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Dittsche würde sagen: "Heino Jaeger ist das Stichwort"

heino jaeger„Heute möchte ich mit Ihnen über Föhnluft plaudern.“ – Meine Damen und Herren: Heino Jaeger! Sie wissen schon, der Heino Jaeger! Nicht? – Heino ja, aber Jaeger... Nein, es soll hier nicht die Rede sein von einem populären Volksmusikanten, den einer Umfrage zufolge 99% der Bevölkerung kennen, sondern von einem norddeutschen Satiriker, Menschenimitator, Sprachakrobaten, studiertem Graphiker und Maler, der die deutsche Humorlandschaft zwar entscheidend geprägt hat, dessen Bekanntheitsgrad jedoch eher im einstelligen Prozentbereich anzusiedeln ist. Dass sein Name nur den wenigsten etwas sagt, gehört wohl zu den modernen Rätseln unserer Kulturgeschichte.

Auch wenn es eigentlich nie wirklich „laut“ um ihn war, ist es so still um Heino Jaeger geworden, dass es, nach fast völliger Vergessenheit, über 25 Jahre gebraucht hat, bis Teile seines wahnwitzigen Schaffens von beherzten Kollegen und Bewunderern wiederentdeckt und -veröffentlicht wurden. Seitdem tauchen hier und da in unregelmäßigen Abständen Erwähnungen oder Artikel über ihn und eben diese Veröffentlichungen auf, doch egal ob es Berichte in großen Magazinen, Radiofeatures oder performative Lesungen sind, Heino Jaeger scheint „der ewige Geheimtipp“ zu bleiben.

Man muss allerdings auch eingestehen, dass dieser status quo nicht nur an einer allgemeinen Ignoranz ihm gegenüber liegt, sondern auch an Jaegers unzugänglicher, nicht für jedermann als solche sofort ersichtliche Art der Komik. Sie war nie massenkompatibel und wird es wohl auch nie sein.

In seinen auf der Bühne erzählten oder für das Radio produzierten Stücken aus den Siebziger Jahren, teilweise nicht enden wollend und aus dem Stegreif vorgetragen, schildert Heino Jaeger meist Alltagsszenen einer kleinbürgerlichen Klientel in vordergründig wenig spektakulären Umständen. Doch der Schein trügt, was harmlos und unartifiziell beginnt, entwickelt sich oft zu bizarren Verstrickungen, in denen sich die Figuren hoffnungslos verrennen und verhaspeln, dabei aber nie wirklich aus dem Rahmen fallen, sondern stumm in ihrer Verwirrung – oder Überzeugung – untergehen. Pointen sucht man vergebens in der „Lebensberatungspraxis Dr. Jaeger“, verstörende Wahrheiten finden sich schon eher, hört man genauer hin.

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Ein besonderer, surrealer, anarchischer Humor, dem nicht jeder gewachsen ist, der aber grundlegend für viele Figuren und Sketche humoristischer Kollegen wurde. Einige bekennen sich als glühende Jaeger-Verehrer wie zuletzt Olli Dittrich, sein Entdecker Hanns-Dieter Hüsch, Harry Rowohlt oder auch Loriot. Andere hingegen kopieren ihn dreist ohne mit der Wimper zu zucken oder ihrem Vorbild den gebührenden Respekt zu zollen.

Heino Jaeger war ein Sprachakrobat und Imitator, dem es gelang, selbst ihm unbekannte Personen nach nur wenigen Minuten mit einer erschreckenden Exaktheit in Sprachduktus und Dialekt nachzuahmen – um daraufhin mit verstellter Stimme in Dialoge mit sich selbst zu verfallen. Herausgeber Eckhard Henscheid will „ca. genau 87 unterschiedliche Männer- und Frauentypen“ in Jaegers Repertoire gezählt haben.

Und genau wie einst Karl Valentin war auch Heino Jaeger sowohl ein genauer Menschenbeobachter, als auch jemand, der mit dem Leben nicht zurecht kam.

Neben seinem, auf wenig Anklang stoßenden, Humor verstörte er sein Umfeld mit sonderlichem, teils provokantem Verhalten, litt unter Depressionen und zunehmenden Wahnvorstellungen. Diesem Umstand, als auch einer Alkoholsucht, ist es geschuldet, dass er Anfang der Achtziger Jahre seine Wohnung und sein Atelier in Brand setzte und damit auch viele seiner Bilder und Zeichnungen zerstörte.

Nach diesem Vorfall erholt er sich nicht mehr, ist künstlerisch nicht weiter aktiv und wird später in ein psychiatrisches Pflegeheim eingewiesen, wo er 1997, nach langem Dahinvegetieren, 59jährig verstirbt.

Sein Leben war wild und hoch interessant, seine Auftritte und Radiosendungen legendär, er selber als Person skurril, unangepasst und extrem – zwischen Genie und Wahnsinn; sein Werk visionär und seiner Zeit weit voraus.

Man kann nur immer wieder beharrlich versuchen, Heino Jaeger in Erinnerung zu rufen, als einen Künstler, ohne dessen wegweisendes Werk auch die heutige deutsche Comedy- und Satireszene um einiges ärmer wäre.

Und hier eines der wenigen bei YouTube zu findenden Beweisstücke:

 

Weitere Informationen zu Heino Jaeger:

http://www.keinundaber.ch/autoren/jaeger_heino/index.html

http://www.netsamurai.de/netplanet-harburg/jaeger-info.htm


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