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Schluss mit pseudo-wissenschaftlichen Versprechungen

wissenschaftsluege_cover_klein„Dermatologisch getestet…“, „Studie belegt…“ oder von „Ärzten empfohlen“. Drei Aussagen mit denen wir täglich konfrontiert sind und die uns weiß machen wollen, dass das, was wir Kaufen oder Einnehmen, uns dabei helfen kann länger gesund und jung zu bleiben. Ben Goldacre durchleuchtet in seinem Buch „Die Wissenschaftslüge“ auf eine sehr verständliche Weise die pseudo-wissenschaftlichen Versprechungen der Pharmaindustrie, der Medizin, der Homöopathie, der Ernährungsberater oder auch der Kosmetikindustrie. Wer dieses Buch, auch und besonders als Laie, gelesen hat, wird nicht nur zwangsläufig eine neue Meinung entwickeln, sondern so manchen fadenscheinigen Versprechungen, aus der Wissenschaft und bestimmten Industriezweigen, gekonnt die kalte Schulter zeigen können. 

Das Buch, geschrieben von Ben Goldacre, mit einer Übersetzung von Irmengard Gabler, ist ein beeindruckendes Werk. Der Autor ist Arzt, schreibt unter anderem als Medizinjournalist für die britische Zeitung „The Guardian“ und praktiziert zusätzlich als Psychiater. Seine Kolumne „Bad Science“ in der gleichnamigen Zeitung, gilt bereits als Kult. Wenn man sein Buch über die Lügen der Wissenschaft gelesen hat, kann man verstehen, weshalb Goldacre gleichermaßen geliebt und gehasst wird. Einer der Gründe ist sicherlich seine Fähigkeit komplexe Zusammenhänge mit viel Witz derart offensichtlich zu machen, dass man nun wirklich kein Studium vorweisen muss, um besser verstehen zu können, was sich hinter den Kulissen der Wissenschaft so abspielt.

wissenschaftsluege_coverBen Goldacre durchleuchtet, mit einer direkten Ansprache zum Leser, vermeintliche pseudo-wissenschaftliche Versprechungen und Aussagen, denen wir alle nur zu leichtgläubig erliegen. Themen, wie die Manipulationen der Homöopathen, der Pharmahersteller, der kosmetischen Industrie und vor allem der Mediziner und Ernährungsberater, werden ebenso wenig ausgelassen als auch naturwissenschaftliche Erklärungen oder das Hinterfragen, wann Studien tatsächlich ehrliche, und für die Menschheit relevante, Ergebnisse liefern und warum der Placebo-Effekt so gut wirkt. Von der ersten bis zur letzten Seite überlässt der Autor jedoch dem Leser, welche Meinung er sich, aufgrund der neuen Erkenntnisse, bildet. Sicherlich, an mancher Stelle kann sich Goldacre einen kleinen Tiefschlag gegen bestimmte Leute nicht verkneifen, aber diese minimalen Ausrutscher erscheinen derart gering, dass sie keine wirkliche Beeinflussung auf die persönliche Denkweise ausüben.

Reichlich spannend führt der Autor den Leser durch Welten, mit denen er zwar ständig konfrontiert ist, die jedoch nie richtig hinterfragt werden. Fragen, wie beispielsweise, woher wir wissen, ob uns eine medizinische Behandlung hilft oder wie wir die Aussagen aus den Reihen der alternativen Medizin auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen können, werden durch sehr anschauliche Experimente oder Rechenbeispiele ergänzt. „Die Wissenschaftslüge“ ist ein Buch, das man an kaum einer Stelle ohne „Aha-Effekt“ lesen kann. Beeindruckend ist hierbei, dass etwa ein simples Experiment - mit Wasser, einer kleinen Wanne, zwei Nägeln und einer Autobatterie - die verlogenen Machenschaften derjenigen aufdeckt, die einem durch teure Geräte oder Behandlungen weiß machen wollen, dass wir voller Gifte sind.

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Studien belegen. Eine vielgepriesene Aussage, die allerdings nach dem Lesen diese Lektüre, mit gänzlich anderen Augen betrachtet wird. Wie aufwändig fundierte Studien jeglicher Art sind, sofern sie real bis ins kleinste Detail durchgeführt werden, wird durch die Erklärung des Autors mehr als deutlich. Und das allein aufgrund der Kosten oder den kapitalistischen Grundgedanken vertuscht, gemauschelt und gelogen wird, macht einem als Patient oder Konsument schlagartig klar, in welch dreckigem Spiel man hierbei steckt. „Die Wissenschaftslüge“ ist inhaltlich ein wirkliches starkes und umfangreiches Buch, jedoch ohne beim Lesen auch nur einmal Langeweile aufkommen zu lassen. Obwohl das Thema dieser Lektüre alles andere als leichter Tobak ist, schleicht sich angesichts des Humors von Ben Goldacre immer wieder mal ein Schmunzeln auf die Gesichtszüge. Was den aufsteigenden Ärger angesichts der Manipulationen aus den wissenschaftlichen, politischen, wirtschaftlichen  und medialen Kreisen, zwar nicht wirklich dämpft, jedoch etwas abmildert.

Fazit: Aufgrund der Tatsache, dass wir alle bestimmte Produkte und Dienstleistungen, besonders aus den Bereichen Gesundheit und Medizin kaufen, und uns mit Medikamenten vollpumpen, die oftmals mehr Schaden anrichten als eine Heilung zu unterstützen, kann das Buch „Die Wissenschaftslüge“ jedem Menschen nur wärmstens empfohlen werden. Nach dem Lesen hat man eine neue Basis von Wissen an der Hand, um die pseudo-wissenschaftlichen Versprechungen mit den Waffen des eigenen Denkens und Handelns in ihre Schranken zu verweisen.

Abschließend möchte ich jedoch eine kleine Warnung an die Käufer des Buches loswerden: Wer vorher schon nicht alles geglaubt hat, was einem da aus der Medizin, der alternativen Medizin und weiteren Bereichen rund um das Thema Mensch und Gesundheit wissenschaftlich-belegt, unter dem Deckmantel der Glaubwürdigkeit, präsentiert wird, der wird nach der „Wissenschaftslüge“ nochmals eine Steigerung seiner kritischen Einstellung erleben können. Allerdings sei genau das jedem mitdenkenden Leser gewünscht.

Das Buch umfasst 420 Seiten, ist im Fischer Verlag erschienen und zu einem Preis von 9,95€ im Buchhandel oder direkt hier erhältlich.


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