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World Wide War: Angriff aus dem Internet

world_wide_war_minicover„Das Internet macht die Welt zum Dorf.“ Ein Zitat von Frank Markus Barwasser, alias Erwin Pelzig. Der Zusatz „Noch so ein Dreckskaff“ mag seiner kabarettistischen Haupttätigkeit geschuldet sein, ist aber im Ansatz durchaus ein Gedanke, der heute manch einem Kriegsstrategen durch den Kopf geht, wenn er darüber nachdenkt, dass mittlerweile von nahezu jeden Ort auf der Welt ein Angriff auf jeden anderen Ort erfolgen kann. Die Rede ist vom Krieg via Internet oder dem „World Wide War“. Das gleichnamige Buch von Richard A. Clarke und Robert K. Knake beschäftigt sich mit genau diesem Thema.

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„Stell Dir vor es ist Krieg und keiner geht hin – nicht weil keiner will, sondern weil nichts mehr funktioniert“. So steht es auch dem Buchrücken geschrieben und auf den ersten Blick liest sich dieser Satz doch sehr harmlos. Zumindest wird dadurch nicht assoziiert, dass Bomben fallen, Raketen einschlagen und Blut fließt, bis dato die Attribute, die das Wort „Krieg“ so mit sich bringt. Ein „Angriff aus dem Internet“, so der Untertitel des Werkes, kann aber durchaus ganze Länder lahm legen und somit, wenn auch keine direkt tödlichen, schmerzhafte Auswirkungen auf die Bevölkerung haben. Beispiele dafür gibt es bereits, so wurde Estland Opfer eines mehrere Tage dauernden Hackerangriffs, der das Internet zusammenbrechen lies und damit auch viele der modernen, netzabhängigen Einrichtungen. Keine E-Mails mehr versenden zu können ist sicherlich ärgerlich, am Geldautomaten oder an der Kasse des Supermarktes kein Bares oder Waren zu erhalten ist schon eine andere Liga.

Auch der im letzten Jahr in den Medien präsente Wurm namens Stuxnet, der es auf von Siemens hergestellte Software zur Steuerung von Energiegewinnungsanalagen, primär nukleare Modelle im Iran, abgesehen hatte, ist so ein neues Kampfmittel. Aber auch die Möglichkeit via Internet die militärische Abwehr eines Landes quasi erblinden zu lassen und ohne Widerstand einen Luftangriff durchzuführen wäre noch vor einigen Jahren ein Traum der Invasoren im Irak gewesen, die zuerst einen mehrwöchigen Luftkrieg gegen Abwehrstellungen führen mussten, bevor sie ihre Bodentruppen nach vorne schicken konnten.

World Wide War zeigt aber nicht nur diverse Beispiele für bereits erprobte Angriffe, sondern die dahinter stehenden Strategien, die möglichen Ziele und die Waffen der Cyberkrieger, die in den amerikanischen Streitkräften zu eigenen Einheiten zusammengefasst sind und, wer hätte das gedacht, nicht nur world_wide_war_coveraus durchtrainierten Killermaschinen, sondern auch aus leicht übergewichtigen und dicke Brillen tragenden Nerds bestehen, die mit Maus und Keyboard bewaffnet die Kriege der Zukunft vorbereiten, oder auch zu vermeiden versuchen. Je nachdem.

Alles in allem eine spannende und leider wohl oder übel zukunftsweisende Lektüre, die sehr gut beschreibt, was in den nächsten Jahrzehnten auf uns zukommt. Das Internet ist zwar aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken, angesichts der daraus entstehenden Möglichkeiten könnte man den beiden Autoren aber auch zustimmen, wenn sie sagen: „Könnten wir diesen Geist wieder in die Flasche sperren, sollten wir das tun“

Erschienen ist "World Wide War" bei Hoffmann und Campe. Das Buch hat 352 Seiten und ist für 22,00 € im Buchhandel oder direkt hier erhältlich. Wir wünschen erkenntnisreichen Lesespaß.


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