Mordshunger oder der Profit mit der Armut
25.000 Menschen sterben täglich an den Folgen einer Unterernährung und Hunger. Alle sechs Sekunden verliert ein Kind sein Leben, weil es regelrecht verhungern muss. Seit 2009 wurde die Milliardengrenze der weltweit Hungernden überschritten. Erschreckende Tatsachen, die sich besonders in Ländern aufzeigen, die zu den armen und ärmsten der Erde gehören. „Mordshunger - Wer profitiert vom Elend der armen Länder“ beschäftigt sich sehr tief mit dieser Thematik, die beständig zunimmt und den Autor Jean Feyder nicht nur diese berechtigte Frage stellen lässt: Hunger tötet - versagt die Politik?
Schon das Vorwort von Jean-Claude Juncker lässt erahnen, dass dieses 335 Seiten umfassende Sachbuch, übersetzt von Michael Bayer, kein leicht zu lesendes und auch kein leicht zu verdauendes sein wird. Und der erste Eindruck behält tatsächlich seine Berechtigung. Jean Feyder, seines Zeichens Botschafter und Vertreter von Luxemburg bei der UNO sowie bei der WTO in Genf und zudem durch Tätigkeiten der Entwicklungsarbeiten sehr erfahren, um nur einige Details dieses Autors zu nennen, zeigt in seinem Buch Realitäten auf, die man in dieser Form nur flüchtig in den Nachrichten mitbekommt.
Wie kann es sein, dass zum Beispiel die Menschen zu wenig Reis oder Mais haben, während der selbige aus Ländern wie den USA in das Land der Hungernden importiert wird? Warum wird den Bauern die Existenzgrundlage genommen, in dem ihnen immer weniger Agrarland oder das Geld zum Instantsetzen der wenigen Arbeitsmittel zur Bestellung der Felder bleibt? Und warum müssen sich auch die europäischen Länder, und somit auch die Verantwortlichen aus der Politik und der Industrie, den Schuh anziehen aus der weltweit zunehmenden Armut Profit zu ziehen? Wenige Fragen, die hier stellvertretend für sehr viele weitere in dem Buch thematisierte und sehr gut erklärte Fragen und Antworten stehen.
Ursachen des Hungerskandals und ein radikaler Umbau des Ernährungssystems
Viele Zahlen und Fakten erfährt der Leser rund um die globale Politik und deren agierenden Politiker, Industriellen, die Armut in den sogenannten Entwicklungsländern, Gelder, die in Subventionen auf der einen Seite und in Abstriche auf der anderen Seite der Profit-Armutsmedaille ihren Platz finden und weshalb die Landwirtschaft generell ein vernachlässigter Sektor ist. Und welche Folgen daraus resultieren. Ein Buch, das auf einem Fundament gebaut wurde, das aufzeigt, wie tief Jean Feyder tatsächlich in dieser Thematik steckt und somit keine aus der Luft gegriffenen Spekulationen schriftlich zur Fixierung brachte. Man bekommt beim Lesen eine Wut, die sich mit einem hohen Unverständnis und mit, auf jeder weiter gelesenen Seite, klareren Sicht vereint, um immer wieder zu dem Schluss zu kommen, dass ein abgekartetes Spiel rund um den Globus läuft, das Millionen Menschen nachts vor Hunger nicht schlafen oder morgens durch ein Verhungern nicht mehr aufstehen lässt.
Zahlreiche Beispiele unterschiedlicher Länder, so beispielsweise Haiti, Brasilien, Indien oder China, und die dort herrschenden Zustände, das (Nicht-) Handeln der Politiker und Amtsinhaber der Weltbank sowie weiteren Organisationen, Verbände oder auch Konzerne, erlauben es dem interessierten Leser mehr von diesem fatalen Spiel zu erfahren, das zu Hungerkrisen sowie einem sozialen und ökologischen Kollaps führt, dem nur ein radikaler Kurswandel in dem gesamten Ernährungssystem Einhalt gebieten kann. Genau das ist es auch, was der Autor Jean Feyder mit seinem Handeln und seinem Buch „Mordshunger - Wer profitiert vom Elend der armen Länder?“ erreichen will und dem man auch in einem satten Zustand nur beistimmen kann.
Mein Fazit: Man muss dieses Buch wirklich gelesen haben, um sehr deutlich verstehen zu können, was unter globalen Aspekten in Sachen Hunger, Hungerkrisen oder Finanz- und Weltwirtschaftshandel geschieht. Mögliche Ansätze zur Reduzierung dieses erschreckenden und tödlichen Dilemmas, das Millionen, um nicht zu sagen Milliarden Menschen weltweit immer härter trifft, finden sich an sehr vielen Stellen in dem Buch und ich muss sagen, der Autor spart hierbei nicht mir klaren und scharfen Worten. Obwohl es nicht leicht zu lesen ist, sollte man sich diesem Sachbuch widmen, nicht zuletzt auch deshalb, damit man nicht mehr dümmlich grinst, wenn einer den Witz loslässt „in China ist ein Sack Reis umgefallen“.









