhaupt: Wieso sollte es einen interessieren, ob Silbereisen seine Helene auf Mallorca in einem "Liebesnest" nackig macht? Der Geschlechtsdrang ist ein universeller, ganz gleich ob in Spanien oder in Sachsen-Anhalt. Man braucht also nicht zwangsläufig in fremde Gefilde zu reisen, um seine Bedürfnisse abzuarbeiten. So gesehen geht es doch höchstwahrscheinlich auch gar nicht darum, ob das Duo der verkalkten Herzen ein südlich gelegenes "Liebesnest" der Libido wegen käuflich erwarb, sondern es ist gewiss nur dem Umstand geschuldet, die GEZ-Gelder in weit abseits liegende Sicherheit zu verbringen. Denn wer weiß: Heute geht es Gaddafi an den Kragen, doch schon morgen vielleicht werden volkstümliche Kaiser ihrer nicht vorhandenen kulturellen Kleider wegen durch die von qualmenden Fackeln erhellten Problemviertel deutscher Innenstädte gejagt.

Und auch der Begriff "Liebesnest" scheint ein mir ein recht verfänglicher. Denn wie stelle ich mir ein solches Bitteschön vor? Ist dies etwa ein geräumiges, 50 Quadratmeter großes Appartement in deren verlorener Mitte ein Bett mit hoch belastbarer SCHLARAFFIA-Federkernmatratze steht und sonst nix, außer vielleicht noch ein Fass Gleitgel in der Ecke und einem fest montierten Kondomautomaten an der Wand. Und warum, so frage ich mich ferner, gibt es in der FREIZEITREVUE nur die Außenseiten der angeblichen Lasterhöhle zu sehen, wo es doch Spezialität solcherart Gazetten ist, das Innere nach Außen zu kehren. Wer weiß, vielleicht steht da ja gar kein Fass mit Gleitgel in der Ecke. Und wer weiß, vielleicht gibt es ja nicht mal einen Kondomautomat an der Wand. Alles nur Vermutungen, weil die Finger der FREIZEITREVUE-Redakteure scheinbar mal wieder schon weit vor Redaktionsschluss komplett leer gesaugt waren.

Reichtum sollte generell im kleinen, privat zu nennenden Kreise genossen werden. Wo Tetrapacks französischen Landweins die Regel sind, weckt eine öffentlich verzehrte Flasche Chateau Lafite nur Begehrlichkeiten. Und wer diese Flasche dazu nicht aus Unwissenheit, sondern allein der Provokation wegen unbedingt vor einer Kamera leeren muss, dem geschieht es durchaus recht, wenn man ihm mit eben jener Flasche einen Scheitel zieht. So kann es ganz schnell dazu kommen, dass im Redensarten-Lexikon gleich hinter dem populären "Wein auf Bier, das rat ich Dir. Bier auf Wein, das lass sein", zu lesen sein wird "Knochen auf Glas, unter Umständen Spaß. Glas auf Knochen, beides zerbrochen". Oder ganz ähnlich.

Ob Müllers und Schulzes allerdings neben Yellow-Press-Erzeugnissen ein neu aufgelegtes Redensarten-Lexikon erwerben werden, bleibt vorsichtig abzuwarten.


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Eines der Probleme beim Fußball ist, daß die einzigen Leute, die wissen, wie man spielen müßte, auf der Pressetribüne sitzen.
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  21.05.2012 The Intelligence

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