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Die Intelligenz der Massen

schwarmintelligenz_minicoverWer jetzt vermutet eine böse Satire über die vermeintliche Intelligenz der vielen Mitbürger zu lesen, die sich täglich von RTL und BILD-Zeitung mit „Wahrheit“ versorgen lassen, der ist hier ausnahmsweise an der falschen Stelle. Denn es geht wirklich um das, was man im positiven Sinne des Wortes verstehen kann. Anlass ist das Buch „Schwarmintelligenz“ von Len Fisher, dessen Untertitel „Wie einfache Regeln Großes möglich machen“ neugierig macht. Die Zeiten sind schwer genug, wieso sollte man sich das Leben nicht leichter gestalten, werfen wir also einen Blick in das Werk.

Zu Beginn beschäftigt sich das Buch mit den Lebewesen, die für das Wort Schwarm in Frage kommen, nämlich die Bienen und die Wanderheuschrecken. Beide Gruppen bestehen aus sehr vielen Individuen, die einzeln so gut wie nichts auf die Reihe bringen, in der Masse aber Unglaubliches an den Tag legen und dabei nur den im Untertitel des Buches beschriebenen einfachen Regeln folgen. Und genauso agieren auch die Ameisen, denen das nächste Kapitel gewidmet ist. In Perfektion ermitteln sie in kürzester Zeit die schnellste Verbindung zwischen einer Nahrungsquelle und dem heimischen Haufen. Kurz gesagt, diese drei Tierarten nutzen seit Ewigkeiten das, was auch für den Menschen in nahezu jedem Bereich verwendbar ist und auch mehr und mehr verwendet wird: Die Schwarmintelligenz.

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Ob es um Rettungs- und Fluchtwege aus öffentlichen Gebäuden geht, wie zum Beispiel Fußballstadien oder Theatern. Oder die Einsparung von gewaltigen Mengen an Treibstoff, die sich, Dank vielen einzelnen Fahrern eines Paketdienstes und deren Beobachtung, dass man auf Liefertouren durch möglichst wenig links abbiegen ungemein viel Zeit und dadurch auch Benzin spart, alleine bei UPS im Jahr 2006 auf stattliche 14 Millionen Liter zusammenaddiert hat. Auch die Tatsache, dass es nur einer gewissen Menge an Menschen braucht, die allesamt zwar informiert sein sollten, aber keineswegs Expertenwissen besitzen müssen um auf eine richtige Lösung zu kommen, ist ein schönes Beispiel, dass man sich dann ins Gedächtnis rufen sollte, wenn man es bei „Wer wird Millionär“ auf den Stuhl geschafft hat und den Publikumsjoker zum Einsatz bringt.

Das Buch ist voll mit Beispielen aus dem täglichen Leben und dabei kommen sehr oft AHA-Erlebnisse zustande, denn es ist wirklich erstaunlich, zu was Gruppen in der Lage sind. Möglicherweise hat der eine oder andere schon davon gehört, dass jeder Einzelne von uns über nur sechs Verbindungen jeden Menschen auf diesem Planeten erreichen kann. „Ich kenne einen, der einen kennt...“ ist das Motto. Natürlich nur rein statistisch und im Durchschnitt, aber trotzdem faszinierend und dank der schwarmintelligenz_covermodernen Kommunikationsmittel wohl bald sogar mit noch weniger Aufwand. Durch das Internet wird die Welt wirklich zum Dorf, Gerüchte und Tratsch verbreiten sich in Windeseile rund um den Globus. Dieses Wissen muss man jetzt nur noch zu seinem eigenen Vorteil nutzen, schon profitiert man von der Schwarmintelligenz.

Das Buch ist an vielen Stellen mit amüsanten Passagen aufgelockert, so dass der wissenschaftliche Inhalt angenehm verpackt ist und nicht trocken daher kommt. Es macht richtig Spaß darin zu lesen und das erworbene Wissen in den Hinterkopf zu packen. Man wird es irgendwann brauchen können, das kann morgen sein, oder in 20 Jahren. Wohl dem, der es dann abrufen kann.

„Schwarmintelligenz - Wie einfache Regeln Großes möglich machen“ ist im Eichborn-Verlag erschienen, hat 268 Seiten und ist sowohl im Buchhandel als auch direkt hier erhältlich.


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