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Es kann jeden treffen: Arm durch Arbeit

arm durch arbeit coverKlischees besagen, dass es Hartz IV Beziehern doch gar nicht so schlecht geht. Sie führen ein bequemes Leben auf Kosten des Staates und somit des arbeitenden Steuerzahlers. Ohne schlechtes Gewissen natürlich. Fast auf der gleichen sozialen Ebene, jedoch als arbeitende Bevölkerung, finden sich all diejenigen, die als Leiharbeiter ausgenutzt werden und trotz Vollzeitbeschäftigung am Hungertuch nagen. „Arm durch Arbeit - Ein Undercover-Bericht" von Markus Breitscheidel, zeigt, wie erschreckend die Zustände in Deutschland tatsächlich sind. Schonungslos.

Berichtend aus dem wahren Alltag von Millionen Betroffener im Land, die nicht nur durch staatlich subventionierte Billiglohnpolitik am Rande des Existenzminimums ihr trost- und hoffnungsloses Dasein fristen müssen.

Wohl dem der Arbeit hat. So könnte man zumindest meinen, wenn man sich innerhalb Deutschlands Oberflächlichkeit bewegt. Noch sind von den rund 43 Millionen erwerbsfähigen Männern und Frauen nicht genug von dem Umstand betroffen, die Almosen des Staates unter ständiger Sorge von Sanktionen, in Anspruch nehmen zu müssen. Oder täglich den Kampf ums Überleben auszufechten, obwohl eine Vollzeittätigkeit samt Überstunden vorhanden ist. „Arm durch Arbeit“ - Ein Undercover-Bericht von Markus Breitscheidel öffnet für all diejenigen die Augen, welche sich noch auf der sicheren Seite des Mittelstandes wähnen.

Bereits während dem Vorwort des Buches, geschrieben von Günter Wallraff, werden scharfe Worte laut, die sich mit einer Politik im Lande beschäftigen, die nur den Reichen einen Nährboden für ein bequemes Leben schafft. Eine gezielte staatlich subventionierte Billiglohnpolitik, vorangetrieben durch den gelernten Sozialdemokraten Wolfgang Clement, erinnert hierbei an den frühzeitlichen Kapitalismus, der sich heute mehr denn je weit über das Land hin ausbreitet. Markus Breitscheidel ging für diesen Undercover-Bericht freiwillig eineinhalb Jahre auf die Ebene derer, die, unabhängig des Alters oder des Familienstandes, Hartz IV beziehen müssen oder mehr schlecht als recht mit einem Lohn auskommen müssen, der in den meisten Fällen Beihilfen des Staates bedingt.

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Obwohl ich selbst sehr häufig mit diesen Themen in Berührung komme, bestürzte mich das Buch „Arm durch Arbeit“ aufgrund der schonungslosen Berichterstattung. Breitscheidel berichtet nicht nur von seinen eigenen Erfahrungen, beginnend mit einem Hartz IV- Antrag, sondern zugleich von dem Überlebenskampf in einem Land, das immer noch zu den reichsten Ländern der Erde gehört. Pfandflaschensammeln, an Türsteher erinnernde Wachleute vor der ARGE, Erzählungen von Betroffenen, sowie „Stimmen“ der durch die Armut betroffenen Kinder und Jugendliche, fehlen ebenso wenig in „Arm durch Arbeit“ als auch die einzelnen Stationen verschiedener Leiharbeitertätigkeiten. Ruinöse Löhne, menschenverachtende Arbeitsbedingungen oder die Tatsache, dass Menschen als Humankapital regelrecht bis zur Schmerzgrenze ausgesaugt werden, finden sich ebenso in diesem Undercover-Bericht als auch durch den Autor aufgezeichnete Gespräche mit „Fallmanager“ der ARGE oder Recrutern von Leiharbeiterfirmen bzw. den fordernden Firmeninhabern. Letztere bedienen sich in zahlreichen Fällen, dank der deutschen Billiglohnpolitik, der finanziell abhängigen Frauen und Männern im Land, wie Tiere innerhalb eines Viehhandels.

Der Autor Markus Breitscheidel hat in seinem Undercover-Bericht „Arm durch Arbeit“, in klaren und nicht aufbauschenden Worten, die alltägliche Realität in Deutschland aufgezeichnet, die man gelesen haben muss, um grundlegende Vorgänge im Land verstehen und nachvollziehen zu können. Ein Buch, das, könnte jeder Mensch ein solches schreiben, dieses von dem nächsten Nachbarn ebenso stammen könnte, als auch von einem Verwandten oder Bekannten. Ob man die Billiglohnpolitik verstehen oder sich in die Situation Millionen Betroffener hineinversetzen will - „Arm durch Arbeit“ macht sehr deutlich, dass keiner hier im Land von dem Abrutschen aus der scheinbaren „Normalität“ hinab ins soziale Aus gefeit ist. Wer das Buch gelesen hat, weiß allerdings beim Eintreten dieser Situation zumindest, was dann auf ihn zukommen kann, folglich kann ich es jedem nur wärmstens empfehlen.

Das 218 Seiten umfassende Taschenbuch aus dem ullstein Verlag ist für 8,95€ im Buchhandel oder direkt hier erhältlich.

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  17.05.2012 The Intelligence

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