Silberlöffel putzen war einmal - Frauen in Männerdomänen
Solange man Bücher über Frauen schreiben muss, die es in der Männergesellschaft beruflich geschafft haben, solange kann von Gleichstellung wohl nicht die Rede sein. Ein weiteres Buch, das Frauenkarrieren präsentiert, wurde von der österreichischen Journalistin und Publizistin Elisabeth Welzig veröffentlicht. Der Titel ist selbstredend: „Durch die gläserne Decke“. Es beschreibt drei Generationen von Frauen, die sich in Männerdomänen einen Namen machen konnten. Über 30 Kurzbiografien geben Einblick in persönliche Schicksale, die wohl zu einem ganz besonderen Lebensweg motiviert haben.
Die Buchpräsentation von „Durch die gläserne Decke“ fand im Heimatort der Autorin, in Bad Aussee, statt. Die Veranstaltung wurde mit den Worten eröffnet: „Wir präsentieren dieses Buch im Ausseerland, wo das Patriarchat rigide regiert“. Was der Sprecherin, Ex-Vizebürgermeisterin Sieglinde Köberl, einen ordentlichen Applaus des Publikums einbrachte. Neben der Autorin und ihrem Verleger Peter Rauch haben sich auch einige der porträtierten Frauen selbst eingefunden. Ihnen sieht man ihre Durchsetzungskraft an, denn eine solche werden sie wohl benötigt haben, auf ihrem Weg nach oben. Unter den Podiumsgästen waren die Diplomatin Eva Nowotny, Stahlbauerin Elisabeth Kislinger-Ziegler und die ehemalige Direktorin der europäischen Zentralbank, Gertrude Tumpel-Gugerell anwesend.
Elisabeth Welzig schaffte es, ihr doch recht umfangreiches Werk zu einem kurzweiligen Leseerlebnis werden zu lassen. Man sieht das Handwerk einer Journalistin. Und Verleger Peter Rauch lobte im Rahmen der Buchpräsentation die Autorin für ihren Spürsinn für Themen, hofft, dass das Buch etwas bewirken wird.
Um die tatsächliche Situation von Frauen in Männerdomänen auf den Punkt zu bringen, lässt Welzig beispielsweise die Biochemikerin und Wittgenstein-Preisträgerin Renée Schröder im Buch zu Wort kommen: „Frauen stürzen sich nicht so auf das, was sexy und Mainstream ist. Männer wollen so schnell hoch, sie kämpfen, bis sie eine Stellung haben, in der sie überfordert sind, und niemand mehr an sich heranlassen, damit die Blößen nicht so offensichtlich sind“.
Auch die plastische Chirurgin Hildegunde Piza-Katzer kommt zu Wort. Sie leitete das Operationsteam, das dem Briefbombenopfer Theo Kelz im März 2000 in einer 18-stündigen Operation zwei Hände transplantierte, was bis heute teilweise öffentlich verschwiegen wird. Kelz trägt die neuen Hände noch heute. Wikipedia verschweigt, dass Piza-Katzer die Leitung des Operationsteams hatte und erwähnt sie in keinster Form, wohl aber einen der Chirurgen in Piza-Katzer´s Team.
Von diskriminierenden Aussagen wissen die Frauen in ihren Biografien auch zu berichten. Da werden einer österreichischen Pilotin und Copilotin unterstellt, ihr Flugschüler sei der Pilot, der auf die Frauen im Cockpit aufpasst. Und Spitzendiplomatin Eva Nowotny wurde geraten, die Silberlöffel zu zählen und sich auf Repräsentationsaufgaben zu beschränken, was zu einer handfesten Auseinandersetzung mit ihrem Vorgesetzten geführt hatte. Nowotny gelang übrigens eine einzigartige Diplomatenkarriere. Kein anderer männlicher Kollege war bis heute als Diplomat in Paris, London und Washington tätig.
Erschütternd liest sich jedoch auch die Lebensgeschichte der österreichischen Komponistin Olga Neuwirth. Sie bringt ihre Situation auf den Punkt: „Die Macht fühlt sich immer von der Kunst bedroht, und anscheinend von einer kleinen Frau besonders“. Neuwirth hat ihr Österreicherinnendasein aufgeben und lebt nun in New York, Manhattan.
Es gibt aber auch Positives zu berichten. Alle Frauenschicksale scheinen trotz aller Widrigkeiten ihren Weg zu gehen und sind ihn gegangen. Freilich, so manche Beziehung scheiterte an der Frauenkarriere und allen scheint gemein zu sein, dass man einen männlichen Mentor benötigt, um wirklich ganz nach oben zu kommen. Von alleine geht´s wohl doch nicht. Trotzdem müsse man das Erreichte in Sachen Gleichstellung bewahren, sagt Elke Gruber, Bildungswissenschaftlerin an der Universität Klagenfurt, die das Vorwort zu Welzig´s Buch schrieb. Denn trotz besserer Ausbildung schaffen es noch zu wenige Frauen, ihre Karriereziele tatsächlich zu erreichen. Die Gleichstellung ist nach wie vor keine Selbstverständlichkeit in Österreich. Gruber berichtet, nachdem man an der Uni Klagenfurt rund ein Dutzend Professorinnen angestellt hatte, hört man jetzt wieder Unkenrufe wie: „Jetzt ist es aber genug. Es müssen wieder Professoren her“.
Im Rahmen der Buchpräsentation stellte man am Podium fest, Frauen in Spitzenpositionen benötigen ein Netzwerk und im Bildungsbereich ist noch viel zu tun. Das Buch ist also mehr als eine Sammlung von Frauenbiografien. Es ist eine Geschichte der Frauen dieses Landes, das sich beeindruckend leicht liest. Welzig lässt nämlich alle Biografien unkommentiert. Der Leser, die Leserin ist aufgefordert, eigene Schlüsse aus den präsentierten Lebensgeschichten zu ziehen. „Durch die gläserne Decke“ ist ein Buch von einer Frau, über Frauen für Männer und Frauen, das man gerne öfter zur Hand nehmen wird.
Durch die gläserne Decke. Frauen in Männerdomänen ist im Böhlau-Verlag erschienen und hat 327 Seiten. Ab dem 28.10.2011 ist es für 29,90 € im Buchhandel oder direkt hier erhältlich.









