Wie ich mal rot wurde: Mein Jahr in der Linkspartei
Er stammt aus dem tiefsten Bayern, ist in einem gutbürgerlichen Elternhaus groß geworden und als Journalist beim Magazin der Süddeutschen Zeitung tätig. Mit diesen Eckdaten im Lebenslauf könnte man auf die Idee kommen, dass der Mann der CSU nahesteht. Der Gedanke, er sei Mitglied bei der Linkspartei kommt eher nicht auf. Er hat es aber trotzdem getan und war für insgesamt 18 Monate ein Linker, einen Teil der Zeit davon sogar aktiv. Was Tobias Haberl dabei erlebt hat, ist in seinem Buch „Wie ich mal rot wurde“ nachzulesen.
Haberl hat nicht etwa eine Wette verloren, auch trägt er kein linkes Gedankengut mit sich herum, er wollte einfach nur mal wissen wie es bei DIE LINKE so zugeht und hat deshalb im Dezember 2008 die Mitgliedschaft beantragt. Im Anschluss ist er in seiner Wahlheimat München auf Stammtische gegangen, hat Wahlkampf gemacht, ist bei Demonstrationen mitmarschiert und hat viele Menschen getroffen, denen er im „normalen“ Leben sicherlich niemals begegnet wäre. Darunter viele Hartz IV Empfänger, die sich mit Hoffnung auf Verbesserung ihrer eigenen Lage an DIE LINKE klammern, aber auch die Parteispitze. Mit Sarah Wagenknecht saß er sogar mehrere Stunden im Café zum Plaudern. Allerdings nicht wegen seiner Parteimitgliedschaft, sondern weil er einen Presseausweis besitzt. Den Mitgliedsausweis der Partei hat er übrigens erst erhalten, als seine aktive Tätigkeit ein jähes Ende gefunden hat.
Eine Woche vor der Bundestagswahl im September 2009 hat Tobias Haberl nämlich einen 8-seitigen Artikel im Magazin der Süddeutschen veröffentlicht und ab dem Moment hat er sich nicht mehr in die Nähe seiner „Parteikollegen“ getraut. Zum einen aus Angst vor Rache, zum anderen wegen einem schlechten Gewissen den Personen gegenüber, die er als durchaus liebenswert kennengelernt hat, was er nicht von allen Parteimitgliedern behaupten kann.
Das Buch ist angenehm zu lesen, hat an vielen Stellen auch eine gute Portion feinsinnigen Humor und zeigt einen Blick hinter die Kulissen der Partei, die ursprünglich aus der DDR-SED hervorgegangen ist und mit der eigentlich niemand aus dem demokratischen Lager etwas zu tun haben will. Ob es nur an der sozialistisch-kommunistischen Ausrichtung liegt oder ob auch die teilweise seltsame, um nicht zu sagen leicht chaotische Innenorganisation daran schuld ist, dass der Autor im Sommer 2010 dann seine Mitgliedschaft beendet hat, erfährt man auf den 256 Seiten, die im Luchterhand Literaturverlag erschienen sind.
Für 18,99 Euro gibt es das Werk im Buchhandel oder wie immer direkt hier. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen.









