Intelligente Macht im 21. Jahrhundert
Das wahrscheinlich bedeutendste Wort, wenn es um Politik und Wirtschaft geht, ist Macht. Wer ausreichend Macht besitzt, sagt an, was gemacht wird, oder er macht es einfach, weil er die entsprechenden Mittel dazu hat. Dann ist von harter Macht die Rede, die auch oft mit der militärischen Macht einhergeht. Das Gegenteil ist die „sanfte“ Macht, die weit weniger blutig daherkommt und sich in der jüngeren Vergangenheit stark auf dem Vormarsch befindet. Erfinder des Begriffes „Sanfte Macht“ ist Joseph Nye, der im Jahr 2004 ein Buch dazu verfasst hat. Er ist es auch, der nun ein neues Werk präsentiert: „Macht im 21. Jahrhundert – Politische Strategien für ein neues Zeitalter“.
Das aktuelle Schlagwort ist nun „Smart Power“, frei übersetzt die schlaue, kluge oder auch intelligente Macht, die es einzusetzen gilt, wenn man im laufenden Jahrhundert seine Interessen durchsetzen will. Wovon er spricht, weiß er sehr genau, denn neben seiner Harvard-Professur an der Kennedy School of Government, war er Mitte der 1990er Jahre stellvertretender US-Verteidigungsminister unter Bill Clinton. Gemeinhin gilt er als DER nordamerikanische Experte für das Thema Macht und so erstaunt es auch nicht weiter, dass das Buch sehr US-lastig ist. Im Grunde aber kein Makel, denn schließlich sind die USA derzeit noch die einzige Weltmacht, auch wenn dieses Alleinstellungsmerkmal über kurz oder lang fallen könnte. Joseph Nye sieht das zwar nicht so, aber er spart auch nicht an Kritik, wenn es um den Einsatz amerikanischer Macht geht. Auch eine Großmacht muss sich an neue Gegebenheiten anpassen, an Ratschlägen mangelt es dem Autor hier nicht.
Das Buch ist in drei Teile mit insgesamt sieben Kapiteln eingeteilt, die allesamt auch von Nicht-Akademikern gelesen werden können. Viele Beispiele und Vergleiche, sowie eine flotte Schreibweise machen es nicht zu einer mühsamen Qual, sich durch die knapp 400 Seiten zu kämpfen, um zu erfahren, welche Macht-Varianten es gibt, wie sich Macht verschieben kann und was Smart Power für eine erstaunliche Kraft hat, wenn man sie zu nutzen weiß. Dass hier nicht die USA an vorderster Front stehen erscheint dem geneigten Leser logisch. China und weitere Länder sind da schon ein Stück weiter. Auch hier sind Beispiele vorhanden, wie es gehen kann.
Für weltpolitisch interessierte Buch-Fans könnte man durchaus von einem Must-Read sprechen, nach der Lektüre hat man tatsächlich einen guten Gesamtüberblick zum Thema. Wie man es dann weiter interpretiert bleibt natürlich jedem selbst überlassen. Aber auch die deutsche Politik könnte sich das ein oder anderen Kapitelchen als Vorlage nehmen und daraus ihre Schlüsse ziehen.
Das Buch hat 384 Seiten und ist im Siedler Verlag erschienen. Für 24,99 Euro ist es im Buchhandel oder direkt hier erhältlich.









