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Was so nie im SPIEGEL steht

kolumnistenschwein_150Manchmal habe ich das Gefühl, dass Deutschland mich überfordert. Also jetzt nicht von der Landschaft her. Diese ist in meiner unmittelbaren Umgebung von angenehmster Art, weder zu steil, noch zu flach und dazu auch nicht übermäßig von Beton und Glas verschandelt. Verkehrstechnisch passt es auch: die Straßen meines Heimatortes sind nicht zu lang, auch nicht zu breit, als dass ich mich darin verlaufen könnte, bieten aber dennoch genug Raum, um mich ohne anzuecken darin zu wenden. Also jetzt nicht von innen nach außen. Mehr von links nach rechts, oder auch anders herum, je nach den wie auch immer gearteten Reizen, welche einen im Zustande der stets unstillbaren menschlichen Neugier dazu zwingen, nach hinten zu schauen. Da gibt es reinweg nichts dran zu meckern.

Auch meine Nachbarn und Kollegen sind charakterlich nicht dermaßen befremdend oder krankhaft boshaft, als dass die Anschaffung einer auf dem Schwarzmarkt sicherlich käuflich zu erwerbenden Kalaschnikow wirklich lohnen würde. Sie entsprechen vom Wesen her dem bundesdeutschen Durchschnitt, sind also genauso höflich und unhöflich wie es die Statistik verlangt und wer mit ihnen nicht auskommt, der soll sich nicht gleich auf dem Schwarzmarkt mit dunklen Gestalten treffen, und statt dessen lieber erst einmal in der betreffenden Statistik lesen. Auch ist brachliegender Intellekt mitnichten zu vernichten, sondern in gemeinschaftlicher Anstrengung aufzupäppeln und zu reanimieren. Kein Konsument von BILD und Privatfernsehen gibt allein durch sein unbedachtes Im-Dreck-Schleifen seines Denkorgans genügend moralischen Anlass für Massaker. Ich selbst erwischte mich gestern Abend dabei, wie ich für ein, zwei Runden den Boxkampf eines gewissen Klitschko auf RTL verfolgte, inklusive der in die Pausen gequetschten Werbung.

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Das funktioniert dann in etwa so, dass der Klitschko die Rübe seines Gegenübers, und RTL die Hirne seiner Zuschauer mit Kopftreffern eindeckt. Brot und Spiele halt, die, und das ist und war schon immer so, der Zuschauer auch noch aus eigener löchriger Tasche bezahlt. Was, um diesen Absatz ordentlich bestückt zu schließen, nichts anderes bedeutet als, dass die Freiheit des Einzelnen eben auch seine autodidaktische geistige Weiterbildung ein bzw. ausschließt. Und dann ist es doch auch schlimm, wenn diese Freiheit einen handwerklich so gelungenen Gegenstand wie eine Kalaschnikow aus Mangel an gerichtsfesten Gründen über die Jahre vor sich hinrosten lässt.

Desgleichen die Anzahl der politischen Spinner im Ort. Sie entspricht sicherlich den allgemeinen Durchschnittszahlen. Was ja auch logisch erscheint, denn schließlich heißt mein Heimatort nicht Berlin, wo ein nicht geringer Anteil der Bevölkerung gezwungen ist, sich mit politisch fragwürdiger Tätigkeit seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Natürlich haben auch wir eine gewisse Anzahl an Nazis, was aber in diesem Zusammenhange einen politischen Hintergrund ausschließt, da Nationalsozialismus Politik im eigentlichen konsequent ausschließt, weil Politik im Kern Opposition einschließt. Also im günstigsten Fall. Erwähnt sei in diesem Zusammenhang die Floskel vom Ast, auf dem man sitzt, und dem Sägen daran. Nein, alles ist im örtlichen Kleinen perfekt und entspricht dem Machbaren.

Was ist es also, was mich Schreiben macht, ich fühle mich von Deutschland überfordert? Liegt es vielleicht daran, dass die deutsche Obrigkeit - also die wirtschaftliche Elite und deren in den Parlamenten sitzenden Lakaien - einen permanent für blöde verkauft? Nehmen wir das Beispiel einsturzgefährdetes Atommülllager Asse, in welchem sich nun herausstellte, dass die zehnfache Menge an strahlendem Müll in ihm lagert, als bis dato angenommen. Soll das heißen, dass in einem Land, in welchem Bürokraten sitzen, die Jahr für Jahr Millionen Steuererklärungen bis auf den allerletzten lausigen Cent berechnen, niemand in der Lage ist, Fässer zu zählen?! Will man mir und dem Rest der deutschen Bevölkerung einreden, in unserem Land, welches seit Jahrzehnten erfolgreich Hightech produziert und in alle Welt verhökert, gibt es real niemanden, der die Zahlen 1293 und 14779 auseinander halten bzw. unterscheiden kann?! Ich kann es jedenfalls. Und meine Kollegen und Nachbarn auch. Selbst den Jungnazis, welche Tag für Tag im Park auf Oettinger-Bierkästen sitzen, traue ich dieses ohne Zweifel zu.

Ist es somit also nicht so, dass die deutsche Überforderung, welche ich eingangs beklagte, nicht eher in einer bis ins Detail geplanten Unterforderung zu finden ist, weil der Staat uns glauben lassen will, es könne hier eh keiner richtig zählen außer eben bis zu Runde 10. Funktioniert die Verblödungsmaschinerie also schon so dermaßen perfekt, dass wir zwischen den Klitschko-Spielen fürs Volk schon selbst an die uns aufdiktierte Blödheit glauben? Und wenn ich schon dabei bin: Hat Klitschko eigentlich gewonnen?


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Eines der Probleme beim Fußball ist, daß die einzigen Leute, die wissen, wie man spielen müßte, auf der Pressetribüne sitzen.
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  21.05.2012 The Intelligence

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