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Der große Verbrauch - Wie China die Menschheit rettet … oder zerstört

der_grosse_verbrauch_minicoverDie meisten sozialen Maßnahmen der Unternehmen sind rein kosmetischer Natur. Argwohn ist angebracht, wenn die westliche kapitalistische Welt von Nachhaltigkeit, Umweltschutz und ökosozialer Verantwortung spricht. Vielmehr wird man neue Gesellschafts- und Wirtschaftsmodelle entwickeln müssen, will man mit den vorhandenen Ressourcen dieses Planeten alle Menschen versorgen. Der Autor, der diese Meinung vertritt, ist Chandran Nair, studierter Biochemiker und berät asiatische Regierungen und unter anderem auch deutsche Wirtschaftskonzerne bei deren sozial-ökonomischem Engagement.

Nair spricht in „Der große Verbrauch“ ein Grunddilemma westlicher Wachstumsphilosophie an. Denn 2050 werden neun Milliarden Menschen nach dem Wohlstand der westlich-amerikanischen Gesellschaft streben. Der Autor spricht von „Marktfundamentalismus“, der seine Wurzeln in der englischsprachigen Welt hat und sich als Globalisierung getarnt einer ideologischen Lehre von Wachstumswohlstand gleich über den gesamten Planeten verbreitet hat. Der Verbrauch zulasten der Ärmsten dieser Welt wird den Kapitalismus zum Stillstand bringen. So könnte man Nairs Botschaft verstehen. Dabei stellt Wasser die kritischste Ressource dar. Beispielsweise gehen heute schon Pakistans Wasserressourcen zu Ende. In den Städten wächst nicht nur die Bevölkerung, auch die Armut und an den Börsen dieser Welt die Gier.

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Was dieses Buch interessant erscheinen lässt, der Autor skizziert die asiatische Welt unter dem Szenario des westlichen Kapitalismus. Das Fazit daraus: Es ist schier unmöglich, dass die asiatische Welt demselben Lebensstil wie die westlich-amerikanische huldigt. Vielmehr appelliert Nair für ein neues Wirtschaften, für ein kritisches Hinterfragen der asiatischen Länder, den westlich geprägten Kapitalismus eins zu eins zu übernehmen. Denn das System ist krank, verursacht Megastädte, wild wuchernde Finanzindustrie, Umweltschäden, einen entfesselten Ressourcenverbrauch und soziale und monetäre Armut. Der Autor betont mehrmals, dass die Vorstellung, je mehr Menschen reich sind, dieser Wohlstand auch hinunter zu den Armen einer Gesellschaft sickern würde (=trickle down Effekt) eine reine Lüge darstellt.

Aber auch die Rückkehr zu Mutter Natur und einem natürlichen Leben, wie es Vandana Shiva darstellt, ist für Chandran Nair keine Lösung. Er sieht mögliche Ansätze zu einer gerechteren Wohlstandsverteilung bei gleichzeitigem Schutz der Umwelt im Schaffen unterschiedlichster Anreize durch die Politik. Und genau diese Argumente stören ein wenig bei der Lektüre dieses durchaus engagierten Buches. Der Autor spricht zu viel in Konjunktiven, vieles hätte, sollte, müsste man tun. Dazwischen immer wieder der Ruf nach einer starken Politik, nach einem mächtigen, Einfluss nehmenden Staat, nach Beschränkung der Finanzmärkte. Man fühlt sich als Leser in ein eigenartiges Konvolut aus Sozialismus und Kapitalismus verstrickt. Denn einerseits möchte Nair sparenden und effektiven Ressourcenverbrauch sehen, andererseits will er wirtschaftliche Anreize in jenen Produktionszweigen, die viele Arbeitsplätze schaffen. Um dann eben wieder wachsen zu können. Der Leser ist gefordert, sich durch die Thesen des Autors zu kämpfen.

Vielleicht ist das Resümee am Ende der Lektüre einfach die Tatsache, dass Wachstumskapitalismus nicht auf diese Art funktioniert, und man auch nicht über Marktmechanismen ökologischer, gerechter, sozialer werden kann. Schließlich lässt sich ein Problem nicht mit jenen Mitteln lösen, die es verursacht hat. Und genau darin liegt die Schwachstelle von „Der große Verbrauch“, weil der Autor mit Mechanismen des freien Marktes versucht, Lösungen für den sich gerade am Ende befindenden Kapitalismus herbeizuschreiben.

der_grosse_verbrauch_coverAlles in allem, ein Denkanstoß, eine Anleitung den sprichwörtlichen Tellerrand des Denkens zu überschreiten. Sprachlich teilweise mühsam, weil von Konjunktiven völlig überlastet. Aber vielleicht liegt es an der Übersetzung aus dem Englischen, oder es liegt am Autor selbst, der sagt, es sei sein erstes Buch. Fazit: „Der große Verbrauch“ ist ein Schrei nach Regulierung, eine Forderung wild wuchernden Kapitalismus zu stoppen. Es liegt an Asien, ob es westlichen Lebensstil unreflektiert übernimmt und damit den Planeten wirtschaftlich, sozial und ökologisch in den Abgrund manövriert.

Das Buch hat 255 Seiten und ist im Riemann Verlag erschienen. Für 17,95 € ist es im Buchhandel oder direkt hier erhältlich.


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