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Starke Freunde braucht jedes Kind

starke_freunde_kleinKinder werden von den Erwachsenen zumeist gänzlich falsch oder auch gar nicht verstanden. Was wissen Eltern schon davon, wenn sich ein Monster in die Träume schleicht, die Spielstraße sich mit einem unüberwindbaren Riss und Schauergestalten aufzeigt oder warum ausgerechnet der Opa das größte Vorbild sein kann. In dem Vorlesebuch „Starke Freunde“, finden sich 36 bezaubernde Geschichten, unterschiedlicher Autoren, die mit Bildern von Philip Waechter, eine ganz besondere Lektüre ergeben, welche weitaus mehr ist als „nur“ ein Geschichtenbuch. 

Freundschaft, Ängste, Abenteuerlust, Kummer, Lachen. „Starke Freunde“ ist ein Vorlesebuch, das lediglich im ersten Moment als ein weiteres Exemplar erscheint, wie es bereits so viele im Handel gibt. Allerdings trügt der Schein, denn in dem äußerst liebevoll gestalteten Buch, verbirgt sich ein Potenzial, das nicht nur Kindern sehr viel aus dem Leben vermitteln kann, sondern auch Mama, Papa, Oma, Opa, Erzieher oder eine ganz andere Person, die mit dem Kind liest. Was genau verbirgt sich nun hinter diesem Vorlesebuch, das für Kinder ab 6 Jahre empfohlen wird, meines Erachtens jedoch schon hervorragend mit 3- oder 4-jährigen Kindern gelesen werden kann?

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Zunächst bietet es vordergründig gemeinsam verbrachte Zeit zwischen Kind und demjenigen der vorliest. Im besten Falle ist der Vorleser ein Elternteil, denn bekanntlich ist das gemeinsame Lesen und Kuscheln nicht nur für die kleine Seele eine Streicheleinheit, sondern gibt zudem die Möglichkeit mehr über das Kind und seine Gedanken zu erfahren. Ich selbst habe „Starke Freunde“ mit meinem fast 8-jährigen Sohn gelesen und selbst er ist von diesem Buch richtig begeistert. Spannend, beruhigend, witzig oder voller Zuversicht, so präsentieren sich die einzelnen Geschichte, die von unterschiedlicher Länge, jedoch nie ohne begleitende Zeichnungen sind. Diese regen Kinder geradezu an, Fragen zu stellen oder den visuellen Sinn zu stärken, indem verschiedene Details wie in einer Art Suchspiel gefunden werden können. Wenn Vorleser und kleine Zuhörer das möchten, denn allein schon das Hören der Geschichten bietet viel Platz für die kindliche Fantasie und dem Verarbeiten der oftmals kindlichen Ängste oder Gedankengänge.

starke_freunde_coverDa gibt es zum Beispiel die kleine Häsin Rosi, die jede Nacht von Alpträumen geplagt wird, in denen Monster ihr nachstellen. Angst treibt Rosi um, aber eines Tages stellt sie sich dieser Angst und sucht sich Hilfe bei einem Therapeuten. Der jedoch gibt ihr nur den Rat sich ein Monsterbekämpfungsbuch zu besorgen und fleißig zu üben. Was sie üben soll, verrate ich an dieser Stelle nicht, denn genau das macht diese Geschichte zu dem was sie ist. Nur soviel: Rosi überwindet ihre Angst.

Oder ein weiteres sehr emotionsgeladenes Beispiel ist die Geschichte „Ida auf der anderen Seite“, die eigentlich von Leo erzählt, der so gerne zu Ida möchte, die auf der anderen Straßenseite wohnt. Er kann genau von seinem Haus zu ihrem sehen, aber die Straße erscheint ihm unüberwindbar und furchterregend. Leo kann diese nie überqueren, weil sich Krater auftun oder schaurige Monster und Geister dort ihr Unwesen treiben. Am helllichten Tag. Seiner Mutter kann er das nicht sagen, aber Ida ist eine wahrlich starke Freundin, die sogar diese Monster und die gefährlichen Zustände in ihrer Straße sehen kann. Doch Ida zeigt Leo, wie er über diese „riskante“ Straße kommt und nimmt ihn bei der Hand.

Wie man feststellen kann, sagen diese Geschichten sehr viel darüber aus, mit welchen Ängsten sich Kinder herumplagen müssen, die wir als Erwachsene schon lange vergessen haben. Doch auch wir hatten ähnliche Gedanken und Kummer, wobei der eine oder andere Freund sicherlich der Retter und Mutmacher in der einstigen Not war. „Starke Freunde“ zeigt auf eine sehr schöne Art und Weise, was es bedeutet Freunde zu haben oder auch selbst ein Freund zu sein. Keine der Geschichten, die mal von Menschen, mal von Tieren erzählen, ist langweilig oder nichtssagend. Im Gegenteil, sie sind allesamt kurzweilig, von Grundschülern auch leicht selbst zu lesen und bieten immer wieder reichlich Gesprächsstoff zwischen Kind und Vorleser. Übrigens findet sich in unregelmäßigen Abständen in dem Buch eine Art Comic von Philip Waechter, der von Opa dem Helden und Supermann erzählt und dabei sowohl all die kindlichen Projektionen in einen Großvater verinnerlicht, als auch herzhaft zum gemeinsamen Lachen anregt, denn nicht immer geht alles so glatt, wenn Opa eine Idee hat oder gar zum Ausflug animiert.

Fazit: „Starke Freunde“ ist wirklich ein starkes Buch, das ich bestens empfehlen kann. Und das ohne negative Kritik, denn diese ist aus meiner Sicht an keiner Stelle des Vorlesebuches zu entdecken. Wer nicht nur mit seinem Kind, und sei es als außenstehende Bezugsperson, schöne Lesestunden verbringen, sondern ihm auch dabei helfen möchte über den wichtigen Sinn von Freundschaft und über Ängste, Sorgen und Freude zu reden, diese zu verstehen, dem sei dieses Vorlesebuch zum Kaufen nahe gelegt. Alternativ gibt es von diesem Buch auch eine Audio-CD, der jedoch naturgemäß die zusätzlichen schönen und anregenden Zeichnungen fehlen.

Das 236 Seiten umfassende Buch ist im Verlag Beltz & Gelberg erschienen und zu einem Preis von 14,95€ im Buchhandel oder direkt hier erhältlich.

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