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Ich will von den Menschen erzählen - ein Kriegsreporter berichtet

ich_will_von_den_menschen_erzaehlen_minicoverSchauplätze sind reichlich vorhanden. Kriegsreporter sind auf der ganzen Welt unterwegs. Sie begeben sich in Krisengebiete, setzen sich selbst den Gefahren des Krieges aus, erleben Zerstörung, Tod, Trauer, Hoffnung und den puren Überlebenskampf von Zivilisten. Einer von ihnen ist Julian Reichelt. In seinem Buch „Ich will von den Menschen erzählen“ wird der Leser auf eine Reise mitgenommen, die erschreckend ist und dabei einen faden Beigeschmack hinterlässt, der sich wie ein roter Faden durch das Buch zieht.

Die Nachrichten berichten uns täglich von Kämpfen und Schreckensmeldungen, die sich rund um den Globus ereignen. Während wir diese Meldungen geschützt auf dem Sofa oder Stuhl sehen, lesen oder hören, sind es die weltweit aktiven Kriegsreporter und Sensationsreporter, welche sich an die Schauplätze begeben. Julian Reichelt ist nicht nur Reporter, sondern auch Kriegsreporter. Schon viele Kriege und Katastrophen hat er gesehen und darüber berichtet. In seinem Buch „Ich will von den Menschen erzählen“ berichtet er von seinen Einsätzen in Israel, im Irak und Afghanistan, von seinen Erlebnissen im Tschad/Darfur sowie von Thailand, als der Tsunami Tod und Zerstörung über das Land und die Menschen brachte. Auch ein Bericht über das Erleben im Vatikan, als der Pabst starb, findet sich in dieser Lektüre, die teilweise an die Substanz des Begreifens geht.

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In Erzählform berichtet der noch relativ junge Reporter über die Menschen, welche sich als Zivilisten und Soldaten in seinem Buch aufzeigen. Weinende Mütter, die ihre Kinder begraben. Menschen, die ihren Lebenspartner neben dem Sarg in die Heimat oder ans Grab begleiten. Soldaten, die blutend und schreiend Kriege erleben, mitmachen, gutheißen oder sich gezwungen sehen einfach dabei zu sein. Überhaupt dabei sein. Als Leser kann man Julian Reichelts Erzählungen bestens folgen und sich die einzelnen Situationen sehr gut vorstellen. An manchen Stellen fast zu gut. Was bei mir allerdings einen faden Beigeschmack hinterlassen hat, ist die Tatsache, dass der Autor in seinem Erzählen eine Sensationslust, um nicht zu sagen, Blutlust ausstrahlt. Adrenalinstöße sobald eine neue Katastrophe oder ein weiterer Krieg ausbricht. Den Trieb sofort in ein Flugzeug steigen zu müssen, um hautnah das Leid und die Zerstörung miterleben zu können. Das gespannte Kribbeln erneut erfahren zu können, wenn er im gepanzerten Wagen von Soldaten mitfährt.

Bis heute denke ich darüber nach, ob ein Kriegsreporter wie Julian Reichelt nun ein Tun mit gesellschaftlichem Wert sein Eigen nennen kann oder ob es nicht viel mehr die Lust am Tod und tiefsten Emotionen ist, die diese Reporter von einem Ende der Welt zum nächsten jagen lässt. Vielleicht hat mich das Lesen von „Ich will von den Menschen erzählen“ auch deshalb aufgewühlt, weil der Autor unter anderem für die Zeitung mit den berühmt-berüchtigten vier Buchstaben arbeitet. Ob deswegen der rote Faden des Buches sich am Ende zu einem Knäuel der Gedanken entwickelt hat, kann ich aktuell nicht sagen.

ich_will_von_den_menschen_erzaehlen_coverFazit: „Ich will von den Menschen erzählen“, geschrieben von Julian Reichelt, enthält viele interessante und aufwühlende Passagen. Passagen, die für alle, welche nie hautnah einen Krieg oder eine Naturkatastrophe miterleben mussten, zahlreiche neue Eindrücke hinterlassen werden. An dieser Stelle kann ich jedoch weder eine konkrete „für oder gegen“ Empfehlung für dieses Buch aussprechen, so dass der Leser dieser Rezension seinen eigenen interessierten und lesenden Impulsen folgen sollte, mag er sich mit dieser Art von Lektüre beschäftigen.

Das Buch umfasst 192 Seiten, ist im Bastei Lübbe Verlag erschienen und zu einem Preis von 8,99€ im Buchhandel sowie direkt hier erhältlich.


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