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Benutzen wir Google, oder benutzt Google uns?

google falle coverGibt es ein Leben ohne Google? Und wenn ja, wie sieht dieses Leben aus? In einer Umfrage, haben nicht weniger als 4,3% der Befragten angegeben, sie würden bei einem Google Ausfall eben solange mit ihren Suchanfragen warten, bis Google wieder funktioniert. Oder anders formuliert, sie kannten keine Alternativen. Und das war im Jahr 2008, als Gerald Reischl, Autor des Buches „Die Google Falle“, die Umfrage in Auftrag gegeben hat. In diesem Jahr ist das Buch auch erscheinen, was diese Rezension zum heutigen Tag aber keineswegs überflüssig macht.

„Brandneu“ ist der Inhalt zwar nicht mehr, aber er ist nach wie vor aktuell. Die beschriebenen Praktiken und Vorgehensweisen der „unkontrollierten Weltmacht im Internet“ sind mittlerweile nur noch um ein paar weitere Features angewachsen. Und deswegen möchten wir dieses Werk unseren Lesern auch nahe legen.

Um es vorweg zu nehmen, Reischl schreibt nicht mit erhobenem Zeigefinger und versucht auch nicht, dem Leser die Benutzung von Google und seinen mannigfaltigen Angeboten madig zu machen. Er weißt lediglich darauf hin, dass man die kostenlosen Dienste des Riesen aus Mountain View (Kalifornien) trotzdem bezahlt. Wenn auch nicht mit Geld, sondern mit einer Unmenge an Daten – persönlichen Daten wohlbemerkt. Genau die Daten, die man eigentlich ungern herausgibt und damit sind nicht (nur) Name und Adresse gemeint.

Das Buch beginnt mit einer ausführlichen Beschreibung des Unternehmens Google, dessen Chefetage, der Unternehmensphilosophie, den Mitarbeitern und den vielen Annehmlichkeiten die man als solcher geniest. „Don´t be evil“ heißt das interne Motto von Google - „mach nichts böses”. Und auf den ersten Blick hält man sich offenbar an diese Aussage, denn wirklich alles, was Google anbietet – und das ist mittlerweile eine lange Liste – ist sinnvoll, nützlich und für den Benutzer vor allem gratis. Angefangen von der Suchmaschine, über Googlemail, Google Earth, Google News bis zu YouTube und Google Maps, um nur einige der bekanntesten Dienste zu nennen. In Deutschland sind es aktuell ca. 30 Stück (Stand März 2010; red). Sicherlich alles gut gemeint, wenn da nicht die Datensammelwut wäre, die Google an den Tag legt.

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Dieses Data-Mining ist gewaltig. Aktuell werden die Daten hauptsächlich für Werbezwecke verwendet und hier hat Google die Weltherrschaft bereits übernommen. Öffnet man eine Seite, auf der Google-Adsense Werbung zu sehen ist, kann man getrost davon ausgehen, dass die dort anzuklickenden Links auf den jeweiligen Surfer abgestimmt sind. Herr Müller wird etwas anderes vorfinden als Frau Meier.

Man könnte es durchaus so formulieren: Google weiß mehr über uns, als wir selbst, denn Google vergisst nichts. Dank gigantischer Server- und Speicher-Farmen, rund um den Planeten, sind die von uns gelieferten Suchanfragen, Kalendereinträge, Videovorlieben und alles was man Google sonst noch – freiwillig - mitteilen kann, auf deren Festplatten gesichert.

Ob diese Daten dort auch sicher sind, oder in naher oder ferner Zukunft gegen uns verwendet werden, und von wem, sei einmal dahingestellt. Fakt ist allerdings, das ein privates Unternehmen in den USA unvorstellbare Mengen an Informationen besitzt und niemand Einfluss darauf hat, was damit passiert. Außer den amerikanischen Behörden natürlich, die von Fall zu Fall auch schon einmal mit einem richterlichen Beschluss an die Google-Pforte klopfen und sich am Datenvorrat bedienen.

Kurz zusammengefasst, dieses Buch liefert hochinteressantes Basiswissen rund um Google und kann den Otto-Normal-Google-User durchaus sensibilisieren, wie er zukünftig mit dem Unternehmen umgeht. Google komplett auszusperren ist nur mit Aufwand möglich und da wir alle sowieso schon mehr oder weniger in die „Falle“ getappt ist, liegt die Überlegung nahe zu sagen: „was solls, ich kanns eh nicht mehr ändern“. Doch das muss jeder für sich selbst entscheiden. Gedankenanstösse über die sich das nachdenken lohnt liefert das Buch jedenfalls in Hülle und Fülle.

Erschienen ist „Die Google Falle“ im Carl Ueberreuter Verlag. Die 208 gut recherchierten Seiten gibt es im Buchhandel oder gleich hier.

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