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Gut lebt es sich im Schatten des Sombrero

kolumnistenschwein_150"Endlich Sommer!" frohlocken die Bundesbürger und kippen sich Mineralwasser mit Kohlensäurezusatz in den Schlund, worauf dieses in nur wenigen Sekunden auf Stirn, Schultern und Bauchdecke in Form von kleinen Perlen wieder herausquillt, allerdings nun ohne jeglichen Kohlensäurezusatz. Als Stiller Schweiß sozusagen. "Endlich Sommer!" keuchen die Rentner und andere gesundheitlich auf sehr fleischlosen Beinen Stehende und gehen ihre Lebensmittelvorräte nur in den frühen Morgenstunden aufstocken, denn in der Sonnenglut des lichten Tages lauert ihnen der Herzkasper auf. Den Rest des Tages verbringen sie in den abgedunkelten Zimmern ihrer Mietwohnungen und schauen sich den Sommer in den Tagesthemen an. Denn Sommer im TV, dass ist wie der Hunger in Afrika: man weiß zwar, er ist da, doch er schadet einem nicht. 

 "Endlich Sommer" rufe auch ich, denn der Apfel fällt nicht weit vom Stamm und wer nicht mit der Strömung schwimmt, der kommt ja heut nicht weit. Man weiß ja schließlich, die, die gegen die Strömung schwammen, die liegen dürr und tot und säumen die Ufer und geben den Weiden und Ulmen den Dünger. Doch insgeheim, so heute und hier allein im Vertrauen und unter maximal Vier Augen, halte ich den Sommer für einen klimatischen Tunichtgut, einen um den Erdball ziehenden Vagabunden, einen, der allein mit den schmierigen italienischen Eisverkäufern im Bunde steht, die mich samt Gattin und Kind in jeder zweiten Straße mit gefühlten Tausend Sorten Speiseeis in einen zuckerhaltigen Hinterhalt locken und - hier stehen circa zwanzig meiner Shirts als Zeugen bereit - sich beinhart weigern gratis Fleckensalz mit auszugeben, worauf fast alle meine Shirts im Herbst wie Landkarten aussehen. Ein Klecks grünes Kiwi-Eis gleich Neuseeland. Erdbeere gleich China. Und Schoko gleich Afrika. Nur Deutschland ein Mix aus vielerlei Sorten. Multikulti eben.

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Doch wie kann man denn auch den Sommer loben, wo er doch Boden und Mensch austrocknen lässt und nur Zweitbenannter die Möglichkeit hat, seine körpereigenen Flüssigkeitstanks im Getränkecenter oder am hauseigenen Zapfhahn wieder aufzufüllen. Mein Garten jedenfalls, der sah seit Wochen keinen Tropfen Wasser, liegt staubig und klapperdürr vor den Füßen der Stadt und das Einzige, was er in letzter Zeit zu trinken bekam, war mein magerer Blaseninhalt. Doch Bohnen und Radieschen, Möhren und Kartoffeln, alles Kraut und im Erdboden der Ernte entgegensehende giert nach solider Feuchte, mehr als ein Kleingärtner allein mittels Biertrinken produzieren kann. Auch das Gras, welches einst unter optimalen Bedingungen so saftig grün ins Auge stach, dass man sich wünschte Schaf zu sein, gleicht nun der Kokosmatte, welche hart und borstig an der Hintertüre meiner Wohnstatt untertänig Schuhsohlen kratzt. Ein Zustand, der mich gewiss auf der nächsten Vereinsversammlung den Antrag stellen lässt, die Gartenanlage gemäss Kleingartenstatut und bei garantierter Unterstützung aller Mitglieder in Wüste Gobi umzubenennen.

Und dann züchte ich in meinem Garten jene Art Kakteen, aus denen man Tequila braut und brenne einen so guten Schnaps, der die Rentner selbst mitten im August und um die heißeste Mittagszeit, wenn die Sonne doch am unbarmherzigsten und beständigsten hernieder prasselt, aus ihren mit Jalousien versiegelten Quartieren lockt. Ab diesem Zeitpunkt werde ich wie Gott in Frankreich von den Prämien leben, die mir die Samariter zustecken, wenn sie die vor meiner Destille vom Hitzschlag hernieder gestreckten Senioren aufsammeln und an die nach Kunden bettelnden Krankenhäuser des näheren und weiteren Landkreises weiterverkaufen.

Und für den Fall, dass unser Bademeister mitliest, so möchte ich diesen mit folgendem Vierzeiler ehren, in vorauseilendem Dank für ein Dienstjubiläum, welches heute noch in einer fernen Zukunft liegt.

Oh' Chlorreicher! Du Baywatch-Verschnitt!
Es schulden Dir noch tausend Dank:
Der Müller. Der Schulze. Und der Schmidt.
Weil deren Frau bei Dir ertrank!

Ich habe es mir quasi aus den Rippen geschwitzt.


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  03.09.2010 The Intelligence
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