Arm, reich - und dazwischen nichts?
Das Leben in Deutschland mag zwar für viele kein Zuckerschlecken sein, aber im Großen und Ganzen leben wird doch alle noch im Schlaraffenland. Keine fliegenden Hühner umschwirren unsere Köpfe und auch der Wein kommt eher aus der Flasche als das er fröhlich sprudelnd im Bach entlang der Gläser fließt und doch gibt es nachwievor das Prädikat „Wohlstand“. Sicher? Und wen aus der Gesellschaft streift noch dieses Wort oder anders gefragt, gibt es sie tatsächlich die Kluft zwischen arm und reich? Wo sind die einstigen Menschen, die zum Mittelstand zählten? Vielleicht gehören sie grundsätzlich schon zu den Reichen. Allerdings scheint die Tendenz der Zeit gänzlich anderes aufzuzeigen und zwar die Tatsache, dass die einstigen gesellschaftlichen Mittelständler eher zu den Armen zählen. „Arm, reich - und dazwischen nichts?“ von Helmut Kuhn, durchstreift unser Land und bietet weitere Denkansätze darüber, ob und wie ein Oben oder Unten sehr viel präsenter ist, als ein „in der Mitte“.
Wer nicht blind durch den Alltag marschiert, weiß schon länger, dass die einstige Klassifizierung von arm, mittelreich und reich, kaum mehr existiert. Bei einigen wenigen mag es durchaus noch zutreffen, dass das, was man unter Mittelstand versteht, real betrachtet auch noch vorhanden ist, doch bei dem Gros der Mehrheit kann beileibe nicht mehr davon gesprochen werden. Einer ansteigenden Armut in Deutschland steht einer Handvoll Reichtum gegenüber, die immer häufiger durch deren Eigentümer dezent ausgelebt wird. Der Autor Helmut Kuhn hat mit seinem Buch „Arm, reich- und dazwischen nichts?“ (überarbeitete Neuauflage aus dem Jahr 2009) einen Streifzug durch Deutschland unternommen und dabei gesellschaftliche Themen beschrieben, die heute aktueller sind denn je.
Wie steht es mit der Kinderarmut im Land, was machen die Reichen mit ihrem Geld und vor allem wie gehen die Generationen der Erben mit dem Reichtum der Eltern und Verwandten um? Gibt es den Mittelstand noch und welche Tendenz zeigt sich hierzulande, wenn es um die Frage geht, wer arm oder reich ist und besonders ab welchem Einkommen? Fragen, die gewiss die meisten von uns beschäftigen und in dem Buch recht gut durchleuchtet werden. Auch wenn die vielen Zahlen heute, knapp eineinhalb Jahre nach dieser Neuauflage, wohl nochmals angestiegen sind, geben sie durchaus einen guten Anhaltspunkt, wie es im Land um die Kinder, Frauen und Männer aus Sicht der Finanzen, Bildung, Gesundheit oder der Lebensqualität bestellt ist. „Arm, reich- und dazwischen nichts?“ ist leicht zu lesen, vieles ist bekannt oder aus heutiger Sicht deutlich verschärft und doch kann ich sagen, dass es eine gut geschriebene Lektüre ist. Dass so manche Vornamen von bekannten politischen Persönlichkeiten falsch geschrieben wurden und auch bestimmte Zahlen, so etwa dem Hartz IV Regelsatz, nicht gänzlich korrekt sind, fällt zwar beim Lesen auf, stört jedoch nur unwesentlich den Lesefluss.
Es gibt sicherlich deutlich tiefergehende Bücher zu der Thematik Armut und Reichtum in Deutschland sowie die daraus resultierenden Folgen für die Einzelnen oder die gesamte Gesellschaft. Allerdings muss ich sagen, dass man trotzallem beim Lesen dieser kritischen Lektüre einige neue Impulse erhält, die wiederum das eigene Denken schärfen oder gar, bei thematischen Neulingen, auch an der einen oder anderen Stelle einen Aha-Effekt auslösen werden. Fazit: Insgesamt betrachtet kann ich „Arm, reich- und dazwischen nichts?“ für all diejenigen Interessierten empfehlen, welche sich auf eine kurzweilige Art und Weise mit dem immer wichtiger werdenden Thema Armut oder Reichtum, und der sich ständig ausweitenden Kluft dazwischen, beschäftigen möchten, ohne sich mit komplizierter Denkstruktur aufhalten zu müssen.








