Alles in Butter
Die Tage werden nun merklich kürzer, was als Feststellung ja ausgewachsener Mumpitz ist, denn nicht die Tage schrumpfen, sondern nur die Zeit, in der wir die Ausdünstungen unseres Zentralgestirns zu spüren bekommen. Der Tag an sich bleibt 24 Stunden groß. Auch wenn ich zugeben muss, dieses nicht Tag für Tag akribisch zu überprüfen. Ich vertraue einfach den Arbeitnehmern der kalenderdruckenden Industrie. Die werden schon wissen was sie machen. Oder eben auch nicht. Denn in meinem Terminplaner ist jeder Tag mit exakt 24 Stunden ausgestattet. Auch wenn ich manchmal gar nicht weiß, was ich in all die Stundenspalten hineinschreiben soll. Zähneputzen um 22 Uhr, dafür macht man doch keinen Termin. Und für die ehelichen Pflichten auch nicht. Wäre ja auch verdammt peinlich, wenn man den Terminplaner nach dem dahingeschiedenen Jahr im Altpapiercontainer entsorgt und irgend ein neugieriger Nachbar fischt das Kalendarium dann wieder heraus und liest beispielsweise für den 11. Dezember 2010: 22 Uhr Zähneputzen/22.15 Gattin von hinten. Das geht doch schließlich niemanden was an, wann ich meine Zähne putze!
Dass wir aber übern Winter hin weniger Sonnenlicht abbekommen als im Sommer, also scheinbar kürzere Tage haben, hat irgendwie mit der Neigung der Erdachse und damit zutun, dass die Sonne deshalb im Winter tiefer steht. Zur Wintersonnenwende (21./22.Dezember) kriecht sie förmlich übern Boden, was mit sich bringt, dass wir nur kümmerliche 8,5 Stunden Licht abbekommen. Meteorologisch betrachtet ist somit die Wintersonnenwende unser gefühltes Nine-Eleven.
Nun, wo der Glaube, im Winter seien die Tage kürzer, von mir semiprofessionell am Boden zerstört wurde, richte ich mein Augenmerk viel lieber auf die wirklich wichtigen Dinge des Lebens. Wie zum Beispiel auf die Tatsache, dass viele meiner Mitmenschen ihre Butter Stunden vorm Verzehr aus dem Kühlschrank holen, damit sie bis zum Abendbrot einen Aggregatszustand erreicht, der im Allgemeinen mit "streichfähig" bezeichnet wird. Eines ist doch Fakt: "gute" Butter wird, sofern im Kühlschrank deponiert, so hart, dass militante Castor-Transport-Gegner gewiss ihre Rucksäcke damit füllen würden - wenn sie denn von der Härte gekühlter Butter wüssten! - um diese dann auf die die Transporte sichern sollenden Beamten zu werfen, um deren Schutzausrüstung damit gehörig einzudellen. Hierbei gäbe es natürlich eine gewisse Anzahl an technischen Problemen zu lösen, z.B. wie denn verdammt noch mal die Butter hart bleiben soll, wenn doch die Herbstsonne auf den Rucksack des Demonstranten scheint, worauf alsbald die Butter aus dem Tornister tropft und zum schmeißen soviel taugt wie ein Wasserwerfer zum Erstellen hochwertiger Aquarelle.
Diese Problematik ließe sich eventuell durch transportable Kühlschranke oder gar durch ganze von Greenpeace finanzierte Kühlfahrzeuge lösen, brächte aber wiederum einen solch erhöhten Energieverbrauch mit sich, worauf die Herren und Damen der Vorstände der Energieerzeuger dramatisch darauf hinweisen werden, dass gerade deshalb längere Laufzeiten für Atomkraftwerke dringend von Nöten seien, worauf Greenpeace noch mehr Kühlfahrzeuge ordert. Ein idiotischer Kreislauf, der zwar die europäischen Butterberge schwinden, aber ansonsten nichts weiter als Fettflecke rund um Gorleben hinterlässt.
Ich schlage deshalb vor, dass alle Bürger Deutschlands ihre Butter an den kühlen Stellen ihrer Wohnstatt lagern. Kellertreppen haben ein derart günstiges Klima, welches nicht nur Asseln zu schätzen wissen, sondern auch Butter streichfähig bleiben lässt. Auch Schlafzimmer werden selten so derbe beheizt, dass Butter schmilzt, vom Tisch tropft, durchs Parkett kriecht und immer weiter, bis es auf der anderen Erdseite wieder hervorkommt. Man bedenke wie viel Energie es doch kostet Tag für Tag Millionen Stücke Butter hart zu frieren und danach wieder aufzutauen! Wer weiß, vielleicht könnte man ja, wenn wir diese energiefressende Unsitte erst einmal mit Stumpf und Stiel ausgerottet haben, alle Atomkraftwerke getrost abschalten.
Dann braucht auch kein Demonstrant bei herbstlichem Sauwetter mehr gegen Castor-Transporte marschieren, sondern kann daheim bei Kind und Kegel und einer guten Flasche Rotwein überprüfen, ob die Tage im Herbst und Winter wirklich kürzer sind. Falls all gegen meine Erwartungen doch, so darf er sich gern wütend an den Verlag wenden, der meinen Terminplaner mit Falschaussagen bestückte. Und ich bewerfe dann das Haus des Verlagleiters mit harter Butter.









