Privat war gestern – Ein Buchtipp für eine große Zielgruppe
Wer besoffen in der Ecke einer Party-Location liegt, läuft Gefahr in Kürze ein Foto davon irgendwo im Internet wiederzufinden. Wer, aus welchem Beweggrund auch immer, als vollkommen untalentierter Kandidat zu DSDS marschiert und sich dort vor aller Welt zum Affen macht, kommt sogar noch gut weg, denn könnte er singen, geht es in die zweite Runde, pardon, den Recall, und ab dann wird das Privatleben aufgedröselt. Sangesleistung ist nur zweitrangig, wenn eine schwere Kindheit, Drogensucht, ein gemeinsames Kind mit der Cousine oder sonstige, eigentlich sehr private Dinge, auftauchen. Sowas macht Quote im privaten Fernsehen. Der Voyeurismus des Publikums will schließlich bedient werden.
Das sind nur zwei Beispiele wie in Zeiten von Internet und Massenmedien immer mehr das auf der Strecke bleibt, was man gemeinhin unter Privatsphäre versteht. Christian Schertz und Dominik Höch, beide sind Anwälte für Medienrecht, haben mit „Privat war gestern - Wie Medien und Internet unsere Werte zerstören“ ein Buch zum Thema geschrieben, in dem noch weitere Beispiele auftauchen, wie der sogenannte Homo Sapiens selbst dafür sorgt, dass sein Privatleben nach außen gekehrt wird, meist ohne zu wissen, welche Folgen sich daraus ergeben. Man denke nur an die „Darsteller“ in den Reality-Soaps, die sich von Zwegat, Wittler & Co „helfen“ lassen, dabei abgefilmt werden und nachher feststellen, dass sie dabei gar nicht so gut wegkommen. Die vermeintlichen 15 Minuten Ruhm werden nicht nur schwach bezahlt, sondern sehr teuer erkauft. Und das freiwillig, wenn auch meist blauäugig.
Das Buch ist eigentlich für eine Zielgruppe geschrieben, die kurz davor steht, in diese Medienfalle zu tappen. An der Stelle allerdings schließt sich der Teufelskreis, denn bekanntlich sind die Mitglieder dieser Gruppe nicht eben die Vielleser. Nun könnte man sagen „was solls, die sind doch selbst dran schuld“, was natürlich in den meisten Fällen stimmt, aber sie sind es nicht alleine. Schließlich gibt es genügend Zuschauer, die dafür sorgen, dass solche TV-Formate „ankommen“ und wie Pilze aus dem Boden sprießen. An der Stelle muss sich der TV Konsument selbst an die Nase greifen.
Die Thematik der Privatsphäre im Internet wird in jüngster Vergangenheit ja reichlich diskutiert und laut einer im Buch erwähnten Studie ist das Nutzerverhalten auch auf einem positiven Weg. Mittlerweile gehen weit mehr Menschen vorsichtiger mit ihren sensiblen Daten um, vermutlich auch durch
Negativ-Beispiele aus dem persönlichen Umfeld motiviert. Und auch hier gilt: was man selbst nicht von sich preisgibt, taucht auch nirgendwo auf. Es sei denn ein Mitmensch hat es auf einen abgesehen und verbreitet Wahr- oder Unwahrheiten über einen. Die Möglichkeiten dazu sind mannigfaltig und die Gegenmittel nur sehr begrenzt. Hier besteht also Handlungsbedarf seitens derjenigen, die Einfluss auf das Internet haben, was allerdings ein schwieriges Unterfangen darstellt.
Das Buch sei jedem ans Herz gelegt, der sich Gedanken zum Thema Privatsphäre macht, oder jemanden kennt, der sich diese Gedanken dringend machen sollte, dann natürlich als Geschenk.
Erschienen ist „Privat war gestern“ im Ullstein Verlag. Das Buch hat 256 Seiten und ist für 19,99 € im Buchhandel oder direkt hier erhältlich.









