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Shoppen - Der Fluch der Hosen tragenden Masse

kolumnistenschwein_150Gestern war ich shoppen. Was als Tätigkeit wohl deutschlandweit auf vergleichbare Art und Weise erledigt wird: man packt einen nicht zu kleinen Stapel Geldscheine, oder ersatzweise eine möglichst gut beleumdete Kreditkarte ins lederne Portemonnaie, die erwartungsvolle, stets mit Wünschen überfrachtete Familie ins Auto und führt dieses mit möglichst ruhiger Hand und unter mäßigem Fluchen in die Tiefgarage irgendeines Shoppingcenters einer x-beliebigen Stadt mit einer Einwohnerzahl von über 20.000.

Diese Zahl ist von mir selbstverständlich sehr willkürlich gewählt, da ich keinerlei Statistiken jemals zu Augen oder Ohren bekam, die aussagen, ab welcher Einwohnerzahl es denn für die Betreiber von Konsumtempeln lukrativ scheint, diesen Tempel von Zeitarbeitsfirmen aus dem angeblich doch so güldenen Boden stampfen zu lassen.

In einem Ort etwa mit einer Einwohnerzahl von sagen wir mal netto 5 Leuten, also dem Großvater, seinem Sohn und seiner Tochter, und den aus dieser langjährigen strafbaren Beziehung hervorgegangenen zwei etwas langsam im Reden seienden Buben, welcher dazu mittig eines dichten Mischwaldes fernab jedes Autobahnknotens liegt, da scheint eine Refinanzierung eines Einkaufsparks auf recht wackeligen Beinen zu stehen. Die Finanzkraft der fünfköpfigen Familie ist gewiss nicht so groß, als dass es lohnt, 20 bis 30 verschiedene Filialen bekannter Handelsketten mit jeweils 3 bis 5 Angestellten tagtäglich außer Sonntags 10 Stunden zwischen Kiefern und Eichen öffnen zu lassen.

Großvater kauft eh nur Halbnackte offerierende Hochglanzhefte, seine Kinder französischen Tafelwein in Pappkartons, und deren zwei Buben bekommen alle drei Jahre neue Legosteine, oder auch eher, immer davon abhängig, wann sie den letzten Stein verschluckt und auf Nimmerwiedersehen hinter irgendeinem Brombeerstrauch ausgeschieden haben. Und dies seit nunmehr weit über 20 Jahren. Ab welcher Familiengröße also in deren Nähe zwangsläufig aus gewinnträchtigem Denken Einkaufsparks entstehen, ist mir als Wissen so fremd, wie dem Knäckebrot die Laschheit von erkalteten Eierkuchen.

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Im Einkaufszentrum angekommen bemerkt man als erstes, dass die Idee, an einem Samstagnachmittag nach Hosen und einem Paar neuer Schuhen zu lechzen, allgemein sehr verbreitet ist. Das Parkhaus voll wie Harald Juhnke in besten Zeiten!

Dies ist der Moment, in welchem der Lenker des Fahrzeugs an der Idee des samstäglichen Einkaufs stark zu zweifeln beginnt, und dieses postwendend wortreich und mit erhobener Stimme Weib und Kind kenntlich macht.

Die Erwiderung, man wäre doch selbst Urheber des Gedankens gewesen, da angeblich Hosen und Schuhe, welche man übers Internet bestellt, die üble Angewohnheit hätten, es mit Passgenauigkeit und Übereinstimmung mit den im Onlineshop präsentierten Produktfotos nicht so genau zu nehmen, man also im ungünstigsten Falle darin aussieht wie ein gelungen kostümierter Clown an einem Faschingsdienstag, läuft an mir ab wie Wasser an qualitativ hochwertigen Badezimmerfliesen. Man ist ja schließlich nicht das Bündnis der Ehe eingegangen, um sich in Folge bei jedem noch so kleinen Anlass die eigene Unverhältnismäßigkeit zwischen Denken und Handeln um die Ohren hauen zu lassen. Man heiratet hauptsächlich, um dieses Missverhältnis am Partner abzureagieren. Dieses ist allerdings den wenigsten Paartherapeuten bekannt und darf bei mir gegen eine geringe Lizenzgebühr als Basiswissen in die eigene Wissensdatenbank eingefügt werden!

Sobald es einem gelungen ist, dass KFZ nicht nur flächenmäßig, sondern dergleichen auch gesetzeskonform einzuparken, fällt einem zudem auf, dass die Fülle von Autos im Parkhaus nicht nur untrüglich auf eine große Fülle in den Läden verweist, sondern dass es tatsächlich so ist. Die Geschäfte waren, selbst die ganz großen, auf Grund des Andranges recht eng um die Hüfte. Was bei den Hosen, derer ich bedarf, sobald ich zu Größen, die mir doch noch vor wenigen Jahren passten, griff, ebenso zutraf. Um glatte zwei Größen wuchs mein Bedarf. Was das Fluchen während der Rückfahrt nicht unbedingt ein leises sein ließ.


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  21.05.2012 The Intelligence

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