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Zerschlagt die Banken

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zerschlagt die banken Schon mit dem Titel trägt Rudolf Hickel schön dick auf: Entmachtet die Finanzmärkte ruft er vom Titelbild seiner Streitschrift, die in bester BILD-Manier in rot-schwarzen Lettern gehalten ist. Markttechnisch hätte sich Hickel keinen besseren Zeitpunkt für die Publikation seiner neuen Streitschrift wählen können: Europas Währungs- und Schuldenkrise ist letztlich eine Bankenkrise. Die Skandale in der Finanzwelt, von manipulierten Referenzzinssätzen, wie im Falle des LIBOR, bis hin zum aufgeblähten IPO der spanischen BANKIA, bei dem vor allem die Kleinanleger schwer abgezockt wurden, reißen nicht ab. Von daher ist es nicht verwunderlich, dass der aus Talkshows bekannte emeritierte Wirtschaftsprofessor Hickel mit seinem Buch einen großartigen Erfolg gelandet hat. In der amazon-Verkaufsliste rangiert er beispielsweise in der Rubrik „Bankwesen“ an dritter Stelle, gleich hinter zwei US-Titeln über die FED. Seine provokanten These, die er in über 220 Seiten detailliert ausführt, ist in allen größeren deutschen Tageszeitungen besprochen worden. Die populistische, klar gegen den Mainstream der neoliberalen Ökonomie gerichtete Sprache hat zu den gewünschten Kontroversen geführt.

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Seine Diagnose, was an den internationalen Finanzmärkten schief läuft, ist sehr lesenswert. Für einen Branchenkenner mag nach 20 Seiten inhaltlich alles gesagt sein, doch für den Wirtschaftslaien ist die Lektüre unglaublich spannend, lehrreich und unterhaltsam. Hickels Fallbeispiele, mit denen er abstrakte Finanzinstrumente, den Hochfrequenzhandel oder die „Bad Banks“ um HSH Nordbank und Hypo Real Estate kurz und knackig erläutert, sind rhetorisch und didaktisch hervorragend. Wenn er z.B. einen nackten Leerverkauf mit dem Verkauf einer geliehenen DVD vergleicht, von der sich der Verkäufer erhofft, sie bis zum Zeitpunkt der Leihrückgabe billiger einzukaufen, kann das jede und jeder leicht verstehen.

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Hickels Ausführungen sind manchmal redundant, doch dafür bleiben seine Hauptforderungen, getreu dem Motto „steter Tropfen höhlt den Stein“, auch hängen:.Den außerbörslichen Handel, nackte Leerverkäufe, Nahrungsmittel- und Rohstoffspekulation will er verbieten lassen, aus dem Hochfrequenzhandel möchte er aussteigen, die Ratingagenturen bedeutungslos machen, eine kluge Finanztransaktionssteuer einführen und die Spekulationsbanken zerschlagen. Letzteres bedeutet für ihn auch Verbot des Eigenhandels.

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Anders als seine akademischen Kollegen versteckt er sich nicht hinter komplizierten Formeln und makroökonomischen Modellen. Er argumentiert normativ und steht auch dazu. Leider fehlen, das als kleiner Seitenhieb, die Quellen und Belege für seine Ausführungen, was ich sehr vermisse. An mancher Stelle hätten ein paar Zahlen mehr zur Unterfütterung seiner Argumente gut getan (z.B. wie groß ist der Anteil des Eigenhandels an den Gewinnen bei Investmentbanken, wie hat er sich entwickelt, etc.). Immerhin sollte ein Buch, das auch noch in einem Jahr gelesen werden will, etwas anders Rechenschaft über seine Quellenlage abgeben als eine abendliche Talkshow.

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Was ist von seinen Empfehlungen zu halten? Zum einen zeigt Hickel, seinem politischen Credo entsprechend, viel Vertrauen in den Staat als vorausschauendem Gesetzgeber. Oft fordert er strikte Verbote. Es braucht sicherlich klare Regelungen und Vorgaben auf internationaler Ebene, um eine ethisch vertretbare Grundlage für ein gutes Banking zu schaffen. Doch können Staaten oder auch eine Staatengemeinschaft, so wie sie heute bürokratisch agieren, zukünftige Geschäftslücken umfassend vorhersehen und entsprechend regulieren? Ich bin da skeptisch. Wer länger in der Finanzbranche tätig war, weiß, dass jedes neue Verbot unmittelbar neue Schlupflöcher generiert und dafür sorgt, dass ein ganzer Sektor in einem volkswirtschaftlich unproduktiven Sinn innovativ wird. Dieses Verhalten könnte beispielsweise auch die Existenz von Schattenbanken oder neuen exotischen Nebenfinanzplätzen stärken und damit neue systemische Risiken heraufbeschwören. Es braucht mehr als offizielle Verbote. Welche positiv gestaltende Rolle z.B. die Bankkunden selber bei der Ausrichtung der Geschäftspolitik ihrer Banken spielen könnten, hätte Hickel ausführlicher darstellen können. So haben Geschäftsmodelle, die ethisch und ökologisch agieren, bei der Wahl der beliebtesten Hausbank Deutschlands 2012 die Nase vorne gehabt. Das ist ein Trend, der genutzt werden kann, damit die Banken ihr Verhalten auch durch Druck „von unten“ ändern müssen.

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zerschlagt die bankenInsgesamt bleibt Hickel beim Entwurf eines zukünftigen Bankensystem recht traditionell. Er fordert eine Rückbesinnung auf das bewährte deutsche Drei-Säulen-Modell mit Privatbanken, Genossenschaften und Sparkassen, das dezentral und auf demokratischer Basis dem Gemeinwohl verpflichtet ist. Lediglich die Landesbanken, arg gebeutelt durch naives Geschäftsgebaren im Vorfeld der 2008er Krise, erhalten keinen Platz mehr in seinem Zukunftsbild. In Hickels Modell machen Banken zwar weniger, dafür ethisch verantwortungsvollere Geschäfte; aber es sind immer noch Banken, die diese Geschäfte betreiben. An keiner Stelle stellt der Ökonom ihre Existenzberechtigung insgesamt infrage. Da hätte ich mir angesichts zahlreicher technologischer Möglichkeiten mehr Radikalität und Innovationskraft von seiner Seite gewünscht. Wachstumsländer, wie beispielsweise Indien, Pakistan oder Kenia, bauen derzeit eine mobile Zahlungsinfrastruktur ganz ohne Banken auf. Sind das nicht Wege, die auch Deutschland gehen könnte?

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Trotz einzelner Kritikpunkte empfehle ich das Buch allen wirtschaftspolitisch Interessierten, die in äußerst anschaulicher Weise die aktuelle Bankkrise und ihre Lösungsansätze verstehen möchten.

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Das Buch ist im ECON Verlag erschienen und kostet 14,99 €. Erhältlich ist es in jeder Buchhandlung oder direkt hier.

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