Super 8. Der Film. Und anderes.
Samstag, den 06.08.2011 15.22 Uhr MEZ. In wenigen Augenblicken werde ich in Richtung Kino unterwegs sein, um für einige kümmerliche Augenblicke aus der beinharten Realität in die watteweiche Traumwelt der - oftmals zu bewusstseinserweiternden Drogen greifenden - Filmemacher zu entfliehen. Dass Filmschaffende mehr als nur einmal nach kirre machenden und durchweg illegalen Pulvern und Pillen langen, ist selbstverständlich nur eines meiner wie immer sehr vorschnell gefällten Pauschalurteile, welches - so jedenfalls die auf recht wackeligen Beinen stehende Hoffnung meiner Rechtschutzversicherung - diesmal durch das im Grundgesetz verankerte Recht auf Meinungsfreiheit gedeckt ist.
Natürlich nehmen nicht alle Regisseure und Drehbuchautoren Drogen. Wer Dokumentarfilme und Reportagen über aussterbende Berufe auf Zelluloid bannt, braucht während seiner tristen Arbeit keinerlei Zustände, die ihn dazu bringen würden, die Protagonisten seines Werkes verrückte Dinge tun zu lassen. Von den Blümlerinnen, also Frauen die Kunstblumen herstellen, gab es einst 15.000 im Ort Sebnitz. Nun sollen es nur noch 11 sein. Wenn man nun den Beruf der Blümlerin dem menschlichen Leben gleichsetzt, so ließe sich sagen, der Beruf liege nicht nur bereits in Agonie, er liegt längst auf einem chromblitzenden Seziertisch. Dort würden dann Pathologen und Mitarbeiter des Arbeitsamtes versuchen, aus den Gedärmen dieses nun kalten Berufes herauszulesen, woran der Dahingegangene denn überhaupt starb.
Man stelle sich nun vor, der Regisseur, welcher von einer Produktionsfirma den sicherlich sehr kostenintensiven Auftrag erhielt, das Schaffen der letzten Blümerinnen für die Nachwelt auf 16-mm-Film festzuhalten, wirft während seiner regulären Arbeitszeit kiloweise Psylocybin-Pilze oder LSD ein, und lässt im Zustand seines nun doch recht verwinkelten Denkens die letzten Blümerinnen in ihren gewerkschaftlich zugesicherten Arbeitspausen nackt Hühnerhälften an die Wände ihrer Werkstatt nageln, in dem Glauben, seine der Dokumentation dienende Leistung würde so zur Kunstform erhoben.
Gewiss laufen Filme mit ähnlichen Szenen dann und wann nach 23 Uhr auf ARTE. Doch sind dies keine Dokumentationen, sondern die zumeist in Schwarzweiß fotografierten und auf Außenstehende sehr, sehr verschroben wirkenden Werke junger französischer Kunststudenten.
Filmschaffende hingegen, welche sich der Unterhaltung des Lohnarbeiters verschrieben haben, sollten durchaus im Rausche filmen bzw. drehen, denn wenn denn schon fürs Lumpenproletariat immer noch die Faustregel von dem Brote und den Spielen gilt, so sollen doch die Spiele wenigstens reich an Fantasie und Farben sein, wenn denn schon das Brot so grau und voller Spelzen ist.
Und wenn ich heute also ins Kino gehe, so erwarte ich, dass der Regisseur Ideen verarbeitet hat, bei deren erblicken der Zuschauer sich denkt: Wow, was der Regisseur sich wohl eingeworfen hat! Super 8 heißt übrigens der Film. Auch wenn ich den Verlautbarungen in Presse und Funk bereits neugierig entnommen habe, dass in jenem Film nicht unbedingt cineastisches Neuland betreten oder gar beackert wird. Area 51. Aliens. Spielberg. Zutaten, die nicht unbedingt „progressiv" auf der Packung stehen haben. Aber vielleicht gibt es ja auch nur eine einzige Szene, derer es das Verlassen von Haus und Sofa lohnt. Vielleicht nagelt ja der Außerirdische Hühnerhälften an die Wände seines Raumschiffes. Und vielleicht ja sogar nackt.
Ich verlasse mein Haus mit dem Vorsatz, schon morgen früh eine ausführliche und bis zum letzten Kommata hin objektive Rezension zu verfassen.
Sonntag den 07.08.2011 10.00 Uhr MEZ. Über den Film Super 8: na ja.









