Die Einflüsterer - oder man gewöhnt sich an alles
Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Wie sonst könnte jemand, der über ein gesundes Riechorgan verfügt, in einer Gerberei oder, noch schlimmer, in einem Klärwerk arbeiten. Der erste Tag ist sicherlich schlimm, der zweite wohl auch noch, aber nach kurzer Zeit hat man sich an den üblen Geruch gewöhnt und denkt gar nicht mehr daran. Und nach genau diesem Prinzip funktioniert auch das „einflüstern“. Wie das geht? Nun, ganz einfach: Bereits seit längerer Zeit wird uns Bürgern, über alle Kanäle, ein zumindest leicht „riechendes“ Geflüster vermittelt, an das wir uns gewöhnen dürfen, um beim nächsten Mal nicht den vollen Gestank der erhöhten Dosis zu bemerken. Perfekt beschrieben ist das Prozedere im Buch „Die Einflüsterer“ von Klaus Norbert.
Es ist mir eigentlich noch nie passiert, dass ich bereits nach wenigen Seiten Lektüre auf einen Autor neidisch war. In diesem Fall aber schon, denn dieses Buch hätte ich gerne selbst geschrieben. Es deckt sich zu 90% mit meiner Beobachtungsliste, die ich mir für einen großen Rundumschlag zurechtgelegt habe. Schade, er ist mir zuvorgekommen, aber ich kann damit leben. Nicht aber mit den im Buch beschriebenen Strategien und Praktiken, die von Medien, Politik und Wirtschaft verwendet werden, um uns Stück für Stück der Freiheit und der eigenen Meinung zu berauben. Wobei das mit der eigenen Meinung nur bedingt richtig ist. Haben darf man sie schon (noch), nur sollte man sie bevorzugt für sich behalten. Klaus Norbert nennt das den „Maulkorb-Staat“. Und wenn man genauer darüber nachdenkt, muss man ihm unumwunden zustimmen.
Um die bürgerliche Meinungsbildung aber von vorne herein so gering wie möglich zu halten, werden uns die unwichtigsten Sachen als unfassbare Sensation verkauft, um von den wirklich wichtigen Punkten anzulenken. Und wenn es doch einmal ans Eingemachte geht, dann tauchen im Umfeld eben Begriffe wie „Sicherheit“ oder „Gesundheit“ auf, gegen die „man“ ja nicht argumentieren kann. Ein bisschen unterschwellig eingeflößte Angst und Sorge zeigen hier deutliche Wirkung. Schließlich will niemand schuld sein, wenn irgendetwas schlimmes passiert, nur weil er gegen Nacktscanner moniert hat. Eines von sehr vielen Beispielen.
Im Grunde ist das Buch die perfekte Ergänzung zu Marco Bülows Werk „Wir Abnicker“ (hier unsere Rezension), denn es beschreibt alle derzeit üblichen Manipulationen die nicht direkt mit der Bundespolitik in Berlin zu tun haben. Und das ist ein wahrlich großes Spektrum, um nicht zu sagen ein gigantisches.
Klaus Norbert’s Werk „Die Einflüsterer“ bekommt daher eine 100%ige Empfehlung, ohne Wenn und Aber. Auch bei diesem Werk wäre es zu wünschen, dass es Pflichtlektüre wird und eine breite Öffentlichkeit findet. Es ist an der Zeit, dass wir Bürger begreifen, was gerade vor sich geht und wir nach allen Regeln der Kunst zum Stimmvieh mutieren. Gut genug um die Demokratie zumindest umgangssprachlich am Leben zu erhalten, in dem wir bei Wahlen unser Kreuzchen machen. Danach aber schön brav zurück in den Stall gehen, selbstständig den Maulkorb anlegen und fortan nicht aufmucken. Und wenn Sie jetzt glauben, dass Sie diese Strategie ohnehin schon lange verstanden haben, rate ich Ihnen trotzdem zur Lektüre des Buches. So werden nicht glauben, wie sich auch Ihre Augen noch öffnen können.
Erschienen ist das Buch im Heyne Verlag und zum Preis von 9,95 € im Buchhandel oder direkt hier erhältlich.









