Frauenwahlrecht praktisch nicht umsetzbar
Seit dem 12. November 1918 ist das Frauenwahlrecht gesetzlich verankert. Gebracht hat es nicht viel, denn es war nur ein sehr halbherziger Versuch. Viele ältere Gesetze, sowie auch Sitten und Gepflogenheiten, machen die praktische Umsetzung des Frauenwahlrechts faktisch unmöglich. Die allgemeine Formulierung dieses lange umkämpften Rechts hätte konsequente Änderungen quer durch die ganze Gesellschaft, sowie alle Gesetze und Verordnungen nach sich ziehen müssen. Das wurde aber bis heute versäumt. So sind folgende Schwachpunkte nicht ausgeräumt:
1. Das absolut formulierte Frauenwahlrecht scheitert für bereits verheiratete Männer am Bürgerlichen Gesetzbuch. Hohe Anwalts- und Gerichtskosten erlauben nur die einfache Wahl einer Frau. Bei der Zweit- oder Drittwahl können aufgrund völlig veralteter Regelungen des Familienrechts hohe Regressforderungen auf den Wählenden zukommen.
2. Trotz der nüchternen Formulierung des Frauenwahlrechts machen die Betroffenen immer wieder völlig irrationale Einwände geltend. Beginnend mit rechtlich kaum fassbaren Erläuterungen über Zuneigung, Liebe und "dem richtigen Typ" werden die Wählenden, sofern sie auf ihr Recht beharren, gerne mit dem Grundgesetz, sowie dem Strafgesetzbuch bedroht. Die darin enthaltenen Paragraphen sanktionieren das privat durchgesetzte Frauenwahlrecht mit Freiheitsentzug bis zu 15 Jahren sowie langwierigen Verhandlungen vor dem Bundesverfassungsgesetz.
Nur über einen Volksentscheid können diese Ungerechtigkeiten aus der Welt geschaffen werden. Ein Recht das seit über 90 Jahren schriftlich verankert und zugesichert ist, muss sich auch umsetzen lassen. Und zwar ohne Konflikte mit anderen Gesetzgebungen oder der sozialen Ausgrenzung desjenigen, der sein Recht einklagt. Der Europäische Gerichtshof wird anzurufen sein, wenn die Deutsche Exekutive weiterhin versucht das Problem durch Aussitzen und Ignorieren in den Griff zu bekommen.
Aber wir von der Liga zu Umsetzung des Frauenwahlrechts werden nicht aufhören ein Stachel im Fleisch der ewig gestrigen zu sein. Und wenn wir hier einen Erfolg erreicht haben, werden wir uns darum kümmern, dass auf Frauenparkplätzen nicht immer Autos abgestellt werden.



